Handelskonzern
Metro schockiert mit Gewinnwarnung

Das Jahr 2011 nimmt für Metro kein gutes Ende. Der Handelskonzern hat seine Jahresziele eingedampft. Das schwache Weihnachtsgeschäft reißt die Düsseldorfer runter. Aber am Verkauf von Kaufhof hält die Metro fest.
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DüsseldorfMitten im Weihnachtsgeschäft schockiert der größte deutsche Handelskonzern Metro die Börse mit einer Gewinnwarnung: Vor dem Hintergrund der zunehmend spürbaren Folgen der Schuldenkrise und des schwach angelaufenen Weihnachtsgeschäftes schraubte das Unternehmen am Dienstag seine Erwartungen bei Umsatz und Gewinn für 2011 herunter. Sollte sich die Entwicklung so fortsetzen, gehe Metro davon aus, dass sowohl die Erlöse wie auch das Ergebnis vor Zinsen und Steuern leicht unterhalb des Vorjahresniveaus von 67,3 Milliarden beziehungsweise 2,4 Milliarden Euro liegen werde, teilte Metro mit. Die Nachricht ließ die Aktie bis zum Nachmittag um rund 10 Prozent abstürzen. Das Unternehmen war damit neben RWE der größte Tagesverlierer im Dax.

Noch bei der Vorlage der Quartalszahlen Anfang November war der Handelsriese, hinter der französischen Carrefour und der britischen Tesco die Nummer drei in Europa, davon ausgegangen, dass das Geschäft am Jahresende durch die schwache Entwicklung im Vorjahr übertroffen werden könne. „Der Start ins Weihnachtsgeschäft blieb bisher aber deutlich hinter den Vorjahreswerten zurück“, erklärte der scheidende Vorstandschef Eckhard Cordes. In vielen Ländern Europas seien die Kunden infolge der sich verschärfenden Schuldenkrise, hoher Arbeitslosigkeit und der beschlossenen Sparprogramme stark verunsichert. Die Kaufzurückhaltung spüre Metro über alle Verkaufslinien hinweg, betonte Cordes.

Keine Auswirkungen hätte die Revision der Jahresprognosen auf den derzeit laufenden Verkaufprozess des Kaufhof, hieß es weiter. An der Übernahme des traditionsreichen Warenhausgeschäftes sind unter anderem die österreichische Immobiliengruppe Signa und der Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen interessiert. Signa-Chef René Benko habe der Metro inzwischen ein bindendes Angebot unterbreitet, sagte Konzernsprecher Michael Inacker. Aber man befinde sich auch mit Berggruen in Gesprächen. Zur konkreten Höhe der Offerte von Benko wollte er sich nicht äußern und sagte nur, dass die Metro das Warenhausgeschäft nicht unter Wert verkaufen werde. Vorstandschef Cordes hatte den Kaufhof bereits vor knapp vier Jahren auf die Verkaufsliste gesetzt.

Von den Einbußen im Weihnachtsgeschäft sind laut Metro, die weltweit mehr als 280 000 Mitarbeiter beschäftigt und in 33 Ländern tätigt ist, vor allem Produkte der Unterhaltungselektronik und aus dem Textilbereich betroffen. Genauere Aussagen zur Entwicklung einzelner Sparten wie Galeria Kaufhof oder der Media-Saturn wurden nicht gemacht. Auch wollte sich Metro nicht dazu äußern, ob sich die jetzt angepassten Prognosen auf die Dividende auswirken werden. „Wir wollten möglichst früh Transparenz und Klarheit für die Märkte schaffen“, begründete Inacker den Schritt, schon zum jetzigen Zeitpunkt an die Öffentlichkeit zu gehen. Das Unternehmen sei vorsichtig geworden, auch wenn in den kommenden zwei bis drei Wochen noch positive Faktoren hinzukommen könnten.

Doch die Sparmaßnahmen in Europa machten sich zunehmend beim Verbraucher bemerkbar. Nur die Türkei und Russland hielten dagegen, könnten aber die anderen Länder nicht „rausreißen“, hieß es. Cordes betonte: „Wir werden jetzt mit vollem Einsatz alles daran setzen, ein Jahresergebnis auf dem hohen Niveau des Vorjahres zu erwirtschaften“.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Wir sind sowieso alle blöd ha ha ha...

  • Ein Muster dafür, wie unangenehm die Abspaltung eines Unternehmensteiles für Anleger steuerlich sein kann, ist der Fall ALTANA. Dort wurde in 2007 die Pharma-Sparte verkauft. Die Grossaktionärin Quandt minderte für sich die steuerlichen Folgen, indem sie ihre ALTANA-Anteile vorab auf eine eigens gegründete Kapitalgesellschaft übertrug. Dies, weil Kapitalgesellschaften als Aktionäre bei Spin-Offs steuerlich deutlich günstiger als Privatanleger gestellt sind. Ansonsten lohnt ein Blick auf den Chart der Altana-Aktie.
    Der Kurs der "Rest-Altana" fiel nach der Abspaltung stark.

  • Ach nee, im November hat man noch nicht gewußt, daß es in vielen Ländern Europas eine sich verschärfende Schuldenkrise, hohe Arbeitslosigkeit und es eine Verunsicherung durch notwendige Sparprogramme geben kann?
    Und vier Wochen später weiß man es also?
    Das ist nicht glaubwürdig, sondern kann nur so gedeutet werden, daß die Aussage im November eindeutig geschönt war.
    Vielleicht sollte man ja die Situation der einzelnen Firmen durchleuchten. Wäre überrascht, wenn sich die dümmliche Änderung der Werbestrategie bei MediaMarkt nicht negativ ausgewirkt hat.
    Na ja, es ist auch leichter die Schuld bei externen Faktoren zu suchen, als eigene Fehler einzugestehen.

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