Haniel
Traditionskonzern bekommt „digitale Werkbank“

Haniel will von Start-ups lernen: Ein firmeninterner Inkubator soll dem traditionellen Unternehmen auf die Sprünge helfen. Neuer Schwung kann nicht schaden – ist doch das Ergebnis im vergangenen Jahr eingebrochen.

DuisburgDie Manager der Unternehmen aus der Haniel-Gruppe bekommen bald ein interessantes Nachhilfeprogramm. Der Duisburger Mischkonzern will sich an Start-ups beteiligen und dann Mitarbeitern aus ihrem Kerngeschäft die Möglichkeit bieten, eine Zeit lang bei den jungen Tech-Firmen mitzuarbeiten. „Wir wollen die Arbeitsweise dieser Start-ups besser kennenlernen, wollen verstehen, wie die Szene tickt“, sagt Haniel-Chef Stefan Gemkow dem Handelsblatt.

Rund 50 Millionen Euro hat der Traditionskonzern bereitgestellt für Investitionen in Start-up-Fonds. Voraussetzung ist, dass die Fonds dem Investor einen direkten Kontakt zu den jungen Unternehmen ermöglichen. Aus welchen Branchen diese Unternehmen kommen, ist nicht so entscheidend. „Wir wollen sehen, ob es da Ideen und Technologien gibt, die wir in unseren Unternehmen auch umsetzen können“, sagt Gemkow. Geplant sind Anteile an fünf verschiedenen Start-up-Fonds mit jeweils etwa zehn Unternehmen.

Die Start-up-Investments sind eng verflochten mit einer neu gegründeten „digitalen Werkbank“ bei Haniel, wie Gemkow es nennt. Dabei handelt es sich um einen firmeninternen Inkubator, genannt „Schacht One“, in dem Ideen für neue Produkte oder neue Prozesse weiterentwickelt werden können. „Die Ideen sollen aus den verschiedenen Haniel-Töchtern kommen“, so Gemkow, „und in der digitalen Werkbank können sie dann beschleunigt umgesetzt werden.“ Mitarbeiter der Tochterunternehmen könnten dann drei bis sechs Monate an diesen neuen Ideen arbeiten, unterstützt von Programmierern.

Im Inkubator sollen die Erfahrungen für die Digitalisierung der Geschäftsprozesse gebündelt werden. „Es muss ja bei uns nicht jeder das Rad neu erfinden“, sagt Gemkow. Die Unternehmen der Haniel-Gruppe seien eher traditionelle Firmen, die von der Digitalisierung durchaus gefährdet seien. „Schacht One“ solle helfen, auch die Chancen der Entwicklung zu nutzen und den Wandel von Haniel zu einem digitalen Unternehmen zu beschleunigen.

In der Tat stammen die Haniel-Töchter aus Geschäftsbereichen, die mit der Digitalisierung bisher eher weniger zu tun haben. Oder wie es Haniel-Finanzchef Florian Funk augenzwinkernd formuliert: „Es sind nicht die Unternehmen, die einem auf den ersten Blick Begeisterung ins Gesicht treiben.“ Dabei sind die meisten von ihnen auf den zweiten Blick besonders für den Finanzchef attraktiv – werfen sie doch eine sehr gute Rendite ab, wie die nun vorgestellten Jahreszahlen zeigen.

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