Hartmut Mehdorn

„Stuttgart 21 ist die beste Lösung“

Ex-Bahnchef Hartmut Mehdorn und sein Finanzvorstand Diethelm Sack hätten sich das Milliardenprojekt selbst bei einem Börsengang ans Bein gebunden. Noch immer halten beide das Projekt für die beste Lösung - und greifen massiv die Grünen an.
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Ex-Bahnchef und sein Finanzvorstand: Hartmut Mehdorn und Diehelm Sack verteidigen Stuttgart 21. Quelle: dpa

Ex-Bahnchef und sein Finanzvorstand: Hartmut Mehdorn und Diehelm Sack verteidigen Stuttgart 21.

(Foto: dpa)

Handelsblatt: Herr Mehdorn, Sie haben das Projekt Stuttgart 21 von ihrem Vor-Vorgänger, dem Schwaben Heinz Dürr, übernommen. Mal ehrlich, stehen Sie als Bahnchef im Ruhestand noch voll hinter dem bombastischen Vorhaben?

Hartmut Mehdorn: Uneingeschränkt ja. Und was heißt bombastisch? Infrastrukturprojekte kosten nun einmal viel Geld. Sie sind für die nächsten hundert Jahre ausgelegt, müssen allen gesetzlichen Anforderungen, Sicherheitsstandards und Zukunftserwartungen entsprechen. Egal ob Autobahnen, Glasfaser- oder Stromversorgungsnetze – das geht immer in die Milliarden.

Aber Stuttgart 21 erscheint besonders teuer.

Mehdorn: Nein. In Berlin beispielsweise haben Bahn und Staat seit der Wiedervereinigung, in die Bahninfrastruktur mit fünf neuen Bahnhöfen, Tunnel und Strecken rund 18 Milliarden Euro investiert. Und keiner hat protestiert. Im Gegenteil die Bahn ist gelobt worden!

In Berlin waren das Projekte der deutschen Einheit.

Mehdorn: Stuttgart 21 hat zwar nichts mit der Einheit zu tun, wohl aber mit dem Zusammenwachsen Europas. Da gibt es klare Verträge für eine Hochgeschwindigkeitsverbindung zwischen Paris, Stuttgart, München, Wien und Bratislava. Der Staatsvertrag von La Rochelle aus dem Jahr 1992 sieht unter anderem eine ICE-Neubaustrecke zwischen Stuttgart und Neu-Ulm vor. Unsere Nachbarn haben ihre Strecken bereits im Betrieb und den Vertrag erfüllt, wir stehen noch im Obligo.

Das Verkehrsaufkommen zwischen Paris und Bratislava wird nicht gerade hoch sein...

Mehdorn: Doch, doch, es wird erheblich Verkehr von der Straße auf die Schiene verlagert. Etwas, was die Politik immer will. Es ist eine Korridor-Planung, die auch von der Nutzung der Teilabschnitte lebt. Zwischen Stuttgart und München werden die ICEs voll sein, wenn sie endlich schnell sind! Zwischen Paris und Stuttgart funktioniert es ja schon. Oder Köln – Frankfurt: Seit die Reisezeit auf etwa eine Stunde gesunken ist, haben sich die Fahrgastzahlen mehr als verdoppelt.

Aber geht es nicht eine Nummer kleiner? Projekte, auch in Frankfurt oder München die Kopfbahnhöfe verschwinden zu lassen, sind längst im Papierkorb.

Mehdorn: In Frankfurt und München ist die verkehrsgeografische sowie die topografische Situation völlig anders als in Stuttgart. Dort, im eng bebauten Talkessel, ist die Aufgabe des Kopfbahnhofs zugunsten des flächenmäßig weitaus kleineren, aber leistungsfähigeren Durchgangsbahnhofs die einzig richtige Lösung. Glauben Sie wirklich, wir hätten uns vor dem damals geplanten Börsengang ein solches Projekt ans Bein gebunden, wenn es unwirtschaftlich wäre, und dass in erheblichem Umfang auch Eigenmittel der Bahn erfordert? Niemals.

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  • ihr lieben S 21 - Schwaben, warum wählt ihr nicht endlich den Cem Özdemir zu MP im Ländle, der wird dann alles richten, vielleicht einiges an die Verhältnisse in der Türkei anpassen, noch mehr Landsleute nach Schwaben holen, einen bahnhof braucht ihr dann nicht mehr, denn auch dort kommt man ohne große bahnverkehrsnetze aus. Dann könnt ihr jammern, aber keiner hört mehr zu.

