Hauptversammlung
Air London

45 Minuten, 21 Anteilseigner und ein tapferer Aktionärsvertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Die erste Hauptversammlung der im vergangenen August an die Börse gegangenen Fluggesellschaft Air Berlin war kurz und schmerzlos. Kein Wunder: Sie fand weit weg statt und war so ganz anders als gewohnt.

LONDON. Die plüschige Wohnzimmeratmosphäre im Hilton London Stansted Airport Hotel hatte was für sich: Gründer und Vorstandschef Joachim Hunold und Aufsichtsratschef Johannes Zurnieden plauschten im Anschluss bei Kaffee und Kuchen mit den Aktionären: „Falls Sie mal eine Frage haben“, sagte Hunold etwa zu Michael Hablasch, einer 19-jährigen angehenden Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft aus Sachsen, und zog eine Visitenkarte aus der Jackettasche, „dann rufen Sie mich doch einfach an!“

Die nach der Deutschen Lufthansa zweitgrößte Fluggesellschaft Deutschlands ist keine AG, sondern eine in England und Wales gegründete „public limited company“, kurz „plc“. Die eingetragene Hauptniederlassung der Air Berlin ist London, der Sitz der Geschäftsleitung ist Berlin. Die Aktien der Gesellschaft werden in Frankfurt gehandelt. Eine Konstruktion, die Hunold schon lauten Spott und herbe Kritik eingebracht hat. Erst jüngst konnte sich Lufthansa-Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber auf der eigenen Hauptversammlung in Berlin einen Seitenhieb nicht verkneifen. Das Bekenntnis zum Standort Deutschland sei heute keine Selbstverständlichkeit mehr, sagte der gebürtige Österreicher vor einem Auditorium von 2 200 Aktionären. Das zeige gerade ein prominenter Wettbewerber, der zwar den Namen der Hauptstadt im Namen trage, aber zur Hauptversammlung nach London eingeladen habe.

Auch in London-Stansted war die Ortswahl das Thema des Tages: „Ich wäre heute gerne in Berlin“, begann Martin Diesselhorst von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) seinen Redebeitrag, „London ist für uns eine unglückliche Ortswahl. Es entsteht der Eindruck, dass Sie sich der Öffentlichkeit entziehen wollen“. Anders als bei einer Hauptversammlung in Deutschland seien Rede- und Fragerecht eingeschränkt und habe es für die Konzernführung keine Folgen, wenn Fragen nicht beantwortet würden. Anfechtungsklagen seien nicht möglich. „Insgesamt sind wir jedoch“, sagte Diesselhorst, und erntete Applaus, „mit der geschäftlichen Entwicklung des Unternehmens, die sich auch in steigenden Kursen widerspiegelt, sehr zufrieden“.

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