Handel
Insolvenzverwalter kritisiert Ex-Manager

Der vorläufige Insolvenzverwalter der Arcandor - Gruppe, Klaus Hubert Görg, geht mit dem früheren Management des Handelskonzerns hart ins Gericht. "Es gibt zahlreiche Beispiele dafür, dass um den Preis der kurzfristigen Liquidität die Ertragskraft und die Substanz ruiniert wurden", sagte Görg der "Welt am Sonntag".

HB FRANKFURT. Der Insolvenzverwalter des Handels- und Touristikkonzerns Arcandor, Klaus Hubert Görg, ist mit der früheren Unternehmensspitze hart ins Gericht gegangen. „Arcandor war eines dieser Unternehmen, die über Jahre zu viel Geld zum Sterben, aber zu wenig zum Überleben hatten“, sagte Görg in einem Interview der „Welt am Sonntag“. „Da gab es keine klare Richtung.“

Die Übernahme von Thomas Cook etwa habe dem Unternehmen Substanz entzogen, die für die Sanierung der Versandhandelssparte Primondo (Quelle) und der Warenhauskette Karstadt gefehlt habe. Überhaupt gebe es viele Beispiele dafür, dass um den Preis der kurzfristigen Liquidität die Ertragskraft ruiniert worden sei. „Es ist dem Vorstand erstaunlich lange gelungen, den Staub aus den Ecken zu kehren und auch den noch zu Liquidität zu machen“, sagte Görg. „Wir haben mit der Lupe nach der Substanz in diesem Unternehmen gesucht, aber wir haben nichts Nennenswertes gefunden“, betonte der Sanierungsexperte und fügte hinzu: „In diesem Hause gibt es wirklich nichts, was nicht anderen Leuten gehört.“

Anscheinend wurde im Konzern seit Jahren trotz schleppend laufender Geschäfte auffallend viel Geld ausgegeben. „Der dienstliche Aufwand des Vorstandes war sehr hoch. Jedenfalls sehr hoch für ein Unternehmen in der wirtschaftlichen Verfassung wie Arcandor“, sagte Görg. „Ein Vorstandsvorsitzender sollte Vorbild sein; ich habe sparsamere erlebt.“

Rechtliche Schritte möglich

Arcandor hatte Anfang Juni Insolvenzantrag gestellt. Bis März hatte an der Vorstandsspitze Thomas Middelhoff gestanden, ihm folgte der ehemalige Telekom-Finanzchef Karl-Gerhard Eick nach. Middelhoff hat alle gegen ihn im Zusammenhang mit der Arcandor-Insolvenz erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen und erklärt, er sei überzeugt davon, dass seit 2004 die richtigen Entscheidungen getroffen wurden. Zu den jüngsten Vorwürfen von Görg wollte sich ein Sprecher Middelhoffs am Sonntag nicht äußern. Auch Arcandor lehnte eine Stellungnahme ab.

Ein Sprecher von Görg stellte aber klar, dass der Insolvenzverwalter unmittelbar keine rechtlichen Schritte gegen die Ex-Vorstände erwäge. Görg sei zwar verpflichtet zu prüfen, ob im Vorfeld des Insolvenzantrags Gläubigerinteressen verletzt worden seien. Dafür habe er aber drei Jahre Zeit.

Eick hatte die Suche nach einem Investor für den Gesamtkonzern vor einigen Tagen aufgegeben. Görg will nun getrennte Investoren für Karstadt und Primondo finden. Zuletzt machte er klar, dass bei Primondo drastische Einschnitte bevorstehen. Für die Versandhandelssparte gibt es Görg zufolge acht Interessenten. Wichtigste Aufgabe sei zunächst aber, die Kreditversorgung von Quelle zu sichern, sagte er der „Welt am Sonntag“. Zu Wochenbeginn erwarte er das Gutachten über die Fortführungschancen, das dann in die Kreditverhandlungen eingebracht werden solle.

Das andere Sorgenkind Karstadt soll jetzt als Ganzes verkauft werden. Konkurrent Metro mit seiner Warenhauskette Kaufhof - bislang interessiert an einem Teil der Karstadt-Filialen - sei als Bieter weiter willkommen, sagte Görg, „aber nicht zum Kuscheln“. Es werde keinen schnellen Verkauf einzelner Häuser geben. Die Nobelkaufhäuser KaDeWe, Alsterhaus und Oberpollinger sollten nun doch Bestandteil des Warenhausportfolios bleiben. Eick hatte zuletzt erwogen, sich von den drei Premiumhäusern separat zu trennen. Metro erklärte am Sonntag, der Konzern sehen in den Aussagen Görgs „eine neue Grundlage zur Aufnahme von Gesprächen in einer offenen und konstruktiven Atmosphäre“.

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