Heiße Phase des Börsengangs
Österreichische Post sucht nach Nischen

Bei der österreichischen Post hat sich in einer Urabstimmung die Mehrheit der Beschäftigten für den Börsengang ausgesprochen. Nach dem Börsengang will das Unternehmen auch Teile des deutschen Marktes ins Visier nehmen.

DÜSSELDORF/WIEN. Bislang hatten Gewerkschaft und Mitarbeitervertretung mit Streiks gedroht. In wochenlangen Verhandlungen hatten sich Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter dann jedoch auf ein großzügiges Beteiligungsmodell geeinigt, das nun gutgeheißen wurde.

Mit dem Verzicht auf Protestmaßnahmen beginnt die heiße Phase des Börsengangs, der spätestens im Juni über die Bühne gehen soll. 49 Prozent der österreichischen Post sollen an die Börse. Den Rest behält die Staatsholding ÖIAG. Die österreichische Post ist nach der holländischen und der deutschen Post erst das dritte ehemalige Staatsunternehmen der Branche in Europa, das den Schritt an die Börse wagt. Im Vergleich zur Konkurrenz sind die Österreicher klein: Mit einem Umsatz von 1,7 Mrd. Euro reichen sie an den „gelben Riesen“ in Deutschland, der im vergangenen Jahr 44,6 Mrd. Euro umgesetzt hat, nicht heran. Anders sieht es aus mit Blick auf das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda-Marge): Hier führen die Holländer mit 14,7 Prozent gefolgt von den Österreichern mit 13,2 Prozent. Die Deutschen erreichen einen Wert von 12,7 Prozent.

Wie bei der Konkurrenz trägt das noch immer gegen Wettbewerber geschützte Briefgeschäft den Löwenanteil zu Umsatz und Gewinn der Österreicher bei. „Das Briefgeschäft ist die Cash Cow“, sagt Postchef Anton Wais dem Handelsblatt. Obwohl in diesem Jahr in Österreich das Monopol bis zu einer Grenze von 50 Gramm für Briefe gefallen ist, rechnet Wais mit keinen Einbußen. Anders als in Deutschland fällt das Briefmonopol der Post in Österreich frühestens im Jahr 2009. Und dann?

„Unser Wettbewerbsvorteil sind die 1 900 Poststellen“, glaubt Wais. Gleichzeitig muss er einräumen, dass das Filialnetz viele Mitarbeiter braucht und kündigt an, die Zahl der Vollzeitstellen zu senken. Teilzeitarbeit werde gefördert. Seine Chance sieht Wais in Nischen. Dies gilt regional: Er sucht in Südosteuropa nach Kaufkandidaten, da er davon ausgeht, dass in drei bis fünf Jahren auch dort ehemalige Monopolisten privatisiert werden. Die Nischenphilosphie gilt auch für die Inhalte: In Deutschland beispielsweise will Wais stärker als bisher Geschäftskunden mit Kontakten zu Österreich betreuen. Die Kooperation mit dem Logistiker Transoflex lasse sich zu einer Kapitalbeteiligung ausbauen, betonte er.

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