Hauptstadt-Flughafen
BER-Eröffnung wackelt nach Imtech-Pleite

Neuer Rückschlag für den BER-Zeitplan: Durch die Insolvenz der Baufirma Imtech Deutschland ist der Eröffnungstermin für den neuen Hauptstadtflughafen gefährdet. BER-Chef Karsten Mühlenfeld setzt eine Task Force ein.
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BerlinNach dem Insolvenzantrag des Gebäudetechnikausrüsters Imtech sollen Baufachleute und Juristen die möglichen Folgen für den neuen Hauptstadtflughafen klären. Flughafenchef Karsten Mühlenfeld hat dafür eine „Task Force“ eingesetzt, wie die Betreibergesellschaft am Freitag mitteilte. „Klar ist aus unserer Sicht, dass die Insolvenz Auswirkungen auf unsere Meilenstein-Planung hat, nach der der Abschluss der baulichen Arbeiten im März 2016 vorgesehen ist.“

Teile der Imtech-Belegschaft seien schon am Freitag nicht mehr auf der Baustelle erschienen, sagte Mühlenfeld. Ob die Insolvenz auch die im zweiten Halbjahr 2017 geplante Flughafen-Eröffnung gefährde, werde die Arbeitsgruppe klären. Imtech ist bei dem mehrfach verzögerten Großprojekt für wichtige Elektro-, Sanitär- und Lüftungsarbeiten zuständig.

„Alle Bauvorhaben der Imtech Deutschland sollen fortgeführt werden“, kündigte Insolvenzverwalter Peter Borchardt am Freitag an. „Ziel ist der langfristige Erhalt des Unternehmens und aller Arbeitsplätze.“ Der Rechtsanwalt will sich über das Wochenende einen ersten Überblick über das Unternehmen und dessen Töchter verschaffen. Die deutsche Tochter des niederländischen Konzerns hatte am Donnerstag den Insolvenzantrag gestellt.

Rainer Bretschneider, der Vize-Aufsichtsratschef der BER-Betreibergesellschaft, sagte, die Entwicklung müsse sehr ernst genommen werden. „Es muss alles getan werden, um terminliche Verzögerungen zu vermeiden, zumindest aber in ihren Auswirkungen so gering wie möglich zu halten.“ Der Projektausschuss des Aufsichtsrats werde in Kürze dazu tagen. Bretschneider rief zu Sachlichkeit in der Debatte auf und warnte vor rhetorischen Schnellschüssen.

Nach der Insolvenz der deutschen Tochter sind die Aktien des niederländischen Gebäudeausrüsters nochmals deutlich eingebrochen. Die Titel rauschten am Freitag in der Spitze um 42,3 Prozent auf ein Rekordtief von 0,69 Euro. Zwischenzeitlich wurden die Titel wegen der großen Kursverluste vom Handel ausgesetzt. Schon nach der Bekanntgabe des Insolvenzantrags am Donnerstagnachmittag hatten die Aktien rund 40 Prozent verloren.

Das Unternehmen hatte in den Tagen zuvor vergeblich versucht, sich mit den Geldgebern auf eine Liquiditätsspritze für die Konzerngruppe und deren Töchter zu einigen. Analysten hatten bereits gewarnt, dass Imtech vermutlich nur die Wahl hat, die deutsche Tochter in die Insolvenz zu schicken oder zu verkaufen.

Imtech hatte vergangene Woche einen Rückgang bei Umsatz und operativem Ergebnis bekanntgegeben. Außerdem warnte der niederländische Konzern, dass die Rückkehr in die Gewinnzone „länger als bislang erwartet“ dauern werde. Die Geschäfte leiden unter anderem unter Kartell-Ermittlungen. In diesem Zusammenhang waren in Februar auch Räumlichkeiten der deutschen Imtech-Tochter durchsucht worden.

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  • Ach...der BER soll auch noch eröffnet werden? Und jetzt soll Imtech daran Schuld sein, dass der BER nicht eröffnen kann....

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