Heineken, AB Inbev und die Craft-Szene
„Die wahre Renaissance des Bieres und des Brauens“

Weltweit wird weniger Bier gebraut. Und doch ist das Getränk derart beliebt, dass Hopfenbauer regelmäßig neue Sorten züchten. Die Bier-Szene wird individueller – und das wirkt sich vor allem auf den Geschmack aus.

WolznachWeltweit lässt der Bierdurst nach. 2014 und 2015 sank die gebraute Biermenge erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg in zwei aufeinanderfolgenden Jahren. 2016 dürfte das dritte Jahr werden, erwarten die Fachleute des weltgrößten Hopfenhändlers Barth. In Deutschland schafften die Brauer 2015 immerhin ein stabiles Jahr, doch seit Jahren weist der Trend im Bierland Deutschland nach unten. Von einer Bierkrise wollen die Brauer dennoch nicht sprechen. Im Gegenteil: „Wir erleben in Deutschland eine wahre Renaissance des Bieres und des Brauens – auch dank neuer Hopfensorten und alter Rezepturen“, sagt Brauerbund-Hauptgeschäftsführer Holger Eichele.

Der viel beschworene Begriff Brauereisterben sei inzwischen selbst ausgestorben. Die Zahl der Braustätten in Deutschland wachse seit 2003 kontinuierlich. „Die Bundesländer mit der stärksten Zunahme der Brauereien im Jahr 2015 waren Berlin und Brandenburg, wo acht neue Brauereien hinzugekommen sind“, sagt Eichele. „Einer der Hauptgründe hierfür ist die wachsende Craft-Beer-Szene in der Hauptstadtregion.“ Genau diese Mini-Brauereien beleben die Szene, auch wenn sich die erzeugten Mengen in engen Grenzen halten. Der Marktanteil der Craft-Beer-Szene liegt in Deutschland bei gerade einmal einem Prozent.

Aber die vielen Spezialitäten verändern die Nachfrage. Zunächst auf kleinem Niveau. Doch der Blick in die USA zeigt, dass die Craft-Beer-Szene einen ganzen Markt aufmischen kann. Dort sind die kleinen Brauereien inzwischen beliebte Übernahmeziele für die großen der Branche wie Heineken oder AB Inbev, die quer durch die USA Craft-Brauer kaufen. Doch die Veränderungen reichen weiter und betreffen nicht nur das Bier, sondern auch Zutaten wie den Hopfen.

„Zählten wir im Jahr 2012 noch 180 verschiedene Sorten, so sind es mittlerweile bereits 250 – und diese Zahl wird weiter wachsen“, heißt es im Vorwort des aktuellen Barth-Berichts zur Lage der Hopfenwirtschaft. „Erst hat der Hopfen die Bierwelt verändert, dann das Bier die Hopfenwelt.“ Das stellt die Hopfenbauern vor große Aufgaben – und das in schwierigen Zeiten. „Früher war die zentrale Aufgabe der Hopfenforschung ganz einfach: Bei der Züchtung neuer Hopfensorten lag der Schwerpunkt auf dem Ertrag“, heißt es bei Barth.

Lange Jahre sei das so gegangen, dann kam die Craft-Beer-Bewegung in den USA und schwappte von dort aus auch in andere Länder. „Auf einmal erhielt das Hopfenaroma einen völlig neuen Stellenwert.“ Die Zahl der Sorten ist inzwischen so groß, dass die für Rezepte wichtigen Geschmacksvergleiche langsam knapp werden, also die Hinweise für den Brauer, ob der Hopfen eher ein Pfirsich- oder Pfefferaroma liefert. Größere Schwierigkeiten macht den Bauern in Europa aber das Wetter.

Die Ernte 2015 werde „noch lange als sehr problematische Ernte in Erinnerung bleiben“, heißt es bei Barth. Zwar wuchs die weltweite Anbaufläche, die Ernte schrumpfte aber. Vor allem in den wichtigen deutschen Gebieten gingen die Erträge zurück. Das Minus 2015: gut 26 Prozent. Schuld waren die Hitze und der zu geringe Niederschlag. Deutschland ist nach den USA das größte Hopfenland, das größte Anbaugebiet ist die Hallertau in Bayern. Dort ziehen am Donnerstag die Hopfenbauern bei ihrer traditionellen Hopfenrundfahrt eine Bilanz und blicken in eine sich weiter wandelnde Zukunft.

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Die Kräfteverteilung auf dem Weltbiermarkt

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