Hauptversammlung: Deutsche Börse sucht Heil in Asien

Hauptversammlung
Deutsche Börse sucht Heil in Asien

Die Führung der Deutschen Börse muss den Aktionären auf der heutigen Hauptversammlung erklären, wie es weiter gehen soll. Nachdem die Liaison mit der Nyse Euronext scheiterte, sucht der Dax-Konzern sein Heil in Fernost.
  • 2

FrankfurtDen 1. Februar dieses Jahres wird Reto Francioni so schnell nicht vergessen. Jenen Tag, an dem sein Traum platzte. Der Chef der Deutschen Börse wollte sein Unternehmen mit der New Yorker Wall Street (Nyse Euronext) zum größten Handelsbetreiber der Welt fusionieren. Alles schien geklärt; die Aufsichtsräte beider Konzerne hatten zugestimmt, auch die Aktionäre, die Eigentümer, waren für das Bündnis mit den Amerikanern. Die Logik hinter diesem Zusammenschluss sei eindeutig, hatte Francioni stets betont; gemeinsam könne man dem wachsenden Druck durch neue Konkurrenten besser standhalten. Und: Das deutsch-amerikanische Duo hätte der Konkurrenz ordentlich Druck machen können. Viele Analysten und Börsenmanager sahen das genauso wie der Schweizer an der Spitze des deutschen Konzerns.

Allein die Wettbewerbsaufseher der Europäischen Union wollten dieser Logik nicht folgen. Sie stoppten das Fusionsprojekt. Joaquín Almunia, der Wettbewerbskommissar in Brüssel, fürchtete, Deutsche Börse und Nyse Euronext würden im Falle eines Zusammenschlusses ein Monopol im europäischen Handel mit Derivaten aufbauen.

Was Börsenchef Francioni bleibt, ist der Zorn auf die Kontrolleure - und da sind die 100 Millionen Euro, die der geplatzte Zusammenschluss mit der Wall Street kostete. Dazu kommt die Erkenntnis, dass einem Chef der Deutschen Börse offenbar kein Glück vergönnt ist, wenn es um das Thema Fusionen geht. Francioni war bereits 2006 mit dem Versuch gescheitert, die Mehrländerbörse Euronext zu kaufen. Die Konkurrentin schloss sich damals lieber der Nyse an, dem späteren Traumpartner der Deutschen Börse.

Werner Seifert, Francionis Vorgänger, musste 2005 sogar seinen Vorstandssessel räumen, nachdem er vergeblich versucht hatte, die London Stock Exchange (LSE) zu übernehmen. Seifert wurde von seinen eigenen Aktionären ausgebremst.

Interaktive Infografik

Deutsche Börse: Nettoergebnis und Ausschüttung

in Mio. Euro


(mit der Maus über die Grafik fahren)

Auch Francioni muss sich Kritik anhören. Er habe den Widerstand in Brüssel unterschätzt. Doch die Proteste halten sich in Grenzen; der Aufsichtsrat unter Führung des Vorsitzenden Manfred Gentz stellt sich demonstrativ hinter den Schweizer. Gentz verweigert jegliche Personaldebatte mit dem Hinweis, die "falsche Entscheidung" der EU-Kommission sei so nicht vorhersehbar gewesen. Allerdings: Gentz räumt seinen Posten nach der Hauptversammlung am Mittwoch aus Altersgründen. Ihm nachfolgen soll der ehemalige Allianz-Manager Joachim Faber.

Kommentare zu " Hauptversammlung: Deutsche Börse sucht Heil in Asien"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • was die Fusionitis? Synergieeffekte? Es schaut doch eher so aus, daß die Amerikaner ein Monopol anstreben, mit Arbeitskräfteverlagerung Richtung USA. Klares Nein. Jedes größere Industrieland hat ein Recht auf die eigenen Börse. Seltsam, daß die Japaner diesen Quatsch nie mitgemacht haben.

  • Die Börse ist nix anderes als das Amazon für Finanzprodukte. Was spricht gegen alle Finanzprodukte auf einer Serverplattform? - und das jeweils von mehreren Anbietern. Die Wettbewerbshüter haben den Markt komplett falsch verstanden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%