Handelskonzerne
Arcandor setzt zum letzten Anlauf an

Kein Notkredit, keine Bürgschaft: Die Bundesregierung hat dem angeschlagenen Handelskonzern Arcandor jedwede Hilfe verweigert - vorerst. Denn Arcandor will jetzt einen nachgebesserten Antrag einreichen. Es könnte die letzte Chance für das Unternehmen sein. Die Zeit ist mehr als knapp, die Insolvenz naht mit großen Schritten.

DÜSSELDORF. Die Bundesregierung hat die dringend benötigte Rettungsbeihilfe für den angeschlagenen Handelskonzern Arcandor abgelehnt. Auch den Antrag auf eine Bürgschaft in Höhe von 650 Mio. Euro aus dem "Wirtschaftsfonds Deutschland" wies Berlin wie erwartet zurück. Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick hatte zuvor noch versucht, die Bundesregierung mit einem überarbeiteten Rettungsplan von der Zukunftsfähigkeit des Konzerns zu überzeugen, war damit aber gescheitert.

Der Bund lehnte den Notkredit über 437 Mio. Euro mit der Begründung ab, dass der Beitrag der Banken, Eigentümer und Vermieter zu gering sei. "Es bleibt den Unternehmen unbenommen, kurzfristig einen neuen, substanziell verbesserten Antrag einzureichen", hieß es in einer Mitteilung des Wirtschaftsministeriums. Und genau das will Arcandor nun auch tun.

An diesem Dienstag soll in Berlin ein nachgebesserter Antrag auf staatliche Rettungsbeihilfe über 437 Millionen Euro vorgelegt werden. Das kündigte Arcandor-Sprecher Gerd Koslowski in Essen an. Dazu wollte die Arcandor-Spitze noch in der Nacht versuchen, Eigentümer, Banken und Vermieter zu einem größeren Beitrag zu bewegen. Der neue Anlauf dürfte die letzte Chance sein, die drohende Insolvenz der Arcandor AG abzuwenden. "Wir brauchen eine Entscheidung bis Mittwoch", sagte der Sprecher.

Der Lenkungsausschuss des "Wirtschaftsfonds Deutschland" hatte bei der Ablehnung des Bürgschaftsantrags zuvor bereits "erhebliche Zweifel" an der Tragfähigkeit des Konzepts von Arcandor geäußert. Zudem seien die Voraussetzungen "nicht erfüllt", um Hilfen aus dem Wirtschaftsfonds zu erhalten, weil die finanziellen Schwierigkeiten Arcandors nicht erst durch die aktuelle Wirtschaftskrise entstanden seien.

Mit der Entscheidung des Bundes steht Arcandor vor dem Aus. Ein Konzernsprecher hatte schon vor den Verhandlungen der Bundesregierung betont, dass dem Konzern "keine andere Lösung als der Insolvenzantrag" bleibe, sollte weder der beantragte Notkredit noch die gewünschte Bürgschaft bewilligt werden. Bis Freitag muss der Konzern Kredite von mehr als 650 Mio. Euro verlängern, zusätzlich fehlen 900 Mio. Euro für den geplanten Konzernumbau.

Regierungskreisen zufolge hatte Arcandor-Chef Eick am Montag zeitweise an den Gesprächen des Bürgschaftsausschusses teilgenommen. Dabei habe Eick ein mehrmonatiges Schuldenmoratorium der beteiligten Großbanken in Aussicht gestellt, hieß es. Allerdings waren die Institute nur dann zu Zugeständnissen bereit, wenn der Konzern die staatliche Rettungsbeihilfe erhält. Steinbrück kritisierte im Gespräch mit dem Handelsblatt, "dass eine nur zum Teil von den Hauptaktionären in Aussicht gestellte Kapitalerhöhung von 150 Mio. Euro zum Ende des Jahres in keiner Weise die geforderte verstärkte Beteiligung der Eigentümer an dem Rettungskonzept erfüllt".

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte zuvor als Bedingung für Staatshilfen ein Zukunftskonzept der Eigentümer und Gläubiger verlangt. "Ohne eine Zukunftsperspektive ist die Inanspruchnahme staatlicher Hilfe überhaupt nicht denkbar", sagte sie. Nach wie vor fehle "die Dringlichkeit", mit der sich die Eigentümer um eine Lösung kümmerten, sagte Merkel. Die Verhandlungen zwischen Arcandor und Metro seien noch nicht so weit, wie sie sich das gewünscht hätte. Eine Lösung dürfe zudem nicht nur für wenige Monate gültig sein, sondern müsse die Arbeitsplätze dauerhaft sichern.

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