Hello Fresh und der verschobene Börsengang
Machtkampf bei Rocket Internet

Der Streit bei Rocket Internet kocht hoch: Der verschobene Börsengang von Hello Fresh sorgt offenbar für Zwist zwischen den Samwers und einem wichtigen Investor. Der Start-up-Schmiede gehen die Erfolgsmeldungen aus.
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BerlinAufruhr bei Rocket Internet: Bei der Startup-Fabrik der Samwer-Brüder gibt es einen Wechsel an der Spitze des Aufsichtsrates. Neuer Chef ist der Unternehmensberater Marcus Englert, wie das Berliner Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Englert gilt als enger Vertrauter von Firmenchef Oliver Samwer. Der bisherige Vorsitzende Lorenzo Grabau vom Großaktionär Kinnevik bleibt als Mitglied in dem Aufsichtsgremium.

Hintergrund ist offenbar ein Machtkampf aufgrund des auf Eis gelegten Börsengangs des Lebensmittel-Versenders Hello Fresh. Darüber hatte das „Manager Magazin“ berichtet. Demnach soll der schwedische Investor über seine Anwälte das Vorhaben blockiert und Firmenchef Samwer so düpiert haben. Auslöser des Streits sei die hohe Preisvorstellung Samwers gewesen.

Laut einem Bericht der „Wirtschaftswoche“ hatte dieser einen Unternehmenswert von 3,3 Milliarden Euro angestrebt, obwohl die Bewertung bei der letzten Finanzierungsrunde im September bei lediglich 2,6 Milliarden Euro lag. Zudem ist Kinnevik nach Handelsblatt-Informationen bei Hello Fresh nicht direkt beteiligt – die Schweden hätten also eher Interesse an dem IPO eines anderen Start-ups gehabt.

Offiziell hält Rocket an den Börsenplänen von Hello Fresh fest. Wann genau dieser Schritt erfolge, sei aber davon abhängig, wann die Firma und die Finanzmärkte bereit seien, sagte Oliver Samwer am Mittwoch. Beim Capital Market Day im September hatte er noch versprochen, innerhalb von 18 Monaten eine seiner Beteiligungen an die Börse zu bringen. Rocket sei auf gutem Weg, dieses Ziel zu erreichen, erklärte er. Ob Hello Fresh dieses Start-up sein werde, könne er allerdings nicht sagen.

Gegründet wurde Hello Fresh 2011 und ist seitdem stark gewachsen: Das Start-up ist heute in sieben Ländern tätig, neben Deutschland beispielsweise auch noch in Österreich, den Niederlanden, Großbritannien und den USA. In den ersten neun Monaten dieses Jahres stieg der Umsatz auf 198 Millionen Euro, verglichen mit 41 Millionen im Vorjahreszeitraum. Gewinn macht das Unternehmen allerdings noch nicht: In den ersten drei Quartalen betrug der Fehlbetrag 58 Millionen Euro, sechs Mal mehr als zur gleichen Zeit 2014. Der Verlust ist vor allem dem hohen Werbeaufwand geschuldet. Rocket hält 56 Prozent der Anteile an Hello Fresh.

Die Samwers waren bei dem Kochboxversender eigentlich dringend auf gute Nachrichten angewiesen. Seit dem Börsengang der Ex-Tochter Zalando fehlt den Aktionären jeder Hinweis darauf, dass sich die Erfolgsstory wiederholt – ein Unternehmen zu gründen, das nicht nur viel Geld verbrennt, sondern langfristig auch profitabel wird. Auch deshalb dürfte der verpatzte Börsengang besonders geschmerzt haben.

Kommentare zu " Hello Fresh und der verschobene Börsengang: Machtkampf bei Rocket Internet"

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  • Alles was die Samwers tun und lassen nützt nur ihnen selbst. Ein Investor, der sich mit denen "ins Bett legt" muß wissen was er tut. Ich jedenfalls würde um die Samwers einen großen Bogen machen was auch für die Aktie gilt.

  • Es werden bestimmt noch viele Artikel über "Rocket Internet" erscheinen. Auf die letzten Artikel bin ich besonders gespannt. Ob da "Leere Kasse" als Überschrift steht ?

  • Rocket Internet ist eine Kopieranstalt. Es werden einfach nur Vertriebsplattformen in der ganzen Welt kopiert. Das war`s. Vom Geschäftsmodell her moralisch verwerflich. Das Auftreten der Samwers kann sehr einfach beschrieben werden: Versicherungsvertreter.

    Mich wundert es wirklich das es Investoren gibt die solche Firmen kaufenswert finden. Aber nun ja, zu Zeiten des Neuen Marktes gab es ja auch Analysten welche den Marktwert von Web.de exorbitant hoch einstuften, weil sie sich die Web-Adresse web.de gesichert hatten.

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