Hemjö Klein ist als Berater zur Bahn zurückgekehrt
Mr. Bahncard bekommt noch einen Auftritt

Die alte Bahncard ist wieder da – und mit ihr auch ihr Erfinder. Mit Hemjö Klein hat Bahn-Chef Hartmut Mehdorn wieder jenen Manager als Berater des Staatsunternehmens verpflichtet, der in seiner Zeit als Bahn-Vorstandsmitglied von 1982 bis 1993 für die Einführung der (alten) Bahncard verantwortlich war.

FRANKFURT/M. Der 61-jährige Klein soll wieder aufs Gleis bringen, was mit der massiven Kritik am neuen Preissystem der Bahn aus der Spur geriet. Fast zwei Drittel der Deutschen wollten nach einer repräsentativen Umfrage des Emnid-Instituts die alte Bahncard wiederhaben. Seit der Tarifreform im vergangenen Dezember gab es mit einer neuen, verbilligten Bahncard nur noch 25 Prozent Rabatt.

Zurück in die Zukunft – ein Coup, der ganz nach dem Geschmack von Hemjö Klein sein dürfte. Steht der Name des Ex-Bahn-Vorstands Klein doch für einige gute Marketing- Ideen des einst als „Unternehmen Zukunft“ beworbenen Konzerns. So stammt von dem in Lindlar geborenen Manager auch das Konzept der „Rosaroten Zeiten“ mit Billigangeboten zu verkehrsschwachen Zeiten. Doch bei seinem neuen und alten Arbeitgeber gibt es auch Kritiker des Managers, die zweifeln, ob Klein noch der richtige Mann für die heikle Mission ist, die Deutsche Bahn mit ihren Kunden zu versöhnen.

Immerhin hatte der agile Tarifexperte nicht immer unternehmerische Fortune bewiesen. So hatte Klein, der zuletzt die Beteiligungs- und Business-Angel-Firma Live Holding AG in Dreieich führte, in den vergangenen Jahren erfolglos versucht, die angeschlagene Musicalfirma Stella zu retten. Kleins Kompetenz als Experte für Markenpolitik ist immerhin unumstritten. So schaffte er bei der Deutschen Lufthansa, unterbrochen von seinem Intermezzo bei der Bahn, einen rasanten Aufstieg vom Lehrling zum Marketingvorstand, bevor er 1998 kündigte, weil die Chemie zwischen dem schillernden Manager und Lufthansa-Chef Weber nicht mehr stimmte.

„Klein liebt den großen Auftritt und ist ein blendender Selbstdarsteller“, erinnert sich ein alter Weggefährte aus Lufthansa-Zeiten. Doch mit Wirtschaftlichkeitserwägungen habe er nie etwas am Hut gehabt. Mit peppigen Sprüchen und quirligen Marketingideen allein dürfte er diesmal allerdings nicht auskommen. Klein wird auch ökonomischen Verstand und Fingerspitzengefühl brauchen, um das Image der Bahn wieder zu heben: Nach einer Emnid-Umfrage halten 40 % der Deutschen Bahnchef Mehdorn und sein Management für den Hauptschuldigen an der Bahnmisere.

Doch im neuen Personenverkehrs-Vorstand Karl-Friedrich Rausch findet Klein einen vertrauten Partner im Bahn-Management. Beide verbinden lange Jahre im Dienste der Lufthansa. Rausch brachte es dort bis zum Bereichsvorstand Passage. Dass eine Karriere bei der Lufthansa allerdings nicht immer eine Erfolgsgarantie bei der Bahn bedeutet, führte Rauschs Vorgänger Christoph Franz den beiden erst kürzlich vor Augen: Der ehemalige Lufthansa-Manager Franz orientierte sich am Tarifwerk der Fluggesellschaften und wurde nach der massiven Kritik am neuen Preissystem von Mehdorn gefeuert.

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