Hauptversammlung
Erfolg der Post lässt Börse kalt

Der Betriebsgewinn ist um ein Drittel gestiegen, längst ist der ehemalige Staatskonzern ein weltweit erfolgreicher Logistiker. Trotzdem: Am Tag der Hauptversammlung ist der Börsenwert noch immer miserabel.
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DüsseldorfGerade einmal ein Jahr ist es her, da forderten Post-Aktionäre wie Union-Investment-Fondsverwalter Ingo Speich nichts Geringeres als die Aufspaltung des Bonner Dax-Konzerns. Die Holdingstruktur bringe wenig, kritisierten sie auf der Hauptversammlung in Frankfurts Jahrhunderthalle. Mit fast 400 Millionen Euro Konzernkosten sei sie außerdem schlicht zu teuer. Das große Vorbild hieß TNT. Die frühere niederländische Post war soeben dabei, sich in ein Brief- und in ein Expressunternehmen aufzuteilen. Einen Tag nach der Hauptversammlung startete der Ableger TNT Express an der Amsterdamer Börse.

Das erste Jahr an der Börse ist noch nicht vorbei, da zeichnet sich schon ab, dass der Expresskonzern vom amerikanischen Konkurrenten UPS geschluckt wird. UPS hat 5,2 Milliarden Euro für den Amsterdamer Rivalen geboten und wartet nur noch auf die Erlaubnis der Kartellbehörden. Post-Chef Frank Appel dürfte es auf der heutigen Hauptversammlung in Frankfurt leichtfallen, den Zerschlagungsbefürwortern Paroli zu bieten. Weil die Niederländer alle Kraft in die Umorganisation steckten, verloren sie offenbar das eigentliche Geschäft aus den Augen.

Mit fatalen Folgen: Mitten im weltweiten Wirtschaftsboom, der den Logistikkonzernen derzeit einen kräftigen Auftrieb verleiht, rutscht TNT Express in die roten Zahlen. Und auch der Stammkonzern PostNL verlor seit der Aufspaltung vor einem Jahr an Geschäft und Börsenwert. Der einst gefeierte Konzernumbau forderte sogar personelle Konsequenzen. Konzernchef Harry Koorstra erklärte vor wenigen Tagen seinen Rücktritt.

Querelen wie diese sind der Deutschen Post derzeit fremd. Der gelbe Riese, der noch 2008 einen Nettoverlust von zwei Milliarden Euro verbucht hatte, meldete 2011 glänzende Ergebnisse. Die Umsätze kletterten auf 52,8 Milliarden Euro, obwohl wegen der Digitalisierung der Kommunikation immer weniger Briefe verschickt werden. Gleichzeitig verbesserte sich das Betriebsergebnis (Ebit) um 32,8 Prozent auf 2,44 Milliarden Euro - und übertraf damit die Erwartungen der Analysten.

Auch die Aktionäre dürfen sich freuen. Mit 70 Cent pro Aktie soll die Dividende fünf Cent höher ausfallen als im Vorjahr. Dennoch werden die Aktionäre am Mittwoch erneut darüber streiten, wie dem bescheidenen Aktienkurs der Post auf die Sprünge geholfen werden kann. Denn der angekündigte Milliarden-Verkauf von TNT Express lenkt den Fokus auf die eigentliche Misere von Post-Chef Appel: den miserablen Börsenwert.

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  • Ist wohl ein Einzelschicksal....

    Inzwischen wurden schon wieder Briefkästen, die vor ein paar Jahren abgeschraubt wurden, erneut plaziert (jedenfalls in meinem Ort) und selbst DHL-Pakete brauchen meistens nur noch einen Tag, so schnell, wie die meisten Briefe.

    Mal von den anhaltend vielen von der Post intern völlig ignorierten Sendungsdiebstählen (dank schwachem GBS/Finanz-Vorstand L.Rosen) abgesehen....
    ... man kann sich über viele DAX-Konzerne und ihre Perfomance beschweren, aber bei der Dt.Post AG läuft es z.Zt. rund !

  • Seit Jahren steigert die Deutsche Post ihre eErträge auf Kosten der Mitarbeiter, vor allem aber auf Kosten ihrer Kunden. So bleibt häufig samstags der Briefkasten leer und am sog. Brückentag, dem 30.4. erschien auch kein Postbote. Das fiel insofern auf, da der abonnierte SPIEGEL nicht im Briefkasten lag dann am Kiosk gekauft werden musste. Tage später erklärte der Briefträger, er hätte Urlaub gehabt. Er wüsste nicht, wer Post ausgetragen hat. Ich weiß es: der Herr Niemand. Das Postmonopol gehört abgeschafft!

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