Hanjin-Insolvenz

Reederei-Pleite bedroht das Weihnachtsgeschäft

Auf den Schiffen der insolventen Großreederei Hanjin hängen Waren im Milliardenwert fest. Besonders Elektronikhändler sind betroffen. Für sie wird die Zeit vor dem wichtigen Weihnachtsgeschäft knapp.
4 Kommentare
Häfen weltweit verweigern dutzenden Schiffen der südkoreanischen Reederei die Einfahrt Quelle: Reuters
Hanjin-Schiff vor Singapur

Häfen weltweit verweigern dutzenden Schiffen der südkoreanischen Reederei die Einfahrt

(Foto: Reuters)

RotterdamMit Weihnachten in Sicht träumen Händler normalerweise von fetten Umsätzen. Doch dieses Jahr könnte es für manche ein Nachschubproblem geben. Der Grund: Seit Hanjin, die siebtgrößte Frachtschiff-Reederei der Welt, in die Insolvenz gerutscht ist, sind Waren im Wert von geschätzt mehr als zwölf Milliarden Euro in Häfen und auf Schiffen auf hoher See gestrandet.

Häfen verweigern dutzenden Schiffen der südkoreanischen Reederei die Einfahrt, weil sie befürchten, dass Hanjin die Hafengebühr nicht bezahlen kann. Geschätzt 500.000 Container bleiben so auf den großen Frachtern, während Hanjin um Gläubigerschutz verhandelt.

Besonders betroffen sind Elektronikhändler und solche, die Konsumgüter verkaufen. Denn die Vorweihnachtszeit ist die profitabelste Zeit des Jahres für sie. „Black Friday kommt bald“, sagt der Chef der Hausgeräte-Sparte des Fernseher- und Smartphone-Herstellers LG Electronics, Cho Sung-Jin. Der Tag nach dem US-Feiertag Thanksgiving Ende November sorgt in den USA traditionell für einen Konsumrausch.

Das sind die Giganten der Meere
Containerschiff "MOL Triumph" im Hamburger Hafen
1 von 22

Das Containerschiff „MOL Triumph“ legte am Abend (15. Mai 2017) in Hamburg am Terminal Burchardkai an. Mehr als 20.000 Standardcontainer (TEU) kann der Gigant laden, doch die vergleichsweise flache Elbe ließ nur eine Fahrt mit gut der Hälfte der maximalen Kapazität zu.

„MOL Triumph“ auf dem Weg zum Hamburger Hafen
2 von 22

Mit 400 Metern Länge gehört die „MOL Triumph“ zu den größten Schiffen weltweit, wie der weitere Überblick zeigt.

Die „Cosco Shipping Panama“ fährt in den Panamakanal ein
3 von 22

Das chinesische Containerschiff „Cosco Shipping Panama“ befuhr im Juni 2016 als erstes Schiff den ausgebauten Panamakanal. Neun Jahre nach Beginn des Ausbaus wurde die Wasserstraße damit offiziell für Schiffe der sogenannten Postpanamax-Klasse freigegeben. War es bis dahin nur Schiffen mit einer Ladekapazität von bis 4400 Containern möglich, den Kanal zu benutzen, so können mittlerweile Großschiffe mit bis zu 14.000 Containern die Wasserstraße befahren.

COSCO Shipping Panama
4 von 22

Mit einer Länge von 300 Metern und fast 50 Meter Breite zählt die COSCO Shipping Panama sicher zu den Giganten der Meere.

Containerschiff „MSC Zoe“
5 von 22

Die MSC Zoe beim Einlaufen in den Hamburger Hafen im August 2015. Sie ist mit 395 Metern Länge und 59 Metern Breite zwar knapp nicht das größte Containerschiff der Welt, was die Abmessungen betrifft. Ihre 19.224 Standardcontainer (TEU) bedeuten zu Zeitpunkt ihrer Indienststellung aber Weltrekord in Sachen Transportkapazität. Der Frachter wurde auf der de Daewoo-Werft in Südkorea für die Reederei MSC (Mediterranean Shipping Company) gebaut.

UASC Barzan
6 von 22

In Sachen Abmessungen spielen die Containerschiffe der UASC A18 in der Champions League. 400 Meter lang und fast 60 Meter breit sind die Giganten der in Kuwait ansässigen Reederei United Arab Shipping Company. Die maximale Ladung liegt bei 18.800 TEU. (Foto: Frank Schwichtenberg/Schwicht de Burgh Photography; CC BY 3.0)

P&O Nedlloyd Tasman
7 von 22

Als die "P&O Nedlloyd Tasman" im Jahr 2000 die Werft in Warnemünde verließ, war sie das größte jemals in Deutschland gebaute Containerschiff. Heute liegt das knapp 280 Meter lange Schiff eher im Mittelfeld der Containerriesen, seine Ladekapazität beträgt 5468 TEU. Die Abkürzung TEU (Twenty Feet Equivalent Unit) bezeichnet einen Standardcontainer von 20 Fuß (6,058 Meter) Länge und 8 Fuß (2,438 Meter) Breite.