  • Ne das Rumpfdach kam drauf, damit das Projekt endlich fertig wird und nicht noch teurer wird, alleine aus dem Grund weil sich wieder mal Architekten selbstverwirklichen und ein Denkmal setzen wollten. Geklagt haben sie dann auch noch dagegen.
    Sicherheitstechnisch unbedenklich ist dieser bahnhof gleichfalls nicht aufgrund der Architektur.
    Und in berlin bröckelt der beton und er bröckelt und bröckelt. Damit soll dann auch Stuttgart21 festzementiert werden, dabei sind Eichenpfähle umspült von Grundwasser das beste.
    bin mal gespannt wielange das betonfundament hält auf dem wir dann alle fahren dürfen!

  • Mehdorn: Stuttgart21 ist das beste. Und wie war das mit der Sicherheit in berlin(S-bahn) unter Herrn Mehdorn? Wie sieht der Hauptbahnhof in berlin aus(Rumpfdach auf Anweisung von Hr. Mehdorn)??

  • Das hier "Gebaut" wird ist ja nur die Wirkung, die Ursache ist Geldverdienen. Zwar verdienen nicht alle daran, aber dafür umso mehr die wenigen windigen die sich schon vor jahren den Kucken

  • Endlich meldet sich der bahn-Profi Mehdorn zu Wort.
    Seine Aussagen sind in bezug auf Stuttgart21 die richtigen Zukunftsplanungen zur europäischen bahnanbindung von Stuttgart.
    Seine Einschätzungen müssten viel mehr in den momentanen Konflickt einfliesen und gehört werden. Dieser neue bahnhof hehört genau dort hin wo er gebaut wird, in die Stadt und nicht an die Peripherie.

  • Stuttgart 21 mag sinnvoll sein, allerdings nicht in Stuttgart sondern aussserhalb der Stadt z.b. direkt am Flughafen. Man könnte z.b. die Messe "unterkellern" oder man könnte diesen bahnhof in Nürtingen oder Plochingen bauen.
    Dann müßte man nicht diverse Tunnel in Stuttgart in den berg bauen, es würde die Kosten reduziert und die Gefährdung für das Grundwasser wäre nahezu ausgeschlossen. Die stadt könnte aber auf jeden Fall dass teuer erworbene Gelände sanieren und dann bebauaen.
    Doch dies ist politisch nicht gewollt und damit das Problem. Es geht nicht um Vernunft und eine Abwägung von Argumenten. Es geht darum einen Plan umzusetzen koste es was es wolle.

    Eine Verkürzung der Fahrzeit von Stuttgart nach München ist prima allerdings ist davon der Güterverkehr nicht betroffen denn für diese Züge ist die Neubaustrecke aufgrund der Steigung unbefahrbar.
    Und ein bahnhof mit 6-8 Gleisen wie in Stuttgart geplant entbehrt jeder Vernunft, denn welche Zugfrequenz ist denn dort zu erwarten? Alte Menschen werden jeden Anschlußzug verpassen, da sie nicht in der Lage sind innerhalb kürzester Zeit umzusteigen.

  • http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,725863,00.html

  • Was sollte denn Mehdorn anderes sagen, er muß doch ins gleiche Horn blasen.
    Lassen wir mal den Freitag vorbei gehen, denn morgen müssen bahn und befürworter Farbe bekennen. Das wird lustig und peinlich dazu. Hoffentlich eiern sie nicht wie letzten Freitag.
    Als Kompromiss einen Fernbahnhof nach Cannstadt.

  • Stellt mal eine Statistik der vermeidbaren bahnunfälle und Pannen auf, aufgrund der Tatsache das alleine an Wartung gespart wurde. Warum wird an Wartung noch gespart: Es soll nicht aufgedeckt werden, woher der Fehler wirklich kam. Eine Fehleranalyse der wahren Ursachen ist unerwünscht.

    Wir zerlegen aufgrund mangelhafter Kentnisse insbesondere im informatikbereich und anderer Fächer ganze Kleinstädte durch Zugunfälle.
    Menschen die sofort das Problem erkannt haben, dazu gehört meine Wenigkeit, wurden im Dumpinglohn in Leiharbeit beschäftigt und waren jederzeit durch Mobbingaktionen kündbar. Die Unternehmensabteilung in die ich wechselte wurde zerschlagen. Die eba gutachter waren dabei mit am Werke, weil die Leiharbeitsunternehmen aufgrund von Profitsucht falsch informiert haben. Diese Leiharbeitsunternhemen sitzen immer noch hochbezahlt in der bahnsicherheit. Das ist eines der Kernprobleme. Woher wieß ich das? Das Leiharbeitsunternehmen iCS AG sagte mir selber, ach ja morgen ist ja wieder EbA Sachverständigentagung. Da gehen wir hin. Da werden wir das schon regeln.

  • Die beiden Ex-bahnchef Hartmut Mehdorn und sein Finanzvorstand Diethelm Sack sind die Personalisierte Form der Finazjongleuere die alles mit ihrem Wahn kaputtmachen. Verschuldungsjunkies , das einzige was diese Leute blendet können ist das Geld anderer auszugeben und eine absurde Verschuldung zu generieren. Schulden sind die Steuern von Morgen.

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