Handel
Metro-Gründer verlässt Aktionärspool

Der Metro-Gründer Otto Beisheim geht künftig eigen Wege. Der 85-Jährige steigt aus dem Poolvertrag der Gründungsgesellschafter des größten deutschen Handelskonzerns aus. Die Anleger sind verunsichert: Die Aktie geriet unter Druck und war mit einem Minus von zeitweise mehr als drei Prozent größter Verlierer im MDax.

HB DÜSSELDORF. Die Metro-Großaktionäre sprechen nicht mehr mit einer Stimme. Gründer Otto Beisheim und die Familienunternehmen Haniel und Schmidt-Ruthenbeck gehen beim größten deutschen Handelsriesen künftig getrennte Wege. Wie die Beisheim-Gruppe am Freitag mitteilte, kündigte Beisheim den seit Jahren bestehenden Poolvertrag mit den beiden anderen Gesellschafterstämmen zum 1. Oktober.

"Dieser Schritt erfolgt, um größtmögliche Entscheidungsfreiheit und Flexibilität als unabhängiger Großaktionär zu erlangen", sagte Beisheim. Die Pool-Vereinbarung regelt insbesondere die gemeinsame Ausübung der Stimmrechte, die sich derzeit auf zusammen knapp 66 Prozent belaufen.

Der 85-jährige Beisheim hält rund 18,5 Prozent an der Metro. Das könnte sich ändern. Beisheim werde seine Beteiligung in Zukunft "aktiv managen", sagte ein Sprecher. Damit ist sowohl eine Aufstockung als auch eine Reduzierung des Anteils denkbar. Im Rahmen der Pool-Vereinbarung, die seit 2001 bestand, konnten die Gesellschafter nur gemeinsam entscheiden.

Die Metro-Aktie geriet nach der Nachricht unter Druck und war mit einem Minus von zeitweise mehr als drei Prozent größter Verlierer im Nebenwerteindex MDax. Anleger spekulierten, es könnten nach der Kündigung der Pool-Vereinbarung Metro-Aktien platziert werden.

Der Mischkonzern Haniel und die Familie Schmidt-Ruthenbeck haben Unternehmenskreisen zufolge keine Pläne, ihren Anteil zu veräußern. Weder Haniel noch die Metro wollten sich äußern.

Haniel hatte vor gut zwei Jahren seinen Einfluss auf Metro deutlich ausgebaut. Der Konzern erhöhte Ende August 2007 seinen Anteil um 15,68 Prozentpunkte auf durchgerechnet 34,24 Prozent. Außerdem bündelte Haniel damals seine Interessen mit Schmidt-Ruthenbeck, Beisheim war daran nicht beteiligt.

Gemeinsam kamen Haniel und Schmidt-Ruthenbeck auf einen Anteil von 50,01 Prozent. Beide Aktionärsfamilien verfolgten dasselbe strategische Interesse, hatte Haniel-Chef Eckhard Cordes gesagt. Durch den Schritt werde auf Gesellschafterebene eine langfristige Stabilität geschaffen. Cordes rückte nur wenig später auch an die Spitze des Metro-Konzerns.

Unterdessen ist am Freitag der promovierte Physiker Jürgen Kluge vom Haniel-Aufsichtsrat erwartungsgemäß zum Vorstandsvorsitzenden des Duisburger Familienkonzerns gewählt worden. Der 56-Jährige tritt sein Amt Anfang 2010 an und löst Cordes ab. Das teilte Haniel mit. Kluge war früher Deutschlandchef der Unternehmensberatung McKinsey. Haniel lobte ihn als Manager „mit hoher analytischer und strategischer Kompetenz“.

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