LG ließ bisher zehn bis 20 Prozent seiner Nordamerika-Fracht von Hanjin befördern. „Ich bin nicht sicher, ob wir mit unseren derzeitigen Beständen die Nachfrage bedienen können“, erklärte Cho Sung-Jin.

Auch Samsung, der größte Smartphone-Hersteller der Welt, ist betroffen: Er sorgt sich um Ware auf zwei Hanjin-Frachtern im Wert von umgerechnet rund 34 Millionen Euro. Gläubiger könnten die Ware beschlagnahmen lassen, wenn die Schiffe in einen Hafen einlaufen. Und in Peking hat der Asien-Geschäftsführer von Grill-Hersteller Weber, Stephen Zhu, seinen Kunden in Los Angeles und in Australien neue Ware geschickt, weil er nicht wusste, wann Hanjin zwei Container mit Grills im Wert von rund 700.000 Euro ausliefern wird.

Weltweit kann Hanjin geschätzt sechs Billionen Won (4,8 Milliarden Euro) Schulden nicht begleichen. In Südkorea und in den USA hat das Unternehmen Antrag auf Gläubigerschutz gestellt, um sich in Ruhe sanieren zu können. Hanjin hat bis 25. November Zeit, einen Sanierungsplan vorzulegen – das ist der Black Friday. Ein Gericht wird dann über die Zukunft der Reederei entscheiden.

Das sind die größten Reedereien der Welt
Platz 10: Hamburg Süd Group
1 von 10

Ein Unternehmen mit Tradition: Seit ihrer Gründung 1871 hat sich die Hamburg Süd von einer konventionellen Reederei zu einer international operierenden Transport-Logistik-Organisation entwickelt. Im März 2016 übernahm sie den chilenischen Konkurrenten CCNI. Im März 2017 hat der Oetker-Konzern – zu dem Hamburg Süd gehört – die Reederei an den Konkurrenten Maersk verkauft. Die Flotte der Hamburg Süd umfasst 105 Schiffe, die eine Containerkapazität von insgesamt 564.000 Stück haben.

Quelle: Alphaliner

Platz 9: Mitsui O.S.K. Lines
2 von 10

Die Japaner sind zurück in der Top Ten. Mit der MOL Triumph hat die Reederei aus Tokio nicht nur das größte Containerschiff der Welt ist der Flotte, sondern konnte auf 79 sagenhafte 569.000 Container transportieren.

Platz 8: Yang Ming Marine Transport Corp.
3 von 10

Im Jahr 1972 in Taiwan gegründet, besitzt Yang Ming eigene und in Kooperation betriebene Containerterminals in den USA, Belgien, den Niederlanden sowie in Taiwan. Die Schiffsflotte besteht aus 95 Schiffen und umfasst eine maximale Kapazität von 580.000 Containern. Doch die Reederei leidet unter der schwächelnden Konjunktur in China. Eine Großallianz, die 2017 mit der deutschen Hapag-Lloyd und vier weiteren asiatischen Reedereien startet, soll helfen.

Platz 7: OOCL
4 von 10

Die Orient Overseas Container Line wurde 1947 in Shanghai durch den Unternehmer Tung Chao Yung gegründet. Auf der Flucht vor den Kommunisten siedelte Tung mit seinem 1949 nach Hongkong um. Zuletzt machte die asiatische Reederei den größten Sprung. Rund 672.000 Container kann das Unternehmen auf 98 Schiffen unterbringen. Von 1979 bis 1989 stand mit dem Öltanker Seawise Giant das bis heute größte jemals (nicht an einem Stück) gebaute Schiff im Dienst der Flotte.

Platz 6: Evergreen Line
5 von 10

Die Reederei Evergreen stammt aus Taiwan. Mit ihren 194 Schiffen bedient das Unternehmen Linien in Osteuropa, nach Europa und zur US-Westküste und kann insgesamt 1,07 Millionen Standardcontainer unterbringen.

Platz 5: Hapag-Lloyd
6 von 10

Mit 1,5 Millionen Containern hat aufgeholt: Unter dem Druck der schweren Schifffahrtskrise schloss sich die Reederei Hapag-Lloyd mit der arabischen Reederei United Arab Shipping Company (UASC) zusammen. Damit kommt die hamburgische Reederei, auf eine Flotte von 212 Schiffen. Zudem hat die neue Allianz mit den asiatischen Reedereien den Hamburgern eine gute Position auf den Weltmeeren verschafft.

