Hamburger Unternehmer hat gegen Veröffentlichungspflichten in den USA verstoßen
SEC verhört Versandhändler Otto

Die US-Börsenaufsicht SEC ermittelt gegen den deutschen Versandhaus-Unternehmer Michael Otto. Sie wirft dem Hamburger vor, die Geschäftszahlen seiner börsennotierten US-Versandtochter Spiegel Inc. nicht fristgerecht veröffentlicht zu haben. Im vergangenen Jahr meldete das Handelshaus, dessen Aktien sich zu 89 % im Besitz der Familie Otto befinden, Konkurs an.

tmo/lip/cs DÜSSELDORF. Otto selbst habe veranlasst, dass Spiegel in den 15 Monaten vor dem Konkursantrag keine Quartalsberichte mehr veröffentlichte, schreibt das „Wall Street Journal“. Auch den Bericht für das Geschäftsjahr 2001 legte das Unternehmen erst mit erheblicher Verspätung im Februar 2003 vor. Der 60-jährige Unternehmer musste sich daraufhin im Januar im Hamburger US-Konsulat kritischen Fragen der Wertpapieraufseher stellen, wie dessen Anwalt, Lawrence Iason von der New Yorker Kanzlei Morrill, Abramowitz, Grand, Iason & Silberberg, gestern dem Handelsblatt bestätigte.

„Sollten die Vorwürfe stimmen, dann ist der Fall gravierend“, sagte Anwalt Steven Thal von der Kanzlei Latham & Watkins, der mit dem Verfahren nicht befasst ist. Die SEC reagiere sehr empfindlich, wenn Mehrheitseigner bewusst Informationspflichten missachteten.

Wie das „Wall Street Journal“ berichtet, fordern die außenstehenden Aktionäre eine Entschädigung in Höhe von 1 Mrd. $. Andernfalls wollen sie Spiegel komplett übernehmen und Otto aus dem Unternehmen drängen. Für Otto könnte es sogar noch teurer kommen: Falls er alle Gläubiger auszahlt und Spiegel komplett übernimmt, würde ihn das rund 1,3 Mrd. $ kosten, glauben Branchenexperten. Gibt er das insolvente Unternehmen auf, droht ihm – mögliche Entschädigungszahlungen nicht mitgerechnet – ein Verlust von 500 Mill. $. Selbst für die Familie Otto, die mit einem geschätzten Vermögen von 8 Mrd. $ auf der Liste der reichsten Deutschen den vierten Platz einnimmt, wäre dies ein herber Schlag.

Ottos Anwalt Iason betonte: „Hätte Dr. Otto gewusst, dass die Verzögerung zu mehr als einer kleinen Geldstrafe führen kann, dann hätte er die sofortige Veröffentlichung angeordnet."

Seite 1:

SEC verhört Versandhändler Otto

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%