Harte Übernahmeschlacht
Werbekonzern WPP greift Marktforscher GfK an

In der Übernahmeschlacht um den britischen Marktforscher Taylor Nelson Sofres (TNS) wird mit harten Bandagen gekämpft. Der britische Werbekonzern WPP wirft dem konkurrierenden Marktforscher GfK vor, die Investoren am Kapitalmarkt in die Irre zu führen.

HB PEKING. WPP hat den Nürnberger Marktforscher GfK erneut angegriffen. "Sie sagen, dass sie Zugang zu einer nicht benannten, aber bedeutenden Kapitalquelle haben", sagte WPP-Chef Martin Sorrell in Peking der Nachrichtenagentur Reuters. "Jetzt ist es Zeit, etwas vorzulegen oder den Mund zu halten."

Die GfK hatte mit dem britischen Marktforscher Taylor Nelson Sofres (TNS) eigentlich eine Fusion unter Gleichen angestrebt, also ohne Aufschlag für die Aktionäre auf den Aktienkurs. Dies wurde aber von WPP erfolgreich torpediert. Nun will die GfK TNS selbst übernehmen, hat aber bisher kein Angebot auf den Tisch gelegt. Die Nürnberger, die selbst kaum ausreichend Mittel für die Akquisition haben, wollen sich dabei mit einem finanzstarken Partner zusammentun. Um wen es sich handelt, hat die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) jedoch nicht mitgeteilt.

WPP selbst, der zweitgrößte Werbekonzern der Welt, will TNS für umgerechnet rund 1,5 Mrd. Euro schlucken. Über das feindliche Übernahmeangebot, das aus Aktien und einem Bar-Anteil besteht, sollen die TNS-Aktionäre Ende August abstimmen. Das TNS-Management ist weiter für einen Zusammenschluss mit der GfK zur Nummer zwei der Branche nach dem US-Marktführer AC Nielsen. Sorrell sagte, es gäbe weitere Möglichkeiten, wenn die TNS-Übernahme scheitern sollte, Dazu zähle auch ein Kauf des Marktführers Nielsen. Ob WPP bereits Gespräche führt, wollte er nicht sagen.

GfK-Chef Klaus Wübbenhorst rechnet sich weiter gute Chancen auf den Zuschlag aus. Das Unternehmen sei mit mehreren möglichen Co-Investoren im Gespräch, hatte er zuletzt gesagt. Eine Kombination aus GfK und TNS wäre Wübbenhorst zufolge wesentlich erfolgreicher als ein Bündnis aus WPP und TNS.

Die Franken sind die Nummer fünf der Branche und kamen 2007 auf 1,16 Mrd. Euro Umsatz. TNS ist die Nummer drei mit Erlösen von gut 1,3 Mrd. Euro. WPP will TNS mit der eigenen Marktforschungssparte Kantar kombinieren. Bekannt ist die GfK für die Ermittlung der deutschen Fernseh-Einschaltquoten und den Konsumklima-Index, der monatlich die Stimmung der Verbraucher misst. Lukrativer sind aber Marktforschungsdaten für Unternehmen. TNS liefert Daten an die Politik, Medien, Einzelhändler, IT-Konzerne, Autobauer, Pharmaunternehmen und die Finanzbranche.

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