Handelsblatt-Firmencheck
Schlechte Noten für die Bahn

Wann immer die Deutsche Bahn an die Börse geht, für die künftigen Investoren könnte die Anlage zu einer großen Ernüchterung führen, so das Ergebnis des Handelsblatt-Firmenchecks. Am Donnerstag hat sich zudem die Bundesregierung auf zwei Modelle für die Privatisierung eingefahren. In beiden Fällen behält die Bahn das Netz in der Hand.

DÜSSELDORF. Die künftigen Investoren der Bahn werden sich in ein sehr ertragsschwaches Unternehmen einkaufen. Das ist das Ergebnis des Handelsblatt-Firmenchecks, der die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen von 130 deutschen Konzernen auswertet. Dabei landet die Bahn nicht einmal auf Rang 100. Besonders schwach ist die Gesamtkapitalrendite mit 3,72 Prozent. Die Analyse führte das Institut für Wirtschaftsprüfung (IWP) an der Universität Saarbrücken durch. Das IWP liefert die Datenbasis für den Handelsblatt-Firmencheck, der am Montag zum Thema Ertragsstärke erscheint.

Bahnchef Hartmut Mehdorn führt einen Konzern mit nur 20,3 Prozent Eigenkapitalquote. Diese Kennziffer gibt Investoren einen Hinweis auf das Ausfallrisiko ihrer Investition. Der Schnitt liegt mit 41,2 Prozent doppelt so hoch.

Das „Ergebnis der Analyse ist ernüchternd und relativiert die euphorischen Angaben des Bahnchefs“, sagte IWP-Direktor Karlheinz Küting. Auch beim Verhältnis Cash-Flow zum Gesamtkapitaleinsatz oder zum Umsatz schneidet die Bahn nicht gut ab. Werte von 6,4 bzw. 12 Prozent signalisieren, dass weder das eingesetzte Kapital noch die laufenden Geschäfte solide Beiträge zur Liquidität liefern.

Eine Privatisierung mit oder ohne Schienennetz ist für Mehdorn deshalb nicht nur eine strategische, sondern auch eine betriebswirtschaftliche Frage. Denn eine Ausgliederung der gesamten Gleisanlagen samt dazugehöriger Technik hätte einschneidende Folgen. „Es besteht die Gefahr, dass alle wichtigen Ertragskennziffern des Konzerns sich durch eine Trennung vom Schienennetz gravierend verschlechtern“, warnte Küting. Wohl auch deshalb kämpft Mehdorn so verbissen um einen „integrierten Bahnkonzern“. Schienen und Signaltechnik machen laut Geschäftsbericht 2005 rund 15,3 Mrd. Euro aus – immerhin 39 Prozent des gesamten Sachanlagevermögens.

Finanzvorstand Diethelm Sack betonte kürzlich, dass die Nettoverschuldung erstmals die 20-Mrd.-Grenze überschritten habe – bei einer Bilanzsumme von knapp 50 Mrd. Euro. Zugleich unterstrich er, dass die hohe Verschuldung in den nächsten Jahren abgebaut werden soll. Bei einem Cash-Flow von nur drei Mrd. Euro pro Jahr wird Sack dafür aber lange brauchen.

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