Handel will keine Rabattschlachten mehr
Weihnachtseinkäufer können kaum auf extreme Preisnachlässe hoffen

Der deutsche Einzelhandel hatte in diesem Jahr noch nicht viel Grund zur Freude. Das Weihnachtsgeschäft soll nun aber deutlich besser als im Vorjahr laufen. Die Zeiten der großen Rabattschlachten sind nach Einschätzung des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels aber vorbei.

HB BERLIN. Die Preisnachlässe wie in den beiden Vorjahren würden sich im diesjährigen Weihnachtsgeschäft nicht wiederholen, erklärte der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) am Dienstag in Berlin. Die Branche geht mit großen Erwartungen in die letzten beiden Monate. Das Weihnachtsgeschäft soll helfen, das fast schon abgeschriebene Jahr noch einigermaßen zu retten. Zugleich forderte HDE-Präsident Hermann Franzen die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche.

Im Weihnachtsgeschäft - also in den Monaten November und Dezember - erwartet der Verband dieses Jahr Umsätze von rund 69,4 Mrd. €. Im Vergleich zum Vorjahr würde dies ein Plus von einer Milliarde Euro oder 1,5 % bedeuten. Die Prognose für das Gesamtjahr ließ der HDE unverändert. Insgesamt geht der Handel für 2004 von einem Umsatzrückgang um 0,5 % auf unter 370 Mrd. € aus. Dies wäre das dritte Minus-Jahr in Folge.

„Der deutsche Einzelhandel hat die ersten zehn Monate abgeschrieben, nicht jedoch das Weihnachtsgeschäft“, sagte Franzen. Die Hoffnung ruht unter anderem darauf, dass die Geschäfte in den beiden umsatzstärksten Monaten zwei Tage mehr geöffnet haben als 2003. Außerdem habe sich die Aufregung um die Arbeitsmarktreform Hartz IV etwas gelegt, sagte Franzen. Allerdings sei auch nach drei Jahren Konsumflaute noch keine „Trendwende“ zu erkennen. Auf eine Prognose für 2005 legte sich der Verband noch nicht fest.

Die Branche verbucht seit 2001 rückläufige Umsätze und leidet besonders stark unter der Kaufzurückhaltung der durch die Reformen und die hohe Arbeitslosigkeit verunsicherten Bürger. Hinzu kommt, dass seit der Abschaffung der Schlussverkäufe immer neue Rabattschlachten um die zögernden Kunden geführt werden.

Zu Rabattschlachten wie in den beiden vergangenen Jahren, als die Preise schon Wochen vor dem Fest in den Keller gingen, wird es nach HDE-Einschätzung aber nicht mehr kommen. „Die Unternehmen, die sich daran beteiligt haben, haben dies sehr schmerzhaft gespürt“, sagte Franzen. „Rabatte sind wie Drogen, man kann sie in Maßen und Mal genießen, aber viele haben es übertrieben.“ Deshalb sollten sich Schnäppchenjäger in diesem Jahr besser nicht auf Preissenkungen verlassen. „Wer bis in den Dezember wartet, ob es nicht noch billiger wird, wird sich verkalkuliert haben.“

Eine Trendwende im Einzelhandel ist nach Ansicht von Franzen ohne eine Verbesserung des Arbeitsmarktes nur schwer vorstellbar. Allerdings laufe die Verunsicherung der Konsumenten durch die Hartz-IV-Reformen langsam aus. Belastend auf die Stimmung wirkten sich jedoch die Arbeitsplatzkrisen bei Opel und Karstadt-Quelle aus. Um die Produktivität in der Branche zu verbessern, forderte Franzen außerdem eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche als Regelarbeitszeit und die Möglichkeit, die Arbeitszeit vorübergehend auf 45 Stunden auszudehnen: „Hierzu werden die meisten Mitarbeiter bereit sein, wenn sie einsehen, dass es (...) dem Erhalt ihrer Arbeitsplätze dient.“

Allerdings forderte Franzen die Einzelhändel auch auf, ihre Hausaufgaben zu machen. „Es ist bemerkenswert, dass knapp ein Drittel aller Einzelhändler im ersten Halbjahr 2004 ihre Umsätze im Vergleich zum Vorjahr steigern konnten.“ Hinter diesen Erfolgen steckten schlüssige kundenorientierte Konzepte und ein ausgeprägtes Servicebewusstsein. Dabei seien Unternehmen der gehobenen Klasse und Verkäufer von Massenware prinzipiell besser aufgestellt als Firmen im mittleren Segment ohne klares Profil.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%