Handelskonzerne
Berlin macht Arcandor-Eigentümern Druck

Die Uhr für den angeschlagenen Handelskonzern Arcandor tickt. Der Staat will nicht bürgen, doch der Konzern hofft noch auf einen Notkredit aus Berlin. Kanzlerin Merkel und Finanzminister Steinbrück aber machen den Eigentümern Druck: Sie müssten erst einmal mehr Engagement zeigen. Die Gläubigerbanken haben sich bereits bewegt.

rüd/HB DÜSSELDORF. Nach der Absage aus Berlin zu Staatshilfen für den angeschlagenen Handels- und Touristikkonzern Arcandor aus dem „Wirtschaftsfonds Deutschland“ wächst der Druck auf die Eigentümer und Gläubiger. Sie müssten sich stärker engagieren, bevor der Bund einen Notkredit in Erwägung ziehen könne, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel.

„Was uns nach wie vor fehlt, ist eine Lösung seitens der Eigentümer“, so die Kanzlerin. Es mangele an „Dringlichkeit“, mit der sich beide Seiten um eine Lösung bemühten. „Ohne eine Zukunftsperspektive ist die Inanspruchnahme staatlicher Hilfe überhaupt gar nicht denkbar.“

Sie wisse um die Sorgen der Mitarbeiter des Konzerns, sagte Merkel. „Aber was wir nicht machen werden, ist Lösungen aufzeigen, von denen wir wissen, dass sie gerade mal vier, fünf, sechs Monate halten, aber letztlich keine Lösungen auf Dauer sind“.

Auch Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) sagte in der ARD, in der Regierung sei es „durchgängige Auffassung“, dass vor allem die Großaktionäre gefragt seien. Vize-Regierungssprecher Thomas Steg sagte, es sei nicht einzusehen, dass die öffentliche Hand Risiken übernehmen solle, wenn es von den Eigentümern kein klares Signal und keine Antworten gebe, wie sie für die Zukunft von Arcandor einstehen.

Der größte Aktionär des Handelskonzerns ist seit September 2008 die Kölner Privatbank Sal. Oppenheim. Sie hält nach Arcandor-Angaben direkt 3,7 Prozent, ihre Gesellschafter über ihre Industrieholdung 24,9 Prozent. Insgesamt sind es 28,6 Prozent und damit etwas mehr als der Aktionärspool um die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz mit 26,7 Prozent. 42,4 Prozent der Aktien sind im Streubesitz. Die Arcandor AG hält danach 2,3 Prozent eigene Aktien.

Der Lenkungsausschuss des Bundes, der wegen der aktuellen Wirtschaftskrise notleidenden Unternehmen unter die Arme greift, hatte es zuvor abgelehnt, die von Acandor beantragten Staatsbürgschaften in Höhe von 650 Mio. Euro aus dem „Wirtschaftsfonds Deutschland“ zu genehmigen. Der Handelskonzern habe sich schon vor Ausbruch der Wirtschaftskrise in Schwierigkeiten befunden, so dass Hilfen nicht gerechtfertigt werden könnten. Ähnlich hatte sich kürzlich die EU-Kommission geäußert. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums hätten zudem „erhebliche Zweifel“ an der Tragfähigkeit des Arcandor-Konzeptes bestanden.

Jetzt hofft Arcandor auf staatliche Rettungsbeihilfen in Form eines Notkredits von 437 Mio. Euro. Wann darüber entschieden werde, das Wirtschaftsministerium nicht sagen. Es gilt jedoch als wahrscheinlich, dass die Entscheidung bis Mittwoch feststeht.

Die Großaktionäre haben bereits Bereitschaft signalisiert, eine Kapitalerhöhung von 100 auf 150 Mio. Euro aufstocken. Laut „Spiegel“ soll Schickedanz, die in den vergangenen Jahren bereits massiv Vermögen verloren hatte, bereit sein, allenfalls noch einmal 40 Mio. Euro nachzuschießen. Auch Vermieter und Lieferanten sind nach Arcandor-Aussage bereit, einen Beitrag zu leisten.

Die Zeit für den Konzern wird knapp: Bis Freitag muss Arcandor auslaufende Kredite in Höhe von 650 Mio. Euro verlängern, sonst droht die Insolvenz. Nach Angaben von Arcandor sind die Hausbanken zu einem mehrmonatigen Schuldenmoratorium bereit. Voraussetzung sei allerdings, dass der Konzern die beantragte Rettungsbeihilfe des Staates erhalte, sagte ein Konzernsprecher.

Zwei der drei Hausbanken seien zu einem sechsmonatigen Zahlungsaufschub bereit, eine Bank zu einem dreimonatigen Moratorium. Der Konzern könne so die nötige Zeit erhalten, um ein neues Geschäftsmodell zu erarbeiten und die Finanzierung daran anzupassen, hieß es.

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