Handelsblatt-Interview mit Nicolas Dufourcq, CFO Capgemini
Capgemini-CFO sieht Spielraum für Kostensenkungen

Das Handelsblatt spricht mit Nicolas Dufourcq, Chief Financial Officer von Capgemini, über die Lage der Consultingbranche und über die Restrukturierung seines Konzerns.

Handelsblatt: Mr. Dufourcq, das Geschäftsjahr 2005 neigt sich allmählich dem Ende. Wie beurteilen Sie die Lage in ihrer Branche?

Dufourcq: Die Nachfrage im Consultinggeschäft zieht merklich an, viele Unternehmen haben den Markt nun lange sondiert und sind an einem Punkt angelangt, an dem der Handlungsdruck steigt.

Kann Capgemini von dieser Entwicklung profitieren?

Capgemini wird im Geschäftsjahr 2005 in die schwarzen Zahlen zurückkehren und einen Nettogewinn ausweisen.

Viele Experten achten bei der Beurteilung von Unternehmen mittlerweile sehr genau auf die Kapitalflussgrößen. Wie hat sich der Cash-Flow entwickelt?

Wir haben im ersten Halbjahr einen positiven Cash-Flow erwirtschaftet. Unsere netto Cashbestände haben sich auf eine halbe Milliarde Euro erhöht.

In den europäischen Markt der IT-Dienstleister ist im Hinblick auf Übernahmephantasien Bewegung gekommen. Wird Capgemini dabei auf der Seite der Käufer sein?

Auch wir erwarten eine Konsolidierung im Markt der IT-Dienstleister. Aber Akquisitionen werden nur dann stattfinden wenn es der Profitabilität von Capgemini nicht schadet.

Wie weit ist die Restrukturierung des Konzerns inzwischen vorangekommen?

In Europa haben wir 75 Prozent des Turnarounds geschafft, in den USA sind es ungefähr 50 Prozent. Unser wichtigstes Ziel ist es, die operative Gewinnmarge bis 2008 auf acht Prozent zu steigern. Um dieses Ziel zu erreichen müssen wir weiterhin Kosten reduzieren.

Ist das nach mehreren Jahren harter Restrukturierung und Kostensenkung nicht schwierig geworden?

Die niedrig hängenden Früchte sind gepflückt, aber wir haben noch Spielräume für Kostensenkungen beispielsweise im Outsourcing-Geschäft sowie im System-Integration-Geschäft. Wir müssen aber auch weiter die Profitabilität des Consulting Geschäftsbereiches in wichtigen Märkten wie Deutschland, Großbritannien und Italien aber auch den USA verbessern.

In den USA hat Capgemini in der ersten Jahreshälfte immer noch Verluste geschrieben. Ist der Verkauf des US-Geschäft eine Option?

Da wir uns als globaler Anbieter verstehen, haben wir die feste strategische Entscheidung getroffen in den USA weiter präsent zu bleiben.

Wettbewerber wie Accenture haben aufgrund des Kostendrucks inzwischen große Kapazitäten in Offshore-Ländern aufgebaut. Welche Strategie verfolgt Capgemini?

Wir werden die Zahl der Mitarbeiter in Indien von derzeit 2500 auf rund 10 000 erhöhen. Diese sollen überwiegend für Kunden außerhalb von Indien produzieren.

Hat das Konsequenzen für Standorte mit hohen Lohnkosten wie beispielsweise Deutschland. Capgemini ist über die Tochter sd&m in München ein großer Anbieter von Individualsoftwareentwicklung in Deutschland?

Unsere deutsche Tochtergesellschaft sd&m ist ein integraler Bestandteil von Capgemini in Deutschland. Darüber hinaus soll sd&m aber künftig auch stärker in internationale Aufgaben und Projekte eingebunden werden.

Mr. Dufourcq, vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Thomas Nonnast. Das Gespräch mit Nicolas Dufourcq wurde vor der geltenden Quiet-Period aufgezeichnet.

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