Henkel
Shopping-König will weiter zukaufen

Das Massengeschäft mit Schönheitsprodukten schwächelt. Henkel-Chef Hans Van Bylen will mit neuen Produkten und Zukäufen wieder für Wachstum sorgen. Er setzt auf die starke Finanzkraft.
  • 0

DüsseldorfAuf der Hauptversammlung wurde Henkel-Chef Hans Van Bylen zum „Shopping-König“ gekürt. Diese Rolle dürfte Van Bylen auch in den nächsten Monaten ausfüllen. „Wenn ein Unternehmen zu uns passt und der Preis stimmt, dann werden wir die Gelegenheit nutzen“, sagte er in einer Telefonkonferenz des Düsseldorfer Konzerns zu den Zahlen des dritten Quartals.

Wie hoch der Betrag ist, den er in Akquisitionen investieren kann, nannte er nicht. Er nannte aber indirekt eine Größenordnung. Henkel habe im vergangenen und im laufenden Jahr rund 5,9 Milliarden Euro für Übernahmen ausgegeben. Finanzvorstand Carsten Knobel lobte aber die hohe Finanzkraft des Wasch- und Klebstoffkonzerns. „Wir haben attraktive Anleihen begeben, die eine geringe Zinslast für uns bedeuten. Außerdem setzen wir auf unseren hohen Free-Cash-Flow zur Finanzierung von Übernahmen.“

Insbesondere im Geschäft für Schönheitsprodukte hält Van Bylen die Augen nach Möglichkeiten offen, weitere Unternehmen zu kaufen. Doch er machte auch klar, dass neue Produkte für Wachstum sorgen sollen. Dass dies funktioniere, zeige die Einführung der Haarfärbelinie „Got2be“. Außerdem erwartet er, dass das Geschäft mit Pflegeprodukten für Männer wächst.

Der Konsumgüterkonzern hat Umsatz und Gewinn im dritten Quartal dank anziehender Geschäfte seiner Klebstoffsparte gesteigert und blickt etwas optimistischer auf das Gesamtjahr. Analysten hatten indes noch höhere Zuwächse prognostiziert.

Die Erlöse kletterten in dritten Quartal um 4,9 Prozent auf 4,981 Milliarden Euro, das bereinigte betriebliche Ergebnis (Ebit) legte um 7,1 Prozent auf 897 Millionen Euro zu, wie der Hersteller von Pritt und Persil am Dienstag mitteilte. Analysten hatten mit einem Umsatz von 5,12 Milliarden Euro und einem bereinigten Ebit von 907 Millionen Euro gerechnet.

Henkel-Chef Hans Van Bylen erwartet weiter ein „volatiles und unsicheres Marktumfeld“, aktualisierte aber seine Prognose für das bereinigte Ergebnis je Vorzugsaktie 2017. Er rechnet jetzt mit einem „Zuwachs von rund neun Prozent“, zuvor waren es „zwischen sieben und neun Prozent“.

Im laufenden Jahr daran fest, das organische Umsatzwachstum weiter um zwei bis vier Prozent zu erhöhen. Die bereinigte operative Umsatzrendite (Ebit-Marge) soll von 16,9 Prozent auf „mehr als 17,0 Prozent“ zulegen.

Bei den den insgesamt für Henkel guten Zahlen schneidet der Bereich Schönheitspflege am schlechtesten ab. Er erreichte nur ein organisches Wachstum von 0,5 Prozent auf 941 Millionen Euro. Damit lief es bei der kleinsten Sparte von Henkel im dritten Quartal schlechter als bei den Klebstoffen und den Waschmitteln.

Bereits im zweiten Quartal stagnierte das Geschäft mit der Schönheitspflege um Produkte wie „Schwarzkopf“, „Syoss“ oder „Bac“, was Vorstandschef Hans Van Bylen im August noch mit schwächeren Märkten im Einzelhandelsgeschäft in Italien und Frankreich begründete, „das unter unseren Erwartungen blieb. Wir haben Maßnahmen ergriffen, um das zu verbessern“, sagte er damals bei einer Telefonkonferenz.

Was er unter anderem damit meinte, wurde im Oktober deutlich: Henkel trennte sich vom Chef der Schönheitssparte Pascal Houdayer. Der 46-Jährige war erst im vergangenen Jahr in den Vorstand aufgestiegen und hatte im Mai die Verantwortung für diesen Geschäftsbereich übernommen. Zuvor war Henkel-Chef Van Bylen für diese Sparte selbst zuständig.

Nun ist seit Anfang November Jens-Martin Schwärzler Chef der Sparte, um sie auf Erfolgskurs zu bringen. Der 54-Jährige arbeitet bereits seit 1992 im Konzern und hatte verschiedene Positionen im In- und Ausland. Zuletzt war er für die Waschmittel-Sparte in den USA zuständig. Sicherlich wird er weiter auf Möglichkeiten hoffen, um den kleinsten Bereich von Henkel durch Zukäufe zu stärken.

Van Bylen legt ein hohes Akquisitionstempo vor. Bereits kurz nach Amtsantritt kündigte er die Übernahme des US-Waschmittelkonzerns Sun für 3,2 Milliarden Euro an. Im März dieses Jahres gab er den Kauf des US-Verpackungsspezialisten Darex für fast eine Milliarde Euro bekannt.   

Und Ende Oktober kam das nordamerikanische Friseurgeschäft von Shiseido zu einem Kaufpreis von 485 Millionen US-Dollar hinzu. Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte das Unternehmen mit Hair Professional-Marken wie Joico und Zotos Professional einen Umsatz von rund 230 Millionen US-Dollar und beschäftigte rund 700 Mitarbeiter. „Damit stärken wir unser Friseurgeschäft in den USA, dem weltweit größten Hair Professional-Einzelmarkt“, begründete Van Bylen die Akquisition.

Kommentare zu " Henkel: Shopping-König will weiter zukaufen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%