Haniel
Das war's mit der Prognose

Aus Angst vor der lahmenden Konjunktur in China sinken seit Wochen die Rohstoffpreise. Der Händler ELG bekommt das zu spüren, der Gewinn bricht ein. Die Haniel-Beteiligung reißt die komplette Gruppe mit.
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DüsseldorfDie Duisburger Familienholding Haniel hat ein neues Sorgenkind: Der Rohstoffhändler ELG leidet unter dem stark gesunkenen Nickelpreis und verbuchte im Halbjahr einen Umsatz- und Gewinneinbruch. Die anderen Beteiligungen der Holding, zu denen unter anderem auch der Handelsriese Metro gehört, können das Minus nicht auffangen, räumte Haniel am Montag ein. Haniel-Chef Stephan Gemkow streicht deshalb die Ziele für 2015 zusammen.

Bereinigt um Unternehmenskäufe und -verkäufe sowie Währungseffekte werde sich der Konzernumsatz gegenüber 2014 um etwa zehn Prozent verringern. Im April hatte Gemkow noch Wachstum im einstelligen Prozentbereich in Aussicht gestellt. Auch der operative Ertrag werde wohl sinken, hieß es. Linderung könnte aber ausgerechnet Metro bringen. Haniel hofft hier auf „Sondererträge“, schließlich trennt sich Metro von der Warenhauskette Kaufhof und dem Großmarktgeschäft in Vietnam. Ein Metro-Sprecher wollte dies nicht kommentieren.

Aus Furcht vor einer lahmenden Konjunktur in China gehen die Preise für Rohstoffe seit Monaten stark zurück. Allein Mitte August stürzte der Preis für Nickel, das zur Stahl-Herstellung benötigt wird, um über 15,4 Prozent ab. Der Rückgang schlug auch auf die ELG durch – und die Bilanzen der Duisburger Holding. Der Umsatz der Haniel-Gruppe schrumpfte im ersten Halbjahr um zwei Prozent auf 1,982 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis sank um sechs Prozent auf 109 Millionen Euro.

Haniel hat bereits umfangreiche Aufräumarbeiten im Portfolio hinter sich, das neben dem Rohstoffhändler ELG und der Hygiene-Tochter CWS Boco auch Beteiligungen an den börsennotierten Handelsunternehmen Metro und Takkt umfasst. Haniel habe in der Vergangenheit zu stark auf Händler gesetzt, befand Gemkow. Hohe Abschreibungen auf Metro hatten die Duisburger 2012 tief in die roten Zahlen gerissen. Haniel packte die Entschuldung an, reduzierte die Anteile an Takkt und Metro und verkaufte den Pharmagroßhändler Celesio für zwei Milliarden Euro. Familienoberhaupt Franz Markus Haniel legt im kommenden Jahr zudem den Aufsichtsratsvorsitz bei Metro nieder, der Anteil an dem Handelskonzern soll bis 2020 auf rund 20 Prozent sinken.

Die Duisburger Holding bescheinigte der Metro nun, durch die Veräußerung der Warenhaustochter Kaufhof bei der „strategischen Neuausrichtung einen weiteren Schritt vorangekommen“ zu sein. Haniel rechnet mit Sondererträgen aus der Beteiligung für die zweite Jahreshälfte, das Beteiligungsergebnis könne damit über dem des Vorjahres liegen. Dabei setzen die Duisburger auch auf Einnahmen, die die Verkäufe in die Kassen der Metro spülen sollen. Metro-Chef Olaf Koch hatte angekündigt, Einnahmen zur Senkung des Schuldenstands und für Investitionen einsetzen zu wollen.

Metro hatte im vergangenen Jahr angekündigt, das Vietnam-Geschäft seiner Großmarktsparte für rund 655 Millionen Euro verkaufen zu wollen. Die Transaktion ist aber noch nicht in trockenen Tüchern. Die Warenhaustochter Kaufhof geht zudem für rund 2,8 Milliarden Euro an den nordamerikanischen Handelskonzern Hudson's Bay.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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