Hedge-Fonds drängen auf eine Fusion mit der Vierländerbörse Euronext
Francioni muss es richten

Monate nach dem Streit mit aufmüpfigen Großaktionären hat die Deutsche Börse einen neuen Chef bekommen. Vor dem liegen gewaltige Aufgaben.

HB FRANKFURT. Der bisherige Chef der Schweizer Börse, Reto Francioni, soll „baldmöglichst“ das Amt des Vorstandsvorsitzenden übernehmen. Das beschloss der Aufsichtsrat der Deutschen Börse AG am Montag in Frankfurt. Ein genaues Datum nannte er nicht. In Finanzkreisen ist von 1. November die Rede. Francioni war Wunschkandidat für die Nachfolge des abgetretenen Werner Seifert. Neuer Chef des Kontrollgremiums ist der frühere Investmentbanker Kurt Viermetz. Er löst Rolf Breuer ab.

Ein Aufstand der eigenen Aktionäre um den Hedge-Fonds TCI hatte die geplante Übernahme der Londoner Börse (LSE) im Frühjahr vereitelt und Vorstandschef Werner Seifert sowie den Aufsichtsratsvorsitzenden Rolf Breuer das Amt gekostet. Außerdem erzwangen sie die Ausschüttung der milliardenschweren Kriegskasse.

Die neuen Köpfe sollen bei der Deutschen Börse nun die alten Fragen beantworten. Mit wem kooperiert oder fusioniert der deutsche Marktführer, um bei der anstehenden Konsolidierung der Branche in Europa nicht an den Rand gedrängt zu werden? Und was geschieht mit der US-Derivatebörse Eurex US?

Die Investoren um TCI erwarten offenbar viel von dem neuen Duo an der Spitze des Konzerns. Als „phantastisch“ hatte TCI-Vertreter Patrick Degorce schon kurz nach der Entlassung Seiferts eine Kombination der Vierländerbörse Euronext mit der Deutschen Börse bezeichnet. Andere Hedge-Fonds bewerteten dies ähnlich. Am Kapitalmarkt hatte diese Aussicht den Aktienkurs der Deutschen Börse im Hinbllick auf mögliche Synergieeffekte auf einen Rekordstand von 81,25 Euro getrieben.

Das könnte den Hedge-Fonds in die Hände spielen, die ihre zwischenzeitlich mehr als 35 Prozent an dem Konzern zu Jahresbeginn zu Kursen zwischen 45 und 50 Euro erwarben. „Ein solche Fusion bei steigender Aktie wäre für die Hedge-Fonds der beste Weg, sich aus dem Unternehmen zurückzuziehen, ohne den Kurs zu belasten“, schätzt Martin Praum, Analyst beim Bankhaus Sal. Oppenheim. Ihre Beteiligung an der Euronext könnten die Fonds dann ebenfalls gewinnbringend veräußern.

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