Hennes & Mauritz
Schwache Konjunktur setzt H&M zu

Der Modekonzern Hennes & Mauritz kämpft mit dem gebremsten Konsumwillen der Verbraucher. Damit stehen die Schweden vor dem gleichen Problem wie ihre stärksten Konkurrenten. Trotzdem treibt der Modehändler seine weltweite Expansion unbeirrt voran. Bis zum Jahresende sollen 144 neue Geschäfte eröffnet werden.

STOCKHOLM. Auch bei den direkten Konkurrenten von Hennes & Mauritz (H&M), dem US-Händler Gap sowie der spanischen Inditex mit ihren Ketten Zara und Massimo Duti wird derzeit nicht so viel geshoppt, wie es die Eigentümer gerne hätten. Auch sie trifft die schwächelnde Konjunktur auf den wichtigsten Märkten Deutschland, USA, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien.

In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2007/2008 (Ende November) stieg der H&M-Vorsteuergewinn gegenüber dem Vorjahr zwar um neun Prozent auf 14,1 Mrd. Kronen (1,4 Mrd. Euro), lag aber deutlich unter den Erwartungen. Auch das elfprozentige Umsatzplus auf 62,2 Mrd. Kronen enttäuschte. Die H&M-Aktie gab deshalb an der Börse in Stockholm zwischenzeitlich fast elf Prozent nach. Seit Jahresbeginn hat das Papier 29 Prozent verloren. Das liegt nicht zuletzt daran, dass H&M seinen erfolgsverwöhnten Aktionären den schwächsten Gewinnzuwachs seit fünf Jahren präsentierte.

„Das war ein schwacher Bericht“, sagte ein Analyst in Stockholm. Dennoch gab es auch positive Aspekte, wie ein anderer Experte hervorhob. Tatsächlich hat H&M im August, dem letzten Monat des dritten Geschäftsquartals, neun Prozent mehr umgesetzt als noch ein Jahr zuvor. Und schon im August vergangenen Jahres hatte das Umsatzplus 25 Prozent erreicht – ein starkes Ergebnis, das jetzt sogar noch übertroffen wurde. Entsprechend positiv bewerteten Analysten diese Zahl.

H&M, nach der spanischen Inditex-Gruppe, die weltweite Nummer zwei im Modemarkt, litt in den zurückliegenden Monaten besonders unter dem gebremsten Konsumwillen der Verbraucher. Deshalb versuchte der Konzern zeitweise mit Sonderangebotsaktionen die Kunden in die Geschäfte zu locken. Mit diesen Maßnahmen sank aber gleichzeitig die Bruttomarge. Sie gibt das Verhältnis von Gewinn zum Umsatz an und ist für Analysten eine der wichtigsten Kennzahlen. Die Bruttomarge ging laut H&M-Finanzchef Nils Vinge von 61,2 auf 60,8 Prozent zurück. Und das obwohl H&M, Zara und andere Konkurrenten von einem einzigartig günstigen Dollar profitierten: Die meisten Bekleidungsstücke kaufen diese Unternehmen in Asien ein, wo in Dollar bezahlt wird. H&M-Chef Rolf Eriksen erklärte am Dienstag in Stockholm, dass sein Unternehmen in den kommenden Monaten keine Preiserhöhungen plane.

Auch das relativ kühle Wetter in den Sommermonaten machte dem Konzern zumindest in Europa zu schaffen, da das Interesse der Kunden an der Sommerkollektion etwas schwächer als erwartet war.

H&M steht mit seinem durchwachsenen Ergebnis nicht allein da. Auch Inditex präsentierte erst vor zwei Wochen ein ebenfalls schwaches Quartalsergebnis. Der US-Konkurrent GAP spürt die schwächelnde Konjunktur ebenfalls. Dennoch gibt sich H&M-Chef Eriksen kämpferisch und will bis Ende des Jahres weitere 144 Geschäfte auf den wichtigsten Märkten in Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien, Großbritannien und den USA eröffnen. Insgesamt betreibt H&M weltweit 1 618 Geschäfte. Mit dem Deutschland-Geschäft zeigte sich der Konzern zufrieden. Vor allem der Online-Shop von H&M habe sich sehr gut entwickelt und sei mittlerweile eine sehr wichtige Ergänzung zu den Geschäften.

Das Debüt in Japan, wo H&M erst vor kurzem sein erstes Geschäft eröffnete, bezeichnete Eriksen als „geglückt“, ohne Einzelheiten zu nennen. Er kündigte allerdings die Eröffnung weiterer drei Geschäfte in Tokio an. „Wir sehen großes Wachstumspotenzial in Japan“, sagte er. Anders als Konkurrent Zara ist H&M bislang noch nicht auf dem russischen oder ukrainischen Markt vertreten. Im kommenden Jahr will H&M allerdings seinen ersten Laden in Moskau eröffnen.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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