Heiligendamm insolvent
„Anleger hatten von Anfang an keine Chance“

Es sind schwarze Stunden für die Weiße Stadt am Meer. Der Fundus-Fonds 34 Grand Hotel Heiligendamm ist insolvent. Die Luxusherberge war unter anderem Treffpunkt für ein Gipfeltreffen der mächtigsten Regierungschefs.
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DüsseldorfDer Fundus-Fonds 34 Grand Hotel Heiligendamm ist insolvent. Der Fonds konnte nach Angaben des Fondsinitiators Fundus die Zinsen für die in Anspruch genommenen Bankkredite nicht mehr bezahlen. Wer Stefan Loipfinger, einen langjährigen Fondsanalysten und Kritiker von Fundus-Chef Anno August Jagdfeld dazu fragt, der hört, dass es gekommen ist, wie es kommen musste: „In Heiligendamm hatten die Anleger von Anfang an keine Chance, Geld zu verdienen. Dort hat nur einer verdient: Anno August Jagdfeld.“

1996 hatte Fundus einen geschlossenen Immobilienfonds aufgelegt, der das baufällige Häuserensemble des 1793 gegründeten mondänen Seebads Heiligendamm erwarb. Jagdfeld sprach von der „Auferstehung der Weißen Stadt am Meer“. Mit zusammengenommen etwa 130 Millionen Euro beteiligten sich 1900 Anleger an dem geschlossenen Immobilienfonds. Weitere 50 Millionen Euro soll die öffentliche Hand beigesteuert haben. Fundus beziffert die Investitionen auf „mehr als 220 Millionen Euro“ – pikanterweise ausgerechnet in der aktuellen Februar/März-Ausgabe des eigenen PR-Blättchens „Zukunft Heiligendamm – Zeitung für Deutschlands ältestes Seebad.“ Die Differenz von 50 Millionen müsste von Banken gekommen sein.

Folgt man Fundus, dann haben wenigstens die Banken eine Zukunft bei diesem Projekt. Sie sollen ihr Geld zurückbekommen: „Das Unternehmen ist nicht überschuldet. Es kann von einer vollständigen Befriedigung aller Gläubiger – Banken wie Lieferanten – ausgegangen werden“, teilte Fundus mit. Die Gehälter der 300 Mitarbeiter sind über das Insolvenzgeld gesichert. Welche Zukunft die Anleger haben, ist allerdings offen. Der Fonds ist eine Kommanditgesellschaft. Die Anleger sind Kommanditisten, haften also nur in Höhe ihrer Einlage für die Schulden. Wenn Insolvenzverwalter Jörg Zumbaum und Jagdfeld einen Investor gefunden haben, werden aus dem Verkaufserlös erst einmal die Schulden getilgt. Nur was übrig bleibt, wird den Anlegern gehören.

Dass Jagdfeld vor drei Jahren das Hotelmanagement selbst übernahm, nachdem der alte Betreiber Kempinski wegen „ständigen Einmischung des Besitzers in den täglichen Hotelbetrieb“ ausstieg, half nicht. Er hat das Fünf-Sterne-Haus nicht profitabel genug gemacht, um die Zinsen zu zahlen. Operativ habe der Hotelbetrieb in den vergangenen beiden Jahren jeweils 800 000 Euro abgeworfen.

Obwohl seine Fondsfirma seit Jahren keine Anteile mehr unter die Leute bringt, lobt Jagdfeld sich als erfolgreichen Fondsinitiator mit großer Hotelkompetenz. Von Selbstzweifeln keine Spur: Schuld am Scheitern des „einzigartigen Gesamtkunstwerks aus Meer, Wald und Licht, aus klassizistischer Baukunst und herrschaftlich gestalteter Kulturlandschaft“, wie Jagdfeld für Heiligendamm  warb, seien andere: „Eine kleine Truppe von Stadtvertretern, die dem Hotel immer wieder Steine in den Weg legt“, klagt er.

Doch es ist sein Konzept gewesen, dass dazu geführt hat, „dass Ausflugstouristen den Gästen beim Essen auf die Teller gucken“, wie Kerstin Kondert, Expertin für Fondssanierungen beim Aktionsbund Aktiver Anlegerschutz, selbst vor Ort feststellte. Das mögen Gäste von Fünf-Sterne-Häusern nicht. Der Zuspruch war geringer als erwartet. Zu Prominenz kam das Projekt aber, als es 2007 die Polizei kilometerweit abriegelte - für die Gäste des G8-Wirtschaftsgipfels. Doch auch diese kostenlose Werbung rettete den Fonds nicht.

Auch wenn Jagdfeld jetzt mit seiner Sieben-Prozent-Beteiligung an Heiligendamm selbst Geld verlieren sollte - vorher haben er und seine Familie an ihren Hotel-Projekten gut verdient. Etwa als Jagdfeld bei den Anlegern Geld für die Erweiterung des Adlon-Hotels einsammelte. Der Ausbau durch die Jagdfeld-Firma Bredero wurde so teuer, dass Fondsexperte Loipfinger schimpfte: „Bei diesem Preis müssen in jedem Badezimmer goldene Wasserhähne hängen.“ Jagdfeld verzichtete beim Ausbau auf das Edelmetall. Doch nicht nur er verdiente über die Gebühren für die Fondsemission hinaus an den Beteiligungsgesellschaften – auch Gattin Anne Maria.  Sie richtete als Innenarchitektin Adlon, Heiligendamm und weiteren Fundus-Hotelfonds ein.

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  • Ist doch nur die Fortsetzung von weiteren Totalcrashs wie FF 27 "Pyramide", FF 29 "Gutenberggalerie, wirtschaftlichen Misserfolgen von zahlreichen Fundus-Fonds wie FF 26 "Spreebogen", FF 28 "Frankfurter Allee" usw. usw.!

  • Ich glaube nicht das Jagdfeld freiwillig die Zügel aus der Hand gibt. Dank der Landes- und Kommunalpolitker sitzt er in Heiligendamm so fest wie Hundsch... in der Profilsohle.

  • Gäste ausbleiben. Wenn ich mit 12% Auslastung im Winter die Meinung vertrete, dass ein gewisses Klientele dem Haus nicht gut tun würde so ist dies einer der Gründe warum Herr Jagdfeld mit Heiligendamm scheitern musste. Sicher wird Herr Jagdfeld beim Lesen all dieser Kommentare nur lächeln, da er sicher selbst mit dieser Insolvenz Kasse macht. Nun liegt die Hoffnung bei dem Insolvenzverwalter, und wenn er es schafft Herrn Jagdfeld zu vertreiben hat das Hotel mit einem Top GM eine sicher tolle Zukunft.

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