Hamburg und Bremerhaven
Deutsche Häfen fordern bezahlte Pause

Den großen deutschen Hafenbetreibern HHLA und Eurogate in Hamburg und Bremen zerschlägt die Wirtschaftskrise immer stärker das Geschäft. Stillstand an den Container-Terminals und Kurzarbeit sind die Folge. Detthold Aden, Präsident des Zentralverbands der deutschen Seehafenbetriebe fordert finanzielle Hilfe vom Bund.

DÜSSELDORF. Der Bund solle ein Programm „Winterschlaf für Terminals“ finanzieren, bestätigte ein Sprecher Zentralverbands der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS). Den Plan, der von beiden Wirtschaftssenatoren in Bremen und Hamburg unterstützt werde, habe man dem Bundesverkehrsministerium bereits vorgestellt. Der Bund hält sich aber eher bedeckt. „Wir prüfen noch“, sagte eine Sprecherin des Bundesverkehrsministeriums.

Bundesgelder sollen nach Vorstellungen des ZDS den Stillstand von Hafenanlagen ausgleichen. Damit wollen die Häfen ihre Zukunftsfähigkeit für den Exportweltmeister Deutschland erhalten. Sobald die Konjunktur wieder anspringt, so die Idee, könnten die Anlagen sofort aufgeweckt werden. Vor der Bundestagswahl rechnet aber auch Aden nicht mehr mit einer Entscheidung. Für den Fall einer Absage hat er bereits andere Pläne: Dann müsse noch einmal mit den Kommunen über die Pachten gesprochen werden, die die Hafenbetreiber für die Terminals zahlen.

Die Lage der Häfen ist ernst: Durch die Krise sei das Umschlagvolumen im Containerbereich um durchschnittlich 20 Prozent, im Automobilbereich sogar um bis zu 50 Prozent eingebrochen, sagte Aden: „Die Seehäfen müssen sich auf eine gewisse Durststrecke einrichten.“

Die Häfen Rotterdam, Antwerpen und Singapur sowie der HHLA-Konkurrent Eurogate in Bremen haben bereits über zweistellige Rückgänge des Containerverkehrs berichtet. Nun meldet auch die HHLA einen Einbruch allein beim Containerumschlag um 35 Prozent auf 2,42 Millionen Container. Die HHLA leidet unter dem Rückgang des Ostsee-Verkehrs nach Polen, Russland und ins Baltikum. Dieses Geschäft sank um die Hälfte. Der Fernostverkehr gab um 30 Prozent nach. Dort hatte der Hafenbetreiber vom Boom der vergangenen Jahre stark profitiert. Vergleichsweise gut konnte sich Rotterdam, die Nummer eins in Europa, mit einem Minus von 15 Prozent behaupten. Antwerpen und Singapur verzeichneten einen Einbruch von jeweils knapp 20 Prozent.

In Bremerhaven sei der Umschlag im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 20,8 Prozent auf 2,13 Mio. Container zurückgegangen, meldete kürzlich erst Eurogate-Chef Thomas Eckelmann. In der Gruppe inklusive der Auslandsbeteiligungen gab der Umschlag um leicht über 10 Prozent nach. Dies entspricht der aktuellen globalen Entwicklung, wie sie die Unternehmenberatung Drewry für 2009 prognostiziert hat.

Beim an der Börse notierten Konkurrent HHLA aus Hamburg brach der Umsatz im ersten Halbjahr um 24 Prozent auf 501 Mio. Euro ein, nachdem sich der Abwärtstrend im Güterumschlag im zweiten Quartal noch beschleunigte. Das operative Ergebnis (Ebit) ging um knapp 58 Prozent auf 81,5 Mio. Euro zurück.

Im Gesamtjahr erwartet HHLA-Chef Klaus-Dieter Peters nur noch einen Milliardenumsatz. Dies wäre ein Rückgang von mehr als einem Viertel gegenüber 2008. Das Ergebnis soll positiv ausfallen.Die Aktie des Hafenbetreibers HHLA war bereits im Vorfeld kräftig abgerutscht und legte jetzt zu. Denn Peters bekräftigte seinen Sparkurs. So will sich HHLA zum Beispiel von dem erst 2003 in Betrieb genommenen Container-Terminal in Lübeck trennen. Verkauft werden soll die Spedition Combisped. Insgesamt sollen in diesem Jahr 160 bis 180 Mio. Euro eingespart werden.

Trotz der Einbrüche wollen HHLA und Eurogate aber das Personal halten. Betriebsbedingte Kündigungen seien nach wie vor ausgeschlossen, sagte eine Eurogate-Sprecherin. Seit Mai wird in Bremerhaven kurzgearbeitet. Eurogate zählt 4 600 eigene Beschäftigte. Auch HHLA hat jetzt für 2 000 der 4 850 Mitarbeiter Kurzarbeit angekündigt.

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