Handelsblatt-Interview
„In der Luxusgüterbranche ist es ein Nachteil, deutsch zu sein“

Der Luxusgüterkonzern Egana Goldpfeil setzte 2003 rund 270 Mill. Euro um und erwirtschaftete einen Nettogewinn von neun Mill. Euro. Im Handelsblatt-Gespräch äußerte sich der Chef des Konzerns, Hans-Jörg Seeberger, über teure Uhren, zu teures Marketing und die Kunst, in Deutschland Arbeitsplätze zu schaffen.

Der Luxusgüterkonzern Egana Goldpfeil setzte 2003 rund 270 Mill. Euro um und erwirtschaftete einen Nettogewinn von neun Mill. Euro. Im Handelsblatt-Gespräch äußerte sich der Chef des Konzerns, Hans-Jörg Seeberger, über teure Uhren, zu teures Marketing und die Kunst, in Deutschland Arbeitsplätze zu schaffen.

Herr Seeberger, was ist ein Luxusgut?
Seeberger: Wenn ich es ganz brutal sagen würde: Ein Luxusgut ist etwas, was man nicht braucht. Nein: Luxusgüter sind Dinge, mit denen man sich belohnt. Sie sind schön, ästhetisch, sie haben einen bleibenden Wert. Deshalb kauft oder verschenkt man sie.

Haben Sie ein Lieblingsluxusgut?
Seeberger: Wenn ich mit meinen Freunden ein gutes Glas Wein trinke, wenn ich im Wald spazieren oder tauchen gehe, wenn ich meditieren kann und mit Zufriedenheit ausgefüllt bin – das ist für mich Luxus. Nichts, was ich kaufen könnte. Ich brauche kein Superluxusgut, um zufrieden zu sein.

Hersteller leiden unter so einer Einstellung. Auch die Autoindustrie bleibt auf ihren Luxuskarossen sitzen, vor allem in Europa. Können wir uns keinen Luxus mehr leisten?
Seeberger: Natürlich können wir uns den Luxus erlauben. Es gibt viele reiche Menschen in Europa und in Deutschland. Aber sie haben nicht mehr den Mut zu zeigen, was sie sich erarbeitet haben. Wenn ich in Offenbach mit einem Bentley herumfahren würde, müsste ich doch Angst haben, dass jemand mit dem Finger auf mich zeigt und mich einen „Bonzen“ nennt. Das ist eine traurige Entwicklung. Dabei wollen die meisten Wohlhabenden, die ich kenne, ihren Reichtum gar nicht für sich behalten. Viele haben Stiftungen gegründet oder teilen ihr Hab und Gut auf andere Weise.

Egana Goldpfeil verkauft Uhren für 25 000 Euro oder Handtaschen für 15 000 Euro. Spüren Sie ebenfalls die Zurückhaltung in Deutschland?
Seeberger: Nein, wir sind weniger davon betroffen. Das Konsumverhalten im Luxusbereich hat eben auch mit den Marken selbst und ihren Images zu tun: Eine Comtesse-Handtasche ist zwar relativ teuer, doch sie ist ein Ausdruck von Understatement. Hinter der Ware steckt ein Wert, sie ist fast schon ein Kunststück. Sie wird nicht zur Schau getragen wie ein auffälliges Auto.

Sie melden sich häufig zu Wort, wenn es darum geht, den Standort Deutschland zu kritisieren. Trotzdem machen Sie den Großteil Ihres Geschäftes hier. Was missfällt Ihnen?
Seeberger: In Deutschland muss man – übertrieben gesprochen – ein Unternehmen eher Konkurs gehen lassen und neu starten, als dass man sich von Teilen einer historisch gewachsenen Belegschaft trennen und mit anderen Mitarbeitern weitermachen kann. Leider herrscht zu viel Halbwissen über wirtschaftliche Zusammenhänge in der Bevölkerung. Ich würde ein Pflichtfach schon in den ersten Schuljahren einführen über das Zusammenspiel von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Nur wenn die Rahmenbedingungen so sind, dass Unternehmen in Deutschland bleiben und hier Steuern zahlen, dann können auch andere soziale Inhalte bezahlt werden. Das muss man wissen, dann gäbe es auch diese unsäglichen Diskussionen nicht mehr.

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