Handelskonzerne sehen nur bedingt Handlungsbedarf
Kein Umsatzschub durch längere Öffnungszeiten erwartet

Die Nachbarn Deutschlands sind beim Thema Ladenschluss wesentlich liberaler. Dort ist entspanntes Shoppen oft bis in die späte Nacht hinein möglich. Eine Ausweitung der Öffnungszeiten würde nach Gewerkschafts-EInschätzung hierzulande allerdings kaum mehr Umsatz bringen.

HB BERLIN. Familien und Berufstätige wünschen sich zwar noch mehr Freiraum. Die Beschäftigten im Einzelhandel empfinden eine völlige Freigabe der Öffnungszeiten aber als eine zusätzliche Belastung und einen Angriff auf ihr Privatleben. Und auch der Handel bewertet einen völligen Wegfall des Ladenschlusses sehr gemischt.

„Bisher haben die verlängerten Öffnungszeiten noch keinen einzigen Euro mehr Umsatz gebracht“, kritisiert die Gewerkschaft Verdi. Stattdessen sei der Konzentrationsprozess im Handel fortgeschritten - und die Belastung für die Beschäftigten enorm gestiegen. Die Gewerkschaft hofft darauf, dass die Regierungsfraktionen sich an ihre Zusage halten, den Ladenschluss nicht zu kippen.

Wenig begeistert sind die von der Konsumflaute besonders gebeutelten kleinen Einzelhändler. Für sie ist eine völlige Freigabe der Öffnungszeiten vielfach personell nicht zu schultern. Schon jetzt leiden sie unter dem enormen Konkurrenzdruck. Sie könnten sich aber, wie in anderen Ländern auch schon üblich, auf bestimmte Öffnungszeiten spezialisieren. Schon jetzt haben sich die Umsätze beispielsweise durch die längere Öffnung am Samstag nur zu anderen Standorten und Tagen verlagert, räumt auch der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels ein.

Die großen Handelskonzerne sehen daher auch nur bedingt Handlungsbedarf. Während der zweitgrößte Handelskonzern Rewe auf eine Liberalisierung pocht, heißt es bei Karstadt-Quelle: Die Zeiten seien schon jetzt den Bedürfnissen der Kunden angepasst. Und auch die Textilkette C&A sieht keinen Bedarf für noch längere Öffnungszeiten. „Wochentags und Samstags bis 20 Uhr - das ist prima, mehr brauchen wir nicht“, meint C&A-Deutschland-Chef Dominic Brenninkmeyer. Eine noch größere Ausweitung würde nur mehr Geld kosten.

Sollte nun der Bund - wie es der Einzelhandelsverband fordert - die Länder zur völligen Freigabe der Ladenöffnungszeiten ermächtigen, dann werden sich die Kunden in Deutschland auf völlig unterschiedliche Einkaufsmöglichkeiten einstellen müssen. So könnte es in Düsseldorf oder München einen anderen Ladenschluss geben als im strukturschwachen Mecklenburg-Vorpommern. In Berlin ist schon jetzt an ausgewählten Tagen per Sondergenehmigung das Einkaufen bis 24 Uhr möglich: Zwei Mal im Jahr locken die Einzelhändler rund um die Gedächtniskirche Hunderttausende zur „langen Nacht des Shoppings“.

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