Handelskonzern sieht sich in der Pflicht
Rewe verteidigt LTU-Chef

Die anhaltende Krise der deutschen Ferienfluggesellschaft LTU ist in der Führungsspitze ihres größten Anteilseigners Rewe angekommen.

HB FRANKFURT. Nach diversen Medienspekulationen sah sich Rewe-Vorstandssprecher Achim Egner veranlasst, eine Lanze für den in die Bredouille geratenen LTU-Geschäftsführer Jürgen Marbach zu brechen. Berichte über eine bevorstehende Ablösung Marbachs hätten „keine Grundlage“, schrieb Egner in einem internen Brief an die LTU-Belegschaft. Man werde sich „gemeinsam auf die notwendige Restrukturierung des Unternehmens“ konzentrieren, teilte der Aufsichtsratschef der Fluglinie weiter mit.

Branchenbeobachter werten Egners Reaktion als sichtbares Zeichen dafür, dass sich der Vorstand des Handelskonzerns nunmehr intensiv mit seiner branchenfremden Baustelle LTU beschäftigt. Neben Egner sieht sich vor allem der neue Finanz- und Touristikvorstand der Rewe, Norbert Fiebig, in Sachen LTU in der Pflicht. Die Verlustserie des traditionsreichen Ferienfliegers nimmt kein Ende, mehrfach musste Rewe schon als 40-Prozent-Eigner mit frischem Kapital in Düsseldorf einspringen. Das Problem für den Kölner Handelskonzern ist, dass es im Hause keine Fluglinien-Kompetenz gibt, die einen Ausweg aus der Misere wüsste: Eingekeilt zwischen Billigfliegern und international vernetzten Langstrecken-Carriern wie Lufthansa, fliegt die LTU ohne klare Strategie dem nächsten Finanzloch entgegen. Ihr Geschäftsführer Marbach gilt in der Branche mehr als Vertriebsmann und Touristiker denn als Sanierer und Fluglinien-Stratege.

Kritikern entgegnet Marbach, er könne „aus einer 50-jährigen Traditionsfirma kein Turnschuhunternehmen machen“. Handelsblatt-Informationen zufolge ist Rewe-Finanzchef Fiebig dennoch auf der Suche nach einem Fluglinien-Spezialisten, der LTU klarer positionieren und damit für potenzielle Investoren interessanter machen soll. Nach Egners schriftlichem Beistand zeichnet sich ab, dass der Neue mit einem Platz neben Marbach vorlieb nehmen müsste.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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