Happy Size
Klingel streckt Fühler nach Neckermann-Tochter aus

Während die Überlebenschancen des insolventen Versandhändlers Neckermann offensichtlich gegen null gehen, ist der Rivale und Pforzheimer Versandhändler Klingel offenbar an der Tochter Happy Size interessiert.
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DüsseldorfIm Internet juxen sie noch, die Werbestrategen von Neckermann. Obwohl dem Versandhändler das Wasser bis zum Hals steht, mangelt es nicht an selbstironischen Sprüchen. „Was kommt in den Keller, damit wir aus dem Keller kommen? Ihre neue Waschmaschine“. Dabei schlägt der vorläufige Insolvenzverwalter des Frankfurter Handelsunternehmens Alarm. Die Lage für Neckermann werde immer aussichtsloser, denn sichtbar schlimme Folgen jahrelanger Misswirtschaft hielten Investoren von einer Übernahme ab.

Bei der Neckermann-Tochter Happy Size scheinen die Karten indes besser zu stehen. So soll sich der Pforzheimer E-Commerce-Händler K-Mail Order für den Spezialversender des Wettbewerbes interessieren. Wie die Wettbewerbshüter im Internet mitteilen, soll K-Mail bereits beim Bundeskartellamt Interesse am Erwerb zur Prüfung angemeldet haben.

Bekannt ist K-Mail Order unter dem Namen Klingel, die Gruppe beschäftigt nach eigenen Angaben knapp 2000 Menschen in Pforzheim und ist in zwölf europäischen Ländern vertreten. Sie sieht sich als drittgrößter Versandhändler in Deutschland. Von K-Mail Order war keine Stellungnahme zu den Übernahmeplänen zu erhalten. Ein Sprecher der Insolvenzverwalter aus der Anwaltskanzlei CMS Hasche Sigle wollte sich zunächst nicht äußern.

Wie das Fachmagazin „Der Handel“ schreibt, ist der langjährige Happy Size-Geschäftsführer Karsten Heinz inzwischen bei K-Mail Order als Markenleiter des Modeversenders Mona tätig. Erst vor einer Woche soll die Geschäftsführung von Happy Size erklärt haben, es gebe sehr aussichtsreiche Gespräche mit einem strategischen Investor aus der Versandhandelsbranche. „Der Spezialversender für große Größen mit einem Umsatz von 77 Millionen Euro im Jahr 2010 gilt als recht erfolgreich“, so „Der Handel“.

Die Insolvenzverwalter hatten den mehr als 2000 Beschäftigten von Neckermann zuletzt kaum mehr Hoffnung auf eine Rettung des Frankfurter Versandhändlers gemacht. Die Suche nach finanzkräftigen Investoren habe in den vergangenen acht Wochen gezeigt, „dass für viele (...) die Herausforderungen bei einer Übernahme von Neckermann zu komplex erscheinen“, hatte es am Mittwoch geheißen. Am 1. Oktober will das Amtsgericht Frankfurt das Insolvenzverfahren eröffnen.


In den vergangenen Wochen seien mehr als 200 Interessenten angesprochen worden, etwa 50 potenzielle Investoren hätten Neckermann auf Herz und Nieren geprüft. Neckermann-Chef Henning Koopmann hatte zuletzt erklärt, ohne einen Investor sei bei dem Versandhändler im Herbst Schluss. „Aus eigener Kraft können wir es nicht schaffen“, sagte er, auch wenn das Geschäft durch die Maßnahmen der vorläufigen Insolvenzverwalter stabilisiert worden sei.

Der traditionsreiche Versandhändler hatte Mitte Juli Insolvenz angemeldet, nachdem Sun Capital den Geldhahn für die Sanierung abgedreht hatte. Er hatte tiefgreifende Einschnitte gefordert, die mehr als der Hälfte der Belegschaft den Arbeitsplatz gekostet hätten. Ein Sanierungskonzept der Geschäftsleitung lehnte Sun als zu teuer ab.

Der traditionsreiche Versandhändler hatte Mitte Juli Insolvenz angemeldet. Nicht von der Pleite betroffen ist der Touristik-Anbieter Neckermann Reisen, der seit längerem zu Thomas Cook gehört.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Carina Kontio ist Redakteurin im Ressort Unternehmen & Märkte.
Carina Kontio
Handelsblatt / Redakteurin Unternehmen

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