Havarie im Rhein: Die Gefahr ist nicht vorbei

Havarie im Rhein
Die Gefahr ist nicht vorbei

Seit dem 13. Januar liegt die "Waldhof" an der Loreley auf der Seite und blockiert andere Schiffe. Noch mehr Probleme bereitet die Ladung des Tankers. Denn anders als angenommen ist die Gefahr längst nicht gebannt.

St. GoarshausenWie ein Spielzeugschiff liegt der Tanker im Wasser. Ein Schiff aus grünem und schwarzem Plastik, gegen das jemand mit dem Finger geschnippt hat, bis es zur Seite gekippt ist. Vom Bug ist nur noch der weiße Schriftzug mit dem Namen des Tankers zu sehen: „Waldhof“.

Auf einem Felsen sitzend schaut die Statue der „Loreley“ auf das Wrack herab. Es bewegt sich nicht. Dabei zieht und zerrt an ihm die starke Strömung des Rheins, seit es vor 14 Tagen bei St. Goarshausen gekentert ist. An einem roten Kran hängen seit Montag fünf Zentimeter dicke Stahlseile, die um den Bauch des Schiffes gelegt sind.

„Mammoet“ steht in weißen Buchstaben auf dem Kran. Mammoet ist der Name des niederländischen Unternehmens, das den gekenterten Kahn aus dem Wasser ziehen soll. Der Transport- und Bergungsspezialist hat vor zehn Jahren das russische Atom-U-Boot „Kursk“ geborgen. Wenn alles gut läuft, könnte die „Waldhof“ nächste Woche abtransportiert werden.

Fünf Männer in roten und orangefarbenen Hosen laufen auf der aus dem eiskalten Wasser herausragenden Seite des Schiffs herum, sehen sich immer wieder die Stahlseile an, die es in Position halten. Bloß nicht bewegen darf es sich, denn es hat eine gefährliche Ladung: Schwefelsäure. Die Flüssigkeit ist sehr aggressiv und ätzend. Gefährlich ist vor allem die Nähe zum Wasser, denn wenn die Säure in Verbindung damit kommt, kommt es zu einer Art Explosion, bei der die Säure in die Luft geschossen wird.

Wegen dieser Gefahr versucht die Polizei, alles so gut wie möglich abzuriegeln. Gestern sperrte sie die Straße, die an der Unglücksstelle vorbeiführt, über Stunden sogar ganz – zu gefährlich ist das, was sie vorhaben, für die Schaulustigen. Im Zehn-Minuten-Takt halten die mit dem Auto an, um mit ihren Kompaktkameras am ausgestreckten Arm ein Foto zu machen.

Doch nicht nur unbeteiligte Passanten sind beeindruckt. „So etwas habe ich noch nie gesehen“, sagt ein Feuerwehrmann und blickt auf die Unglücksstelle, die er und seine Kollegen überwachen. Dabei wohne und arbeite er schon lange am Rhein. Klar, auf Grund gelaufene Schiffe gebe es auf dem Fluss schon öfters, sagt der Feuerwehrmann. Aber ein Schiff, das sich nach dem Auflaufen noch mal dreht – das habe er noch nie gesehen.

Warum der Unfall passiert ist, ist nicht bekannt. Man müsse abwarten, was die Zeugen sagen, die zwei überlebenden Besatzungsmitglieder, sagt Andreas Bode, Sprecher der Polizei Montabaur. Aber die seien momentan noch nicht in der Verfassung, um befragt zu werden.

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