Halbjahres-Bilanz
Bahn bremst die Optimisten aus

Freiwillig ist Hartmut Mehdorn nicht von der Spitze der Deutschen Bahn abgetreten. Aber im Hinblick auf die Zahlen war sein Timing gar nicht so schlecht, würden Kritiker sagen. Denn sein Nachfolger Rüdiger Grube muss heute nach Jahren der steigenden Gewinne nun eine ganz triste Bilanz vorlegen. Die Grünen warnten Grube bereits davor, Verluste mit Fahrpreiserhöhungen zu kompensieren.

FRANKFURT. Die Deutsche Bahn stellt sich auf eine mehrjährige Durststrecke ein. Er gehe nicht davon aus, dass die Krise schnell vorübergehe, sagte der neue Konzernchef Rüdiger Grube bei der Vorstellung der Geschäftsentwicklung. Die Bahn werde die Umsätze der Geschäftsjahre 2007 und 2008 in den nächsten vier Jahren wohl nicht mehr erreichen.

Im ersten Halbjahr dieses Jahres schaffte es der Konzern aber immerhin, in den schwarzen Zahlen zu bleiben. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) schrumpfte um mehr als die Hälfte auf 671 Mio. Euro, der Umsatz sank in den ersten sechs Monaten um 14 Prozent auf 14,3 Mrd. Euro. Weder Grube, der den Ende März zurückgetretenen Hartmut Mehdorn abgelöst hatte, noch der langjährige Finanzvorstand Diethelm Sack wollten eine Prognose für das Gesamtjahr abgeben. Offen ließen die Manager auch, ob sie zum Jahresende noch ein positives operatives Ergebnis erwarten.

Der Konzern leidet nach Grubes Worten darunter, dass die Produktion der für den Schienengüterverkehr wichtigen Sektoren Rohstahl, Automobil und Chemie stark schrumpft. Im ersten Halbjahr habe diese zwischen 24 und 43 Prozent unter dem Vorjahresniveau gelegen. Das internationale Transport- und Logistikgschäft spüre den drastischen Rückgang des Welthandels, so der Bahnchef.

Besonders stark betroffen ist der Schienengüterverkehr der Konzerntochter Schenker Rail. Die Verkehrsleistung sank von Januar bis Juni um rund 25 Prozent; der Umsatz ging um mehr als 26 Prozent auf 5,4 Mrd. Euro zurück. Der Bereich rutschte dadurch mit 121 Mio. Euro operativ ins Minus - als einzige Konzernsparte, wie Finanzchef Sack betonte. Schenker Rail hatte sich erst im vergangenen Jahr mit einem großen Ebit-Sprung um eine halbe Milliarde Euro in die schwarzen Zahlen vorgearbeitet.

Der Spitzenkandidat der Grünen für die Bundestagswahl, Jürgen Trittin, warnte die Bahn in diesem Zusammenhang davor, ihren drastischen Gewinneinbruch mit einer Erhöhung der Ticketpreise zu kompensieren. „Die Idee, die Verluste im Frachtgeschäft mit einer Verteuerung der Fahrkarten im Personenverkehr gegenzufinanzieren, stürzt die Bahn in einen Teufelskreis“, sagte Trittin am Donnerstag im Gespräch mit Handelsblatt.com. „Wenn der Konzern die Ticketpreise weiter erhöht, dann wird es einen weiteren Kundenrückgang geben.“ Trittin forderte die Bahn auf, sie solle vielmehr kundenfreundlichere Tarife anbieten. Dazu zählten auch Fahrpreissenkungen.

Die Deutsche Bahn hatte zuvor erklärt, auch mögliche Fahrpreiserhöhungen im Personenverkehr würden derzeit diskutiert. Eine Entscheidung darüber falle erst Ende September/Anfang Oktober, sagte Bahnchef Rüdiger Grube

Grube machte zudem deutlich, dass er im Schienengüterverkehr erhebliche Sparpotenziale sieht. Allein in diesem Jahr soll die Produktivität der Sparte um 200 Mio. Euro gesteigert werden, insgesamt sollen 350 Mio. Euro im Jahr eingespart werden. Grube hatte erst vor wenigen Wochen den bisherigen Konzern-Strategen Alexander Hedderich zum Chef der Sparte ernannt, nachdem Vorgänger Klaus Kremper seinen Rücktritt erklärt hatte.

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