Hedge-Fonds will sich nicht rausdrängen lassen
Personalfirma Dis startet neuen Fluchtversuch von der Börse

Der Personaldienstleiter Dis startet einen neuen Anlauf, seine Aktien von der Börse zu nehmen. Schon 2006 hatte Großaktionär Adecco versucht, die Düsseldorfer Zeitarbeitsfirma aus dem Handel zu nehmen. Doch damals wie heute ist der Widerstand des Hedge-Fonds Elliott groß.

DÜSSELDORF. „Am 5. Juni werden wir auf unserer Hauptversammlung versuchen, ein Delisting zu beschließen“, sagte Dis-Vorstandschef Andreas Dinges dem Handelsblatt. Aus den Schwächen und Fehlern der letzten Hauptversammlung habe man gelernt, deutete Dinges die neue Marschrichtung an. Schon auf dem Aktionärstreffen im Juni 2006 hatte der vom ehemaligen Kaffee- und Schokoladenmagnaten Klaus Jacobs geführte Großaktionär Adecco den Versuch gestartet, die Düsseldorfer Zeitarbeitsfirma aus dem Handel zu nehmen – und war am Widerstand des Hedge-Fonds Elliott gescheitert.

Der hatte sich wenige Monate zuvor zehn Prozent der Dis-Papiere gesichert, um die von Jacobs geplante Zwangsabfindung zu torpedieren. Der damalige Adecco-Chef hätte dazu schließlich mindestens 95 Prozent der Dis-Aktien vorweisen müssen.

Jacobs revanchierte sich, indem er auf der Dis-Hauptversammlung mit seinem 83-Prozent-Anteil kurzerhand ein Delisting beschloss und den außenstehenden Anteilseignern ein Übernahmeangebot von knapp unter 56 Euro pro Aktie unterbreitete – bei einem aktuellen Tageskurs von 75 Euro. Die erpressten Aktionäre, denen beim Delisting ein massiver Wertverlust ihrer Aktien gedroht hätte, setzten sich zur Wehr und verzögerten die Abstimmung bis nach Mitternacht. Der Plan ging auf. Wegen dieses Formfehlers stoppte das Landgericht Düsseldorf wenige Tage später den geplanten Börsenrückzug per einstweiliger Verfügung.

Das beharrliche Festhalten an der Dis-Beteiligung hat sich für Elliott bislang gelohnt. Nicht nur der Aktienkurs liegt inzwischen bei 100 Euro, auch das Geschäft des fünftgrößten deutschen Personaldienstleisters entwickelt sich blendend. Wie der seit Juni 2006 amtierende Vorstandschef Dinges am gestrigen Dienstag berichtete, wuchs der Umsatz um 27 Prozent auf 400 Mill. Euro, das Vorsteuerergebnis legte um 28 Prozent auf 51 Mill. Euro zu.

Und auch für das laufende Jahr erwartet der Personaldienstleister, der sich insbesondere auf den lukrativen Führungskräftemarkt spezialisiert hat, ein kaum gemindertes Wachstum. Knapp 20 Prozent soll es 2007 beim Vorsteuergewinn nach oben gehen, mehr als 17 Prozent beim Umsatz. „Das Jahr hat gut angefangen“, sagt Dinges, zudem seien Akquisitionen mit einem Volumen von möglicherweise 50 Mill. Euro geplant.

Dass Dis seine Aktionäre dennoch – wie im Vorjahr – mit fünf Cent Dividende abspeisen will, schreckt Großaktionär Elliott nicht. Man sei mit dem Erfolg des Unternehmens sehr zufrieden, hieß es am Dienstag im Umfeld der Amerikaner, die sich offiziell nicht äußern wollten. Elliott sehe bei Dis weiterhin ein großes Wachstumspotenzial und wolle die Papiere deshalb behalten.

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