Handelskonzerne
Karstadt: Nur scheinbar in schwarzen Zahlen

Die Talfahrt der inzwischen insolventen Warenhauskette Karstadt beschleunigt sich. Entgegen anderslautenden Presseberichten sank der Betriebsgewinn (Ebit) deutlich. Dies geht aus einem von der Bundesregierung bestellten Gutachten der Wirtschaftsprüfer Pricewaterhouse-Coopers (PwC) hervor, das dem Handelsblatt vorliegt.

DÜSSELDORF. Danach sackte Karstadts Umsatz im ersten Geschäftshalbjahr um 2,1 Prozent ab, wobei die Warenhäuser auf vergleichbarer Fläche 1,1 Prozent ihrer Erlöse einbüßten. Entsprechend ging das Ergebnis gegenüber dem vergleichbaren Halbjahr von 26,7 Mio. auf sieben Mio. Euro zurück.

Die Arcandor-Tochter bleibt damit nur scheinbar in den schwarzen Zahlen. Weil das Geschäftsjahr schon am 1. Oktober beginnt, ist das lukrative Weihnachtsgeschäft in den Halbjahresergebnissen enthalten. In den beiden Sommerquartalen aber schreibt die Warenhauskette üblicherweise hohe Verluste. So häufte sich – trotz schwarzer Zahlen im ersten Halbjahr – bis zum Ende des vergangenen Geschäftsjahres bei Karstadt ein Verlust von 272 Mio. Euro an.

Anderslautende Zeitungsmeldungen, nach denen Karstadt „besser als bekannt“ laufe, hatten am Sonntagabend in der ARD-Talkshow „Anne Will“ für Irritationen gesorgt. So klagte die stellvertretende Gesamtbetriebsratschefin Maria Wagner, man habe die Warenhauskette in die Insolvenz getrieben, obwohl längst eine Besserung eingetreten sei.

Wagner hätte es besser wissen müssen: Seit 2008 kontrolliert die 49-jährige Schaufenstergestalterin Karstadt im Aufsichtsrat. „Wir haben ihr die Geschäftszahlen nicht vorenthalten“, sagte dazu ein Konzernsprecher auf Anfrage.

Eine Klarstellung der Ertragssituation von Karstadt durch Arcandor-Vorstandschef Karl-Gerhard Eick blieb bislang aus. In der Talkrunde verwies er auf Schweigepflichten, schließlich werde Arcandor die aktuellen Halbjahreszahlen erst am kommenden Donnerstag offiziell vorlegen. Zu diesem Termin wird sich auch der vorläufige Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg zum ersten Mal der Presse stellen.

Dass die Planinsolvenz in den vergangenen Monaten sorgsam vorbereitet worden sei, wie Eick in der ARD-Talkshow behauptete, stößt auf Skepsis. „Von einem konkreten Insolvenzplan haben wir noch nichts gesehen“, sagte ein Sprecher des Insolvenzverwalters. Man sei nach wie vor damit beschäftigt, die Fakten zusammenzutragen und Ansprechpartner im Konzern ausfindig zu machen.

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