Hermès
Schuhe, Liebe und viel Leidenschaft

Die Luxusmodekonzerne treiben immer größeren Aufwand, um für ihre neuesten Kreationen zu werben. Für seine Schuhkollektion inszeniert Hermès eine Revue mit Pariser Balletttänzern, die vor Erotik sprüht.

DüsseldorfLiebesszenen im Theater ohne Umarmung, Küsse oder eindeutige Bettszenen? Das ist schwer vorstellbar. Doch es funktioniert, wie der französische Luxuskonzern Hermès im Düsseldorfer Musicalhaus Capitol am Mittwochabend zeigte. Der größte Teil der Bühne ist verdeckt. Nur ein kleiner, rechteckiger Ausschnitt gibt den Blick frei. Dort sind nur Schuhe und Beine von Balletttänzern zu sehen. Zwei lange nackte Damenbeine in roten Schuhen tanzen mit zwei Männerbeinen in grauer Hose und schwarzen Schuhen. Mal schlingt sich das Frauenbein kurz um das ihres Partners, dann kickt es dieses weg und entfernt sich, um wieder zurückzukehren.

Der französische Luxuskonzern reduziert in seiner Revue „Schreiten, Tanzen und Flanieren“ die gesamte Handlung auf Beine und Schuhe. Hermès lenkt so spielerisch und mit viel Fantasie den Blick auf die neueste Schuhkollektion seines Designers Pierre Hardy. Das reicht von kunstvollen roten oder schwarzen Pumps mit hohem Absatz bis zu weißen Sneakers und braunen Stiefeln. Ja, und dann darf natürlich bei einer solchen Inszenierung nicht das Hermès-Seidentuch fehlen, das aus einer der berühmten Einkaufstaschen in der orangen Corporate-Farbe schwebt.

Dass Hermès seine Schuhe so aufwendig inszeniert, zeigt, welche Bedeutung der französische Konzern ihnen beimisst. Sie gehören neben Uhren, Schmuck, Möbeln und dem Maisonbereich zu den Sparten, die „in den kommenden Jahren stark wachsen“ werden, wie Produktionsvorstand Guillaume des Seynes Anfang des Jahres dem Handelsblatt sagte, als er den neuen Flagshipstore in Düsseldorf eröffnete.

Wieviel Umsatz der Konzern derzeit mit Schuhen erzielt, lässt sich nicht genau sagen. Denn Hermès hat das Schuhgeschäft in der Sparte Ready-to-wear und Accessoires versteckt. Die steuerte im vergangenen Jahr knapp ein Viertel zum Gesamtumsatz von 4,2 Milliarden Euro bei. In den ersten sechs Monaten des aktuellen Jahres war dieser Bereich mit einem Plus von acht Prozent immerhin der mit dem zweitstärksten Wachstum nach Lederwaren und Sätteln, dem traditionsreichen Kerngeschäft von Hermès.

Mit seinem Ergebnis im Schuhgeschäft liegt der französische Konzern im Trend. Denn die Sparte Accessoires, zu der auch Schuhe gehören, ist im vergangenen Jahr von allen Produktgruppen des Luxusmarktes am stärksten gewachsen. Nach Angaben des italienischen Luxusverbandes Altagamma und Bain & Company stieg der Umsatz im vergangenen Jahr um vier Prozent auf 65 Milliarden Euro weltweit. „Schuhe waren in dieser Sparte die erfolgreichste Kategorie“, heißt es in ihrer gemeinsamen Luxusmarkt-Studie.

Bei Hermès bilden die Schuhe eine Ausnahme in der Firmenphilosophie. Denn der Konzern fertigt den Großteil seiner Lederprodukte wie die berühmte Handtasche „Kelly-Bag“, benannt nach der verstorbenen Fürstin von Monaco Grace Kelly, in eigenen Werken in Frankreich. Bei den Schuhen aber verlässt sich der Konzern lieber auf das Knowhow italienischer Manufakturen.

Aber die Präsentation seiner Pumps, Stiefel und Sportschuhe bleibt in französischer Hand. So hat die französische Choreographin Joelle Bouvier die Schuhrevue inszeniert, bei der es am Schluss sogar noch schneit. Und die Inszenierung, die auch in Berlin, Frankfurt und München lief, endet im Düsseldorfer Capitol Theater auch nicht nach der halbstündigen Show. Während die Gäste sich später an kleinen Häppchen erfreuen, sich von professionellen Schuhputzern ihre Fußbekleidung polieren oder sich von einem Porträtmaler verewigen lassen, räkelt sich der Star aus der Revue auf einer kleinen Extrabühne. Diesmal ist er ganz zu sehen. Die Erkenntnis: Zu den langen Beinen einer Tänzerin gehört eben auch ein durchtrainierter Körper. Und ein schönes Gesicht.

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