Hamburger steigen erstmals ins Discountgeschäft ein
Edeka baut Vorsprung gegenüber Rewe aus

Deutschlands größter Lebensmittelhändler Edeka erweitert durch den Erwerb der Spar Handels-AG und des Discounters Netto seinen Abstand gegenüber Rewe, Tengelmann und Metro.

cs/lip HAMBURG. „Wir haben mit Spar ein neues Kapitel mit glänzenden Perspektiven für die Zukunft aufgeschlagen und hoffen, dass wir hierdurch den Ertrag 2005 weiter steigern können“, sagte Edeka-Chef Alfons Frenk, ohne eine Prognose abzugeben. Den Kaufpreis für den Neuerwerb nannte er nicht.

Der Zuwachs kommt dem Hamburger Genossenschaftsunternehmen äußerst gelegen. Denn der Lebensmittelhändler, der fast ausschließlich in Deutschland sein Geschäft betreibt, legte zuletzt beim Umsatz kaum noch zu – 2004 gerade einmal um 0,3 Prozent auf 31,6 Mrd. Euro. Durch die Mittwochnacht verkündete Übernahme weitet die Gruppe nun das Geschäft um 5,3 Mrd. Euro aus und erhöht hier zu Lande ihren Marktanteil um sieben Prozentpunkte auf 27 Prozent. Konkurrent Rewe verfügte zuletzt im Lebensmittelhandel über rund 18 Prozent, gefolgt von Aldi mit 17,1 Prozent. Der Spar-Kauf steht noch unter dem Vorbehalt der Brüsseler Kartellbehörden. Branchenkenner vermuten, dass die Übernahme nur unter Auflagen erlaubt wird.

Mit der Komplettübernahme der früheren Spar-Tochter Netto Süd und von 25 Prozent an Netto Nord – den Rest hält die dänische Handelskette Dansk Supermarked – fasst Edeka zudem erstmals Fuß im profitablen Discountgeschäft. Für Konzernchef Frenk eine ungewohnte Situation: Bislang hatte er seine Lieferanten stets bedrängt, ihren Vertrieb über die Discounter einzuschränken.

Völlig unklar bleibt, wie die Hamburger Edeka Zentrale AG die Spar in ihre Organisationsstruktur integrieren wird. Bislang gehört die Edeka-Spitze sieben Regionalgesellschaften und 14 Edeka-Genossenschaften, die in unterschiedlichen Gebieten Deutschlands als Großhändler tätig sind. Der Spar-Großhandel agiert deutschlandweit.

Keine Auskunft gab es gestern zudem darüber, ob Edeka weiterhin die Marke „Spar“ nutzen wird. Das Warenzeichen wird weltweit vergeben von der Amsterdamer International Spar, die ihre Mitgliedsunternehmen außerdem in strategischen Fragen unterstützt, etwa bei der Entwicklung von Eigenmarken.

Christoph Schlienkamp, Handelsexperte beim Bankhaus Lampe, rechnet nun bei Spar mit Kostenanpassungen. „Ich gehe davon aus, dass Flächen stillgelegt werden“, sagte er. Der Zeitpunkt der Sanierung ist zudem denkbar ungünstig: Mit einer Belebung im Lebensmittelhandel, glaubt der Hauptverband des deutschen Einzelhandels, sei kaum zu rechnen.

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