Hauptversammlung
Cewe-Color-Vorstand trumpft auf

Der Machtkampf beim Oldenburger Fotokonzern Cewe Color steht vor einer überraschenden Wendung. Nach Informationen des Handelsblattes verfügen die Unterstützer des Vorstandsvorsitzenden Rolf Hollander auf der Hauptversammlung am Donnerstag über eine knappe Mehrheit. Hollander würde mehr als nur eine Atempause bekommen.

OLDENBURG. Der dänische Fonds Sparinvest wird laut Insidern mit seinen rund 300 000 Aktien für Hollander stimmen. Damit könnte der Vorstandsvorsitzende mehr als nur einen kurzfristigen Sieg gegen feindliche Finanzinvestoren aus den USA davontragen: Er plant eine Satzungsänderung, mit der er sich für fünf Jahre Luft verschaffen kann.

Entscheidend dürfte Punkt Sechs der Tagesordnung werden: Der Vorstand schlägt vor, die Satzung für Beschlüsse der Hauptversammlung zu ändern. Dies betrifft auch die Bestellung und Abberufung von Aufsichtsräten. Bisher sieht die Cewe-Color-Satzung hier eine einfache Mehrheit von 50 Prozent plus einer Stimme vor. Künftig soll die in deutschen Unternehmen übliche Mehrheit von 75 Prozent plus einer Stimme gelten.

Der Vorschlag ist deshalb entscheidend, weil die Stiftung des Unternehmensgründers Heinz Neumüller 27,1 Prozent der Stimmen hält. Ganz gleich, wie viele Aktien andere Investoren also zukaufen – an der Zusammensetzung des Aufsichtsrates können sie dann fünf Jahre lang nicht rütteln.

Für die Finanzvestoren Marcap, K Capital, Guy Wyser-Pratte und andere wäre eine knappe Niederlage auf der Hauptversammlung verheerend. Am Donnerstag stehen vier der sechs Aufsichtsräte zur Wahl. Sollte sich die Stiftung mit ihren Verbündeten mit ihrer einfachen Mehrheit durchsetzen und anschließend auch die Satzung von Cewe Color ändern, wäre der Aufsichtsrat bis zum Jahr 2012 für die Finanzinvestoren eine uneinnehmbare Festung. Insider gehen davon aus, dass sich die US-Fonds dann zurückziehen.

Während Hollander vor dem Sieg steht, wird er von unabhängigen Experten stark kritisiert. Das international renommierte Beratungsinstitut ISS (Institutional Shareholder Services) hat sich gegen die Entlastung des Vorstandes ausgesprochen. In einer 21-seitigen Analyse, die dem Handelsblatt vorliegt, schreiben die ISS-Experten: „Wir sind besorgt, dass das Management von Cewe-Color leichtfertig die Vorschläge eines seiner größten Aktionäre verworfen hat.“ Cewe habe sich geweigert, vier Personalvorschläge des Finanzinvestors Marcap für die Aufsichtsratswahl auf die Tagesordnung zu setzen und dies mit Formfehlern begründet. Ein solches Verhalten zeige die Abneigung des Managements gegen freie Wahlen zum Aufsichtsrat.

Zudem kritisiert der ISS den Verkauf von 112 752 unternehmenseigenen Aktien an die Pensionskasse von Cewe Color als „unverantwortliche Verteidigungsstrategie“: Am 23. März hat Cewe Color Aktien für 4,9 Mill. Euro an die Pensionskasse von Cewe Color verkauft. Hintergrund war offenbar, dass eigene Aktien in der Hand des Unternehmens nicht stimmberechtigt sind, die der Pensionskasse aber schon. Seit dem 23. März ist der Wert der verkauften Aktien um mehr als sieben Prozent (350 000 Euro) gesunken.

In seiner aktuellen Analyse wendet sich der ISS auch gegen die Unternehmensstruktur von Cewe Color: Der Vorstand werde hier nicht vom Aufsichtsrat, sondern von der Stiftung des Firmengründers eingesetzt, obwohl diese nur 27,1 Prozent der Aktien hält. „Diese Regelung macht den Vorstand praktisch immun gegen eine Verantwortlichkeit gegenüber dem Aufsichtsrat, und damit indirekt auch gegenüber den Aktionären“, schreibt der ISS. „Wir empfehlen daher den Aktionären, gegen die Entlastung des Vorstandes zu stimmen.“

Der ISS ist ein Dienstleister für institutionelle Anleger und berät Aktionäre auf der ganzen Welt. Seine Empfehlungen gelten für viele große Anleger richtungsweisend. 2006 vertrat der ISS auf Hauptversammlungen 846 Milliarden Aktien. Seine 1 713 Kunden haben laut Unternehmensangaben ein Anlagevermögen von 25,5 Billionen Dollar.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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