Hapag-Lloyd residiert nicht am großen Elbestrom
Des „Kaisers Reeder“ zeigt in Hamburg Flagge

Ihrem großen Sohn hat die Freie und Hansestadt Hamburg zwar kein Denkmal gesetzt, ihm aber an einer der schönsten Stellen der Stadt eine Prachtstraße gewidmet: den Ballindamm an der Binnenalster.

HAMBURG. Im Riesengebäude mit der Hausnummer 25 residierte bereits der Namenspatron der Straße, Albert Ballin. Der hatte als Vorstandsvorsitzender der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt Actien-Gesellschaft der besser in der Kurzform Hapag bekannten Reederei in wilhelminischer Epoche zu Ruhm und Gloria verholfen und sich selbst stolz des „Kaisers Reeder“ nennen können.

Seit 1970 ist Ballins Büropalais die Hauptverwaltung der Hapag-Lloyd AG, entstanden aus der Fusion der Hamburger Reederei mit ihrem ewigen Konkurrenten Norddeutscher Lloyd aus Bremen. Dessen imposantes Hauptsitz in der Bremer Innenstadt war im Krieg zerstört und nie wiederaufgebaut worden. Ein Bürogebäude hinter dem Hauptbahnhof diente als Ausweichquartier und beherbergte nach der Fusion noch etliche Konzernabteilungen. Zudem wurden zunächst offiziell beide Firmensitze beibehalten. Doch inzwischen ist der Eintrag im Bremer Handelsregister gelöscht, an der Weser gibt es keine Verwaltungsteile mehr. Von den 25 Containerfrachtern sind nur noch drei in Bremen registriert. Die Kreuzfahrtschiffe fahren ohnehin unter Bahama-Flagge.

Der Lloyd ist ausgelöscht. Wer dem Geist der Hapag, die Hamburgs Namen in alle Kontinente trug, auf der Spur bleiben möchte, kann schon in der Eingangshalle der Hauptverwaltung ein Erinnerungsstück aus der Zeit bewundern, in der Ballin zu recht behaupten konnte: Mein Feld ist die Welt. Das Modell des 277 Meter langen, 52 000 BRT großen Dampfers „Imperator“ steht für die Kaiserzeit, in der Ozeanriesen den Nordatlantik durchpflügten, die Paradestrecke des Seeverkehrs. Sowohl die Hapag als auch der Lloyd waren mit Liniendiensten zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten gestartet und hatten hier bald das große Geschäft mit Auswanderern gemacht.

Die Armen aus der Alten Welt füllten noch die unteren Decks, als sich oben in immer prächtiger werdenden Suiten und Speisesälen die Reichen eine Luxusreise über den großen Teich gönnten. Die Spargroschen europäischer Emigranten und das große Geld amerikanischer Emporkömmlinge finanzierten den Bau immer größerer und schnellerer Passagierschiffe, mit denen sich die Bremer und Hamburger gegenseitig zu übertrumpfen suchten – ganz im Sinne des Kaisers namens Wilhelm mit der Ordnungsnummer Zwei, der Deutschlands Zukunft auf dem Wasser liegen sah. Dem imperialen Größenwahn widmeten Hapag und Lloyd ihre Schiffe „Fürst Bismarck“ und „Kaiser Wilhelm der Große“, „Deutschland“ und „Imperator“. Als das Deutsche Reich zusammenbrach, war auch diese Pracht dahin.

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