Harte Sparmaßnahmen und neue Tarife
Wöhrl macht der ehemaligen Deutsche BA Dampf

Mit harten Sparmaßnahmen und einem einfacheren Preissystem will der Textilunternehmer Hans Rudolf Wöhrl die defizitäre Fluglinie DBA (früher Deutsche BA) vor der Schließung retten.

Reuters MÜNCHEN. Die Münchener Fluglinie habe zum Zeitpunkt seines Einstiegs vor dem Aus gestanden, sagte Wöhrl, der die frühere Tochter von British Airways im Juni für einen Euro übernommen hatte, am Mittwoch in München. Bei der geplanten Neuausrichtung sollten betriebsbedingte Kündigungen möglichst vermieden werden, sagte Wöhrl der Nachrichtenagentur Reuters.

Nach operativen Verlusten von 60 Mill. € im vergangenen Geschäftsjahr 2002/03 (31. März) wolle das Unternehmen im laufenden Jahr den Verlust von ursprünglich erwarteten 60 bis 80 Mill. € auf 35 bis 40 Mill. € drücken. „Das gibt uns genügend Cash, um im nächsten Jahr den Turnaround zu schaffen“, sagte der Aufsichtsratschef der Modehauskette Wöhrl bei seiner ersten Pressekonferenz als DBA-Chef.

British Airways habe nach dem gescheiterten Verkauf ihrer Tochter an Easyjet im Frühsommer eigentlich beschlossen, die Fluglinie zu schließen, sagte Wöhrl. Nun müsse die DBA im Laufe der nächsten Monate eine gewaltige Kraftanstrengung unternehmen, um vom Anhängsel eines Konzerns zu einem selbstständigen leistungsfähigen Unternehmen zu werden. „Entscheidend für den Turnaround ist: Wir brauchen eine höhere Produktivität“, sagte der neue Firmenchef.

Er kündigte an, nun werde Posten für Posten auf Einsparmöglichkeiten geprüft. „Ich gelte ein bißchen als Sparfanatiker“, sagte der 55-jährige Nürnberger. „Die nächsten vier Monate werden die härtesten in der Geschichte des Unternehmens und damit für mich persönlich sein“, kündigte Wöhrl an. Die mit 16 Flugzeugen vergleichsweise kleine Gesellschaft habe derzeit noch die Verwaltungsstruktur eines Konzerns. Im Gespräch mit Reuters sagte Wöhrl, er habe das Unternehmen vor zwei Jahren zusammen mit dem damaligen Management schon einmal übernehmen wollen. Damals habe British Airways aber abgelehnt.

Nach dem Verkauf der DBA an Wöhrl hätten sich fast alle Beschäftigten bereit erklärt, im laufenden Jahr auf 20 % ihres Gehalts zu verzichten. Im Gegenzug soll beim fliegenden Personal auf Stellenkürzungen verzichtet werden, solange alle Flugzeuge betrieben werden könnten.

Beim Bodenpersonal sollten 35 bis 40 Stellen wegfallen. Diesen Mitarbeitern sollen zur Vermeidung betriebsbedingter Kündigungen andere Positionen angeboten werden, sagte Wöhrl. Im Moment hat die DBA rund 800 Mitarbeiter, davon arbeiten 300 in Technik und Verwaltung am Boden.

Die DBA will im Sommerflugplan neben Sparpreisen ab 25 € plus Gebühren und Steuern künftig auch einen auf allen Strecken einheitlichen Geschäftsreisetarif von 175 € anbieten, den man jederzeit kostenlos umbuchen kann. Das gelte auch für die Auslandsstrecken, sagte Wöhrl. Im Moment fliegt die DBA international nur nach Venedig und Nizza. Gegenwärtig bemühe sich die Fluglinie unter anderem um die für Geschäftsreisende wichtige Verbindung nach London. Eine Linienflug-Gesellschaft könne ohne einen ausreichenden Anteil am Geschäftsreisemarkt nicht leben, sagte Wöhrl.

Zu Meldungen, das Unternehmen werde für die nächsten zwei Jahre den „Beamtenshuttle“-Transportauftrag zwischen Bonn und Berlin bekommen, sagte Wöhrl: „Wir sind zuversichtlich, wenigstens einen Teil zu bekommen.“ Der öffentliche Auftrag, der den Unternehmen eine willkommene Grundauslastung bringen würde, werde wohl weiter zwischen zwei Unternehmen aufgeteilt werden. Derzeit befördern DBA und die Tui-Tochter Hapag-Lloyd Express die monatlich etwa 12 000 Regierungsbeamten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%