Halliburton-Pläne
Öl-Dienstleister entdecken Dubai als Standort

Die Ankündigung des texanischen Ölservice-Konzerns Halliburton, seine Firmenzentrale von Houston in die Arabischen Emirate nach Dubai zu verlagern, hat in den USA für kräftige Turbulenzen gesorgt. Was mit einer simplen Firmenmeldung auf einer Energiekonferenz in Bahrein begann, beschäftigt jetzt die hohe Politik.

NEW YORK / TEL AVIV. Der Vorsitzende des Justizausschusses im US-Senat, der Demokrat Patrick Leahy, bezeichnete die überraschenden Halliburton-Pläne als Beleidigung der US-Soldaten und Steuerzahler. „Will sich Halliburton Vorladungen des Kongresses entziehen?“, fragte das Magazin „Time“.

Der Bush-Administration wurde in der Vergangenheit wiederholt vorgeworfen, sie habe der Halliburton-Tochter KBR im Irak lukrative Militäraufträge zugeschoben, ohne diese vorher ausgeschrieben zu haben. Ein Untersuchungsteam der Regierung hatte erst kürzlich festgestellt, dass bei Aufträgen an die Militär- und Ölindustrie im Irak rund zehn Mrd. Dollar verschwendet worden seien; für 2,7 Mrd. Dollar davon sei Halliburton verantwortlich. Der Konzern will seine auf Militär-Dienstleistungen spezialisierte Tochter KBR jetzt abspalten. Halliburton wurde von 1995 bis 2000 vom heutigen US-Vizepräsidenten Dick Cheney geführt.

Dass der US-Konzern jetzt ausgerechnet in das Golfemirat Dubai übersiedelt, das Investoren mit sehr großzügigen Steuer- und Standortgesetzen lockt, macht die Sache zum Politikum. Der Vorsitzende des Ausschusses für Regierungsreformen im Repräsentantenhaus, Henry Waxman, plant eine Anhörung über die Auswirkungen eines Halliburton-Umzugs nach Dubai. Das Unternehmen erklärte nur, die bisherige Firmenzentrale in Houston bleibe „ein Hauptquartier“.

Mit dem geplanten Umzug liegt der US-Konzern voll im Trend. Am Standort Dubai entsteht derzeit nicht nur eine florierende Touristen- und Finanzmetropole, sondern auch ein neues Zentrum für den Erdölhandel. In wenigen Monaten will das Emirat an der „Dubai Mercantile Exchange“ (DME) die erste regionale Börse für Energie-Termingeschäfte lancieren. Energieprojekte verlagern sich zunehmend von Houston in den Mittleren Osten, speziell nach Dubai. Zwei regionale Konkurrenten werden das Geschehen an der DME sehr genau verfolgen: das Dubai Multi Commodities Centre (DMCC) und die neue Energiestadt in Katar, die Energiedienstleistungsfirmen nach Doha locken soll.

Dubai hat sich in den vergangenen Jahren durch eine Vielzahl von erfolgreichen Projekten bereits aus seiner Ölabhängigkeit gelöst. So hat etwa die Reisebranche den sonnig-heißen Standort längst entdeckt. Daneben haben sich Bankhäuser aus Frankfurt, London und Zürich niedergelassen. Auch westliche Baufirmen sind verstärkt in der Golfregion aktiv, um an dem Boom teilhaben zu können. In einer Industriezone namens „Internet-City“ haben sich über 100 Hard- und Softwarefirmen aus aller Welt angesiedelt – unter ihnen Microsoft, SAP und Oracle. Experten verweisen darauf, dass sich in Dubai der Freihandel mit einer überaus investitionsfreundlichen Gesetzgebung paare. So müssen Firmen in der Media City, der Health City oder der Knowledge City mindestens 15 Jahre lang keine Steuern zahlen.

Der geplante Halliburton-Umzug gilt als eine der bedeutendsten Verlagerungen bisher: „Mein Büro wird in Dubai sein, und von hier aus werde ich unsere internationalen Aktivitäten steuern“, sagte Vorstandschef David Lesar. Konkurrent Schlumberger, der umsatzstärkste Ölservicekonzern der Welt, hat 2006 bereits zwei Drittel seines operativen Ergebnisses außerhalb Nordamerikas erwirtschaftet. Halliburton hat hier Nachholbedarf und will sich von Dubai aus stärker auf die Beziehungen zu den großen Ölproduzenten wie Saudi Aramco konzentrieren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%