Handelsbranche
Pleite-Warnung: Arcandor-Aktie bricht ein

Wenn der Staat nicht hilft, "ist für Karstadt am 12. Juni Schluss" - dieses düstere Szenario hatte Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick am Wochenende gemalt. Während die CDU auf stur schaltet und Staatshilfen ablehnt, geht der Kurs der Aktie in den Keller: Das im MDax gelistete Papier stürzte um fast ein Viertel ein.

rüd/HB DÜSSELDORF. Nach den düsteren Warnungen der Arcandor-Führung zur Zukunft des angeschlagenen Unternehmens ist die Aktie am Montag eingebrochen. Das im MDax gelistete Papier stürzte zwischenzeitlich um mehr als 22 Prozent auf 1,69 Euro ab. Am Mittag lag die Aktie 14,55 Prozent im Minus bei 1,88 Euro.

Während Unternehmenschef Karl-Gerhard Eick auf eine staatliche Kreditbürgschaft in Höhe von 650 Mio. Euro und einen 200-Mio.-Euro-Kredit der Förderbank KfW dringt, um eine Pleite des Konzerns zu verhindern, gibt sich die Bundesregierung zurückhaltend: Offenbar erst im Juni will sie über Staatshilfen entscheiden. Berlin verlange genauere Einzelheiten über eine mögliche Fusion der Warenhaustochter Karstadt mit deren Wettbewerber Kaufhof, berichtete die „Financial Times“ unter Berufung auf Regierungskreise.

Die Gespräche vergangene Woche zwischen Arcandor und der Kaufhof-Mutter Metro über eine Fusion der Kaufhausketten machten Arcandors Antrag auf eine Kreditbürgschaft "im Grunde hinfällig", zitierte das Blatt die Kreise.

Ein Arcandor-Sprecher sagte dagegen, dass der Bürgschaftsausschuss, der sich mit dem Staatshilfe-Antrag beschäftigt, noch in dieser Woche tagen werde. "Es läuft alles nach Zeitplan." Im Falle einer Fusion von Karstadt und Kaufhof könne es auch zu einer Reduzierung der Bürgschaftssumme kommen. Allerdings brauche Arcandor bis zum 12. Juni die 650 Mio. Euro, um einen überlebensnotwendigen Kredit mit den Gläubigerbanken verlängern zu können. Bis zu diesem Stichtag werde es aber zu keinem Zusammenschluss der beiden Warenhaus-Ketten kommen. Es gebe derzeit noch nicht mal ein Konzept für eine Fusion.

Die CDU scheint schon entscheiden zu haben. So lehnte Laurenz Meyer, wirtschaftspolitischer Sprecher der Unions-Fraktion, Staatshilfen für Arcandor ab. "Das Problem muss privatwirtschaftlich gelöst werden", sagte Meyer der "Berliner Zeitung". Es habe schon vor der Krise eindeutig Managementfehler bei Arcandor gegeben. "Managementfehler sind keine Dinge, die man auf die Steuerzahler abwälzen kann", so der CDU-Politiker.

Unions-Fraktionschef Volker Kauder hatte sich bereits ablehnend geäußert, weil nach seiner Ansicht Arcandor bereits vor der aktuellen Finanzkrise in Schwierigkeiten war. Auch in Regierungskreisen hieß es, die Frage sei, ob das Unternehmen nicht schon seit langem in einer Krise stecke. Lauter wurde aber auch die Kritik von Mitbewerbern im Handel. Wenn Arcandor und seine Kaufhaustochter Karstadt mit Steuergeld gerettet würden, sei dies ein Schlag ins Gesicht aller Unternehmer, die ordentlich gewirtschaftet haben, sagte Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub der "Wirtschaftswoche".

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