Hauptaktionär Marzotto spaltet eigenen Konzern auf
Übernahmegefahr für Hugo Boss wächst

Die Ankündigung des Hugo-Boss-Mehrheitsaktionärs Marzotto, seine Modesparte als eigenständiges börsennotiertes Unternehmen abzuspalten, gibt Übernahmegerüchten neue Nahrung.

cs DÜSSELDORF. „Am Markt wird spekuliert, die Spin-off-Firma könnte nun ihren Anteil an Hugo Boss deutlich erhöhen oder den größten deutschen Modekonzern sogar komplett übernehmen“, berichtet Branchenexperte Matthias Engelmayer von Independent Research. Obwohl Marzotto nach der Bekanntgabe des geplanten Spin-offs betonte, man beabsichtige keine Aufstockung bei Hugo Boss, legte der Aktienkurs des Metzinger Modeschneiders zunächst um über sieben Prozent zu – so viel wie seit zwei Jahren nicht mehr.

Über eine Komplettübernahme des mit Abstand größten Ertragsbringers im norditalienischen Konzern wird seit über einem Jahr spekuliert. Bislang hätte die mehrheitlich in Familienhand befindliche Textilfirma dafür aber Barmittel opfern müssen – ein Aktientausch käme wegen der niedrigen Marktkapitalisierung Marzottos kaum in Frage. Für die frei gehandelten 49,3 Prozent an Hugo Boss müssten die Italiener bereits nach heutigem Kurs fast 0,9 Mrd. Euro zahlen, während ihr eigenes Unternehmen von der Mailänder Börse gerade einmal mit 1,1 Mrd. Euro bewertet wird.

Doch das könnte sich bald ändern. Weil das Spin-off-Unternehmen, das für 83 Prozent des bisherigen Marzotto-Umsatzes steht, von den ertragsschwachen Wollwebereien und Leinenproduktionsstätten getrennt wird, rechnen Analysten schon jetzt mit einer weitaus besseren Kursperformance als bisher. „Die Marktkapitalisierung dürfte damit deutlich steigen“, sagte ein Frankfurter Börsenexperte. Eine Kapitalaufstockung bei Hugo Boss würde dem bislang viertgrößten europäischen Modehersteller damit leichter fallen.

Zunächst müssen die Aktionäre der Abspaltung noch zustimmen. Sie sollen für jede Marzotto-Aktie ein weiteres Wertpapier des neuen Modeunternehmens erhalten, das unter dem Namen Valentino Fashion Group firmieren wird. In ihm sind außer der Beteiligung an Hugo Boss die Konzerntöchter Valentino und Marlboro Classics gebündelt; die Marzotto-Tochter kam 2004 auf einen Umsatz von 1,5 Mrd. Euro und 237 Mill. Euro Betriebsgewinn.

„Die Spaltung würde beiden Unternehmensteilen großartige Wachstumschancen bieten“, wirbt Vorstandschef Antonio Favrin für sein Vorhaben. Über die Konzernumbildung hatte sich die Gründerfamilie zunächst zerstritten. Vor acht Monaten verließ der langjährige Firmenpatriarch Pietro Marzotto das Unternehmen und überließ Favrin die alleinige Führung.

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