Handel
Versandhandel meldet sich zurück

Der Wirtschaftseinbruch sorgt überraschend für ein Comeback des Versandhandels. Universalversender wie Otto, Quelle oder das Internetkaufhaus Amazon profitieren von einer neuen Häuslichkeit der Verbraucher in der Krise. Das Wachstum kommt vor allem über das Internet.

HAMBURG. Der Wirtschaftseinbruch sorgt überraschend für ein Comeback des Versandhandels. "Noch in der ersten Hälfte unseres letzten Geschäftsjahrs hatten wir Umsätze verloren, seit Herbst geht es aber mit den Bestellungen deutlich bergauf", sagte Rainer Hillebrand, Chef des zweitgrößten deutschen Versandhändlers Otto, dem Handelsblatt.

In der gebeutelten Branche ist er nicht allein. In Unternehmenskreisen des Rivalen Quelle heißt es, im Adventsgeschäft 2008 habe man erstmals seit langem wieder zulegen können. Die Manager der marktführenden Arcandor-Tochter, die im Geschäftsjahr 2007/08 insgesamt 2,45 Mrd. Euro umsetzte, erwarten auch für den März einen Umsatzanstieg.

Otto, Teil des gleichnamigen Familienkonzerns, hat Hillebrand zufolge im Geschäftsjahr 2008/2009 erstmals seit Jahren das Umsatzniveau des Vorjahres knapp erreicht. Das Versandunternehmen hatte 2007/2008 - das Geschäftsjahr läuft bis Ende Februar - einen Umsatz von 1,7 Mrd. Euro erwirtschaftet.

Auch wenn die Hamburger die detaillierten Zahlen erst im Juni bekanntgeben wollen, scheint dem Versandhändler damit die lang ersehnte Trendwende gelungen zu sein. Ebenso wie die Konkurrenten hatte Otto in den vergangenen Jahren deutliche Rückgänge verzeichnet. Die neue Stabilität soll belastbar sein: "Auch ins neue Geschäftsjahr sind wir im März gut gestartet", sagt Hillebrand. "Wir zielen auf moderates Wachstum ab."

Kommt es für Otto wie erhofft, würden sich die Hamburger gegen den Branchentrend im übrigen Einzelhandel entwickeln. Dieser legte 2008 zwar nominal noch leicht um 1,1 Prozent zu. In diesem Jahr befürchtet der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) aber, bis zu ein Prozent an Umsatz zu verlieren.

Um der Flaute zu entgehen, die sich in den Innenstädten seit Jahresbeginn abzeichnet, setzt Hillebrand auf den weiter stark wachsenden Internethandel. Dieser hatte bereits in der Vergangenheit einen erheblichen Anteil an der Stabilisierung des Versandgeschäfts.

Im zweiten Halbjahr 2008/09 habe das Onlinegeschäft um 38 Prozent über dem Niveau des Vorjahrs gelegen, rechnet Hillebrand vor. Gut die Hälfte der Erlöse trifft bei Otto inzwischen via Internet ein. Für die Versandunternehmen ist das ein Segen: Da ein Großteil der Bestellungen in standardisierter Form ankommt, können teure Kapazitäten in den Call-Centern verringert werden.

Dass es gerade das Internet ist, das den Universalanbietern derzeit den ungewöhnlich starken Zulauf bringt, zeigen die seit Herbst überraschend hohen Umsatzsteigerungen des Online-Kaufhauses Amazon. "Die Wirtschaftskrise macht die Verbraucher preissensibler", sagt Johannes Sausen, Handelsexperte der Düsseldorfer IKB-Bank. Weil das Netz für eine hohe Preistransparenz sorge, seien die Internetanbieter hier gegenüber den Ladengeschäften im Vorteil.

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