Hedgefonds lassen Übernahme platzen: Techem-Fehlschlag besorgt Banker

Hedgefonds lassen Übernahme platzen
Techem-Fehlschlag besorgt Banker

Die gescheiterte Übernahme des Energiedienstleisters Techem könnte weitreichende Folgen haben. Erstmals in Deutschland vereitelten Hedgefonds ein so genanntes Going Private, bei dem Finanzinvestoren eine börsennotierte Gesellschaft kaufen und von der Börse nehmen.

FRANKFURT. Am Freitag räumte der australische Finanzinvestor Macquarie ein, dass er die angepeilte Annahmequote von 70,5 Prozent verfehlt hat. Macquarie, die sich mit dem Private-Equity-Haus BC Partners zusammengetan hatten, wurden lediglich 16 Prozent der Techem-Anteile angedient. Zusammen mit bereits erworbenen Papieren wären die Australier auf 43 Prozent gekommen.

Verantwortlich für das Scheitern der Übernahme sollen Hedgefonds sein, die auf ein höheres Angebot spekulierten. Angeblich sammelten sie etwa 40 Prozent der Techem-Aktien ein. In der Hoffnung, dass das Angebot von 55 Euro pro Aktie noch nachgebessert werde, dienten sie ihre Anteile nicht an.

„Der Fall zeigt, dass Mindestannahmeschwellen stets zum Scheitern der Transaktion führen können“, sagte Christoph von Bülow, Partner der Sozietät Freshfields Bruckhaus Deringer. Er bringt deshalb einen anderen Weg ins Spiel: „De facto kann auch mit Beteiligungen weit unter 75 Prozent maßgeblich Einfluss genommen werden.“ Damit könnten sich Arbitragegeschäfte für Hedgefonds als Bumerang erweisen.

Was die Fonds nun mit ihren Anteilen machen, ist offen. Die Tatsache, dass der Techem-Kurs am Freitag nur ein Prozent nachgab, deutet darauf hin, dass sie weiterhin auf ein besseres Ausstiegsszenario setzen. In Finanzkreisen heißt es, die Fonds-Manager sähen in Techem höheres Potenzial. Deshalb schließt man nicht aus, dass die Fonds Einfluss auf das Management Techem nehmen werden. Zwar kündigte Macquarie an, alle Optionen zu prüfen, doch ein erneutes und nachgebessertes Angebot von Macquarie und BC Partners wird in Finanzkreisen nicht erwartet. Wahrscheinlicher sei eine Offerte der beiden für den Techem-Rivalen Ista. Er gehört dem Finanzinvestor CVC, der sich aber von der Beteiligung trennen will.

In Unternehmenskreisen werden nicht nur die Hedgefonds für den Fehlschlag verantwortlich gemacht. Macquarie habe handwerkliche Fehler gemacht. So hätten sich die Australier erpressbar gemacht, indem sie keine Optionen auf die Aktien, sondern die Aktien gekauft hätten. Bei Optionen wäre die Unsicherheit für Spekulanten viel größer gewesen.

„Ich sehe deshalb keine negativen Folgen für Private-Equity- und Going-Private-Transaktionen“, sagt Joachim W. Habetha, Partner der Anwaltssozietät Lovells. Die Übernahme sei nicht alleine an den Hedgefonds gescheitert. Bei Gesellschaften, die sich wie Techem zu 100 Prozent in Streubesitz befänden, sei man besonders von der Zustimmung des Managements abhängig. „Es gibt ja keinen Großaktionär, mit dem man sich einigen kann“, unterstrich Habetha.

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