Harte Bandagen
Kampf der Baumärkte um die Heimwerker

Die Baumarktbranche boomt - das spürt auch Hornbach in Neustadt an der Weinstraße. Doch das Hauen und Stechen um die Gunst der deutschen Heimwerker fordert erste Opfer. Schuld sind Rabatte und aggressive Werbekampagnen.
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FrankfurtIn Neustadt an der Weinstraße glänzen die Zahlen nicht mehr ganz so schön. Nach einem fulminanten Jahresauftakt hat die Baumarkt-Gruppe Hornbach nur noch 3,9 Prozent mehr in der Kasse - in den Monaten Juni bis August 2011 stieg der Umsatz auf 862 Millionen Euro. Im ersten Quartal hatte der Konzern noch ein rekordverdächtiges Wachstum von elf Prozent gemeldet. Auch beim Quartalsgewinn wird gegeizt: Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum meldet der Konzern einen Rückgang um 8,3 Prozent auf 49,5 Millionen Euro. Auch hier dürfte die Rückschau auf das erste Quartal schmerzen: Da hatte sich Hornbach noch über einen Gewinnsprung von 30 Prozent freuen können. Woran liegt's?

Ein Sprecher begründete die Abschwächung im zweiten Quartal mit dem starken Vorjahresquartal. Konzernchef Albrecht Hornbach äußerte sich zufrieden mit der Entwicklung. Hornbach profitiere gerade in Deutschland von einem boomenden Wohnungsbau und Renovierungsmarkt. „Insgesamt sind wir im ersten Halbjahr 2011/2012 sehr zufrieden mit der Performance in Deutschland“, erklärte er.

Im ersten Halbjahr habe Hornbach kräftig in die Expansion investiert und die Ausgaben dafür auf 85,6 Millionen Euro verdoppelt. Mit der Öffnung von zwei neuen Filialen in Tschechien betreibt Hornbach nun 134 Bau- und Gartenmärkte in Europa. Das Auslandsgeschäft trug im ersten Halbjahr 42,6 Prozent zum Konzernumsatz bei.

Die Hornbach-Gruppe, die neben der gleichnamigen Baumarktkette auch einen Baustoffhandel betreibt und im Immobiliengeschäft tätig ist, bekräftigte am Donnerstag ihre Prognose. Demnach erwartet der Konzern für das Gesamtjahr 2011/2012 einen Umsatzanstieg im mittleren einstelligen Prozentbereich und ein höheres Ergebnis vor Zinsen und Steuern als im Vorjahr. Eine Prognoseanhebung, die nach der Vorlage der Erstquartalszahlen noch in Aussicht gestellt worden war, sei nun weniger wahrscheinlich geworden, hieß es im Halbjahresbericht. Der Konzern begründete dies mit den Unsicherheiten aus der europäischen Schuldenkrise und erhöhten Konjunkturrisiken.

Es sieht düster aus

Unsicherheiten, die auch der Konkurrenz zu schaffen machen. Zuletzt musste die Baumarktkette Praktiker einen schmerzhaften Quartalsverlust beichten. Und das, obwohl der deutsche Einzelhandel boomt wie lange nicht: Bereinigt um saisonale Schwankungen hatten die Ladenbetreiber im Juli noch 6,1 Prozent mehr in der Kasse als im Mai - das stärkste Umsatzplus seit 1994.

Was paradox klingt, lässt sich so erklären: Es geraten vor allem die Einzelhändler immer mehr in Schieflage, die alles auf die Preiskarte setzen - das sind neben den Discountern die natürlich auch die Baumarktketten.

Die Heimwerkerparadiese liefern sich in Deutschland einen aggressiven Preiskampf und in keiner anderen Branche ist die Selbstzerfleischung so ausgeprägt. Die Baumarktkette Praktiker schockierte im Juli mit einer Gewinnwarnung – und erfährt gerade leidvoll, dass die Billig-Strategie langfristig in einem Teufelskreis enden kann.

Um kurz vor dem Börsengang den Umsatz in die Höhe zu treiben, hatte der Obi-Verfolger 2005 regelmäßige Rabattwochen erfunden. Sobald die blau-gelben Heimwerkerläden „20 Prozent auf alles – außer Tiernahrung“ versprachen, füllten sich die Märkte. Leer wurde es immer dann, wenn die Aktionen endeten. Nur durch zusätzliche Kicks („25 Prozent auf alles ohne Stecker“) hielt Praktiker die Umsätze künstlich hoch – und vernichtete vollends den Gewinn.

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