Handelsbranche
Staatshilfen: Arcandor sieht sich fast am Ziel

Der angeschlagene Handelskonzern Arcandor erhöht den Druck auf die Bundesregierung: Die Anteilseigner seien zu einer Kapitalerhöhung bereit - allerdings müsse der Staat dafür endlich die beantragte Bürgschaft bewilligen, sagte Konzernchef Karl-Gerhard Eick. Die Gespräche mit dem Bund seien bislang "sehr gut verlaufen" und der Rettungsplan nehme Form an - was der Aktie zu einem Kurssprung verhalf.

rüd/HB DÜSSELDORF. Der Chef des angeschlagenen Handels- und Touristikkonzerns Arcandor, Karl-Gerhard Eick, geht optimistisch in weitere Bürgschaftsverhandlungen mit der Bundesregierung. "Wir haben sehr gute Gespräche geführt", sagte Eick im ARD-Morgenmagazin. Am Donnerstag hatte er im Bürgschaftsausschuss für Staatshilfen geworben. "Wir werden die Gespräche nächste Woche fortsetzen, und dann hoffe ich, dass wir letztlich auch diese Bürgschaftsunterstützung bekommen."

Die Börse reagierte prompt: Im MDax stiegen Arcandor-Papiere im frühen Handel mit plus 6,54 Prozent auf 2,28 Euro an die Spitze. Analyst Heino Ruland von Ruland Research verwies auf die exzellenten Kontakte von Arcandor-Chef Eick in die Politik. Diese könnten im Wahljahr besonders hilfreich sein.

Am Vorabend war zudem bekannt geworden, dass Arcandor überraschend einen neuen Kreditgeber gefunden hat. Die italienische Mediobanca wolle sich mit 40 Mio. Euro an der geplanten Kapitalerhöhung beteiligen, sagte Eick der "Wirtschaftswoche". Wie es in Konzernkreisen heißt, pflegt der ehemalige Telekom-Finanzvorstand schon seit längerem gute Kontakte zu der bedeutenden Mailänder Investmentbank.

Außerdem ist die Privatbank Sal. Oppenheim bereit, die Sanierung mit einem Kredit von bis zu 70 Mio. Euro zu stützen. Das Darlehen selbst sei nicht an Staatsbürgschaften geknüpft, betonte ein Sprecher des Bankhauses. Es komme aber nur dann zustande, wenn der Rest des Finanzierungskonzeptes stehe. Die Oppenheim Holding, in die die Eigentümer der Privatbank ihre Beteiligung an Arcandor eingebracht haben, will sich zudem an einer geplanten Kapitalerhöhung des Konzerns um 100 Mio. Euro entsprechend ihrem Anteil mit 30 Mio. Euro beteiligen, wie der Sprecher bestätigte.

Auch Gläubiger, Eigentümer und Lieferanten würden einen Beitrag leisten, so Konzernchef Eick. Voraussetzung aber bleibe, dass Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) rechtzeitig die beantragten Bürgschaften bereitstelle. Arcandor braucht eine staatliche Bürgschaft über 650 Mio. Euro, um Kredite der Gläubigerbanken RBS, Commerzbank und BayernLB abzulösen. Die Bürgschaft ist Kernstück eines Rettungspakets, das bis zum 12. Juni stehen muss, sonst droht die Insolvenz. Zudem hat der Konzern ein Darlehen bei der Förderbank KfW über 200 Mio. Euro beantragt.

Arcandor hatte wiederholt daraufhin gewiesen, dass bei einer Insolvenz des Konzerns über 50 000 Arbeitsplätze in Deutschland bedroht seien. Ein Verschwinden von Karstadt eine "Katastrophe für die deutschen Innenstädte", hatte zudem Karstadt-Chef Stefan Herzberg der "Bild am Sonntag" gesagt. Mit einem Aktionstag in allen Karstadt-Filialen am heutigen Freitag will das Unternehmen darauf aufmerksam machen.

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