Handelstagung Neocom
„Zalando ist kein Luftgeschäft“

Es war ein Wagnis: Tengelmann-Chef Haub investierte bereits vor Jahren in Zalando. Auf dem Kongress Neocom zeigt er sich optimistisch, dass sein Investment sich auszahlen wird. Sorge bereitet ihm das Thema Datenschutz.
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DüsseldorfEs war ein Experiment. Vor vier Jahren investierte Karl-Erivan Haub, Chef der Tengelmann-Gruppe und „Old-School-Händler“, 20 Millionen Euro in das Berliner Start-up Zalando. Damals kannte den Namen noch kaum jemand. 2013 steuert der Online-Shop, der in 14 Ländern Mode, Schuhe und Accessoires verkauft, auf einen Umsatz von zwei Milliarden Euro zu. Im Angebot: rund 150.000 Produkte von 1.000 verschiedenen Marken. Wollte man die alle in Regale packen, so Haub, bräuchte es 60 Läden.

Zwar verdient das Unternehmen im Gegensatz zu seinem britischen Rivalen Asos noch immer kein Geld, aber Haub glaubt nach wie vor an Zalando. „Das ist kein Luftgeschäft“, versicherte er zum Auftakt der diesjährigen „Neocom“ auf dem Areal Böhler in Düsseldorf, vormals „Deutscher Versandhandelskongress“. Schließlich habe Amazon auch wieder Verluste ausgewiesen – und trotzdem sei der Aktienkurs gestiegen. Tengelmann hält 6 Prozent an Zalando.

Bei der zweitägigen Veranstaltung, die vom Fachinformationsdienst „Der Versandhausberater“ und dem Management Forum der Verlagsgruppe Handelsblatt organisiert wird, dreht sich alles um die Zukunft des Handels – und die liegt vor allem im Internet. Mehr als 85 Top-Manager und Branchenexperten sowie zahlreiche Gastredner diskutieren über Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung im Handel. Parallel findet eine Fachmesse statt, auf der sich rund 300 Aussteller präsentieren.

Haub gilt als einer der Visionäre der Branche. Er führt die Tengelmann-Gruppe in fünfter Generation in das Internetzeitalter, mit zwei Strategien: Zum einen verknüpft er das traditionelle Geschäft – dazu gehören die Lebensmittelläden Kaiser’s Tengelmann, die Textil-Discounter Kik und die Obi-Baumärkte – über eigene Online-Shops mit dem Netz. Allerding hinkt Deutschland seiner Ansicht nach bei der Vernetzung anderen Ländern wie den USA oder England um fünf Jahre hinterher. „Dort trägt jeder Verkäufer schon ein Tablet-PC am Arm, mit dem er blitzschnell alle Informationen aus dem Internet zur Hand hat.“

Zum anderen, und das ist das Besondere, ist das 1867 gegründete Familienunternehmen einer der größten Internet-Start-up-Investoren Deutschlands. Über die Tochter Tengelmann Ventures hält Haub Beteiligungen an rund 30 Firmen. Darunter Onlineshops wie Zalando, aber auch Dienstleister für Internet- und Web-2.0-Technologien.

600 Start-ups bewerben sich pro Jahr bei Tengelmann Ventures, von  sieben bis acht trifft Haub die Gründer persönlich. „Ist so viel Schrott dabei?“, fragte Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart, der mit ihm über die Gewinner und Verlierer der Digitalisierung im Handel sprach. „Nein, aber wir verschenken unser Geld nicht“, konterte Haub. Er habe sogar das Gefühl, Deutschland erlebe momentan eine neue Gründerwelle.

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  • Der Hinweis, dass die Industrie dennoch zum Direktvertrieb tendiert, stammt von mir - sorry ;-)
    Inklusive den Beispielen Boss, der Autoindustrie (BMW, Mercedes u. VW) und Herstellern wie Adidas.

    Als "Visionär" müßte Herr Haub diesen Trend nicht locker übersehen, auch es zugegebener Maßen nicht so schnell einen Direktvertrieb für einen Joghurt-Becher und eine Tube Zahnpasta geben wird.

    Gruß PP

  • Zitat: "Wollte man die alle in Regale packen, so Haub, bräuchte es 60 Läden." Und um mehr Gewinn zu machen als Zalando, braucht es nur einen Laden.

    Wo bleibt eigentlich das Finanzamt, das jeden kleinen Mann mit Gewerbeschein im dritten oder vierten Jahr auf die Füße tritt und Gewinn sehen will, weil das Gewerbe sonst als Liebhaberei ohne Gewinnerzielungsabsicht eingestampft wird?

    Die Marke Zalando ist verbrannt, weil untrennbar mit anscheinend kostenloser Hin- und Hersenderei in den Köpfen verankert. Ein ausgearteter Kundenservice wie bei Zalando ist mit konkurrenzfähigen Preisen nicht zu machen. Die, die Ware tatsächlich behalten, sind die Dummen.

  • Der Artikel ist eine glatte LÜGE! Die Waren bei Zalando sind völlig überteuert!! Da stimmt das Preis_Qualitätsverhältnis überhaupt nicht. Deswegen gibts ja auch immerzu diese Preissenkungen. Obwohl selbst die auch nur ein Fake sind um die Kunden anzulocken und dann zu verarschen!

    Genauso ist das mit den anderen großen Händlern wie Impressionen oder Conleys usw. Selbst Ikea hat Umsatzeinbußen. Wer soll all das noch kaufen, wenn die Lebenshaltungskosten immer mehr steigen. Die Löhne aber immer mehr seitens der Unternehmer gedrückt werden.

    Ich glaube der Tengelmann will mit seinem Interview und der angeblich guten Geschäfte seine Aktien in die Höhe treiben. Selbst H&M muß ständig Produkte in den Sale stellen.

    Die Leute haben einfach KEINE GELD MEHR UM STÄNDIG IRGENDWAS ZU KAUFEN. Selbst die Verschuldung ist bei vielen ausgereizt. Und deswegen haben wir auch die Kapitalismuskrise!! Die als Euro Krise vertuscht wird. Und nicht mehr benötigte Menschen einfach aussortiert werden und verlenden müssen. Hauptsache die Aktien bringen Gewinn.

    Die Menschheit ist KRANK! Und die GIER hat schon immer zum Kollaps geführt.

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