Platz 4: Cosco Container Lines
7 von 10

Die China Ocean Shipping Company wurde in Europa bekannt, weil die Reederei in der Finanzkrise 50 Prozent der Anteile am Hafen in Piräus übernommen hat. In der Containerschifffahrt haben die Chinesen ihr weltweites Netz sukzessive ausgebaut. 1,82 Millionen Container kann das Unternehmen unterbringen. Die Flotte umfasst aktuell 331 Schiffe.

Unterdessen wird versucht, den Geschäftsbetrieb aufrecht zu halten soweit es geht. Vereinzelt können Hanjin-Schiffe mit Sondergenehmigung doch ihre Fracht löschen - in New Jersey und Long Beach in den USA etwa oder in Singapur. Und Hanjins Mutterkonzern hat einen Unterstützungsfonds mit 100 Milliarden Won aufgelegt; nach langem Zögern gab Großaktionär Korean Air am Mittwochabend seinen Anteil von 60 Milliarden Won (50 Millionen Euro) frei.

Ein Tropfen auf den heißen Stein bei 4,8 Milliarden Euro im Minus. Der Hafen von Rotterdam hat schon fast resigniert: „Bei den Schulden ist es sehr unwahrscheinlich, dass wir je unser Geld sehen werden“, sagt Sprecher Sjaak Poppe.

  • afp
Startseite

Mehr zu: Hanjin-Insolvenz - Reederei-Pleite bedroht das Weihnachtsgeschäft

4 Kommentare zu "Hanjin-Insolvenz: Reederei-Pleite bedroht das Weihnachtsgeschäft"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @Thomas Behrends23.09.2016, 09:23 Uhr

    "Also ganz ehrlich, worum geht es eigentlich bei dem Weihnachtsfest?"


    Vollkommen richtig. Nicht zu vergessen die anderen christlichen Feste (Ostern, Pfingsten, Nikolaus), die zu Konsumorgien degradiert wurden. Und dann werden auch noch immer mehr Gelegenheiten zum Konsumwahnsinn dazuerfunden (Muttertag, Halloween).

    Allein der Begriff " Weihnachtsgeschäft" sagt doch alles.

  • @ Baron v. Fink

    Das ist nur etwas für Ausbeuter; aber dafür ist die Schifffahrtsbranche ja berühmt-berüchtigt, dass es sich um die Nachfahren der Gauner und Pferdediebe handelt. Seeleute aus Asien ein halbes Jahr bei nur Kost und Logis, aber ohne Heuer, über dubiose Londoner Agenturen (Sklavenhändler) beschäftigen, Anmeldung der Flagge in Monrovia oder sonstwo, Sicherheitsstandards gleich Null und jeden steuerlichen Vorteil durch Etablierung des Geschäftssitzes in Luxembourg oder anderen Steueroasen mitnehmen.

    Pfui Deibel !!!

  • Der Unterschied zwischen Container-Transport und Container-Vermietung sollte erwähnt werden. Triton International zahlt noch Dividenden von ca. 10% natürlich steuerfrei und von den Bermudas.

  • "Der Tag nach dem US-Feiertag Thanksgiving Ende November sorgt in den USA traditionell für einen Konsumrausch."

    Also ganz ehrlich, worum geht es eigentlich bei dem Weihnachtsfest? Um eine Geschenkorgie für die "geliebten" Angehörigen, allen voran den lästigen und nervigen, herum schreienden Kiddies, die nicht genug kriegen können. Da kann es gar nicht früh genug losgehen mit Präsenten aus der Elektronik- und Computerindustrie ? Wenn das der Wesensinhalt für Weihnachten ist, dann gute Nacht Marie. Überhaupt, warum soll ich diese z.T. frechen Biester noch für ihre Garstigkeiten belohnen?

    Auf der anderen tun die Exporteure nun so, als wenn man solch´ eine Insolvenz im Schifffahrtsbereich nicht hat vorher sehen können. Es ist schon seit über 40 Jahren in der Schifffahrt so, dass Überkapazitäten bereit gestellt werden.

    Gerne haben die Exporteure und Spediteure die günstigen Frachtraten von z.T. nur USD 400,00 für einen 20´ Container mitgenommen ohne allerdings zu fragen, woher der günstige Preis resultiert.

    Nun warten viele von denen auf ihre Ware und können nicht dran. Pech wer auf´s falsche Pferd gesetzt hat.

    Wie schön, dass das Prinzip der "Grenzen des Wachstums" noch funktioniert!

    Ich stamme selbst aus der Schifffahrtsbranche, bin in Hamburg ansässig und für mich sind die Nachrichten von Hanjin nicht verwunderlich.

    Vor allen Dingen nicht, als man vom Zusammenbruch etlicher von Investmenthäusern (MPC etc.) in den Markt gebrachten Schiffsfonds las. Da erkannte man plötzlich, dass sinkende Frachtraten, Überkapazitäten (immer größere Containerschiffe) und ein schwankender USD eine unheilvolle Mixtur darstellen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%