Heros-Betrug
Das Kartell der Kassierer

In der Heros-Affäre deutete früh vieles auf Betrug hin. Doch Heros seifte Kunden ein. Behörden und Banken schlampten. Jetzt muss dafür der Steuerzahler bluten.

DÜSSELDORF. Der Geruch von Fäulnis, er lag schon lange in der Luft. Auch die einstigen Heros-Mitarbeiter Peter Weber und Frank Stein (Name von der Redaktion geändert) haben ihn wahrgenommen. Einmal, es war im April 2005, da entdeckten Kollegen in der Firmengarage einen Plastikbeutel mit 20 000 Euro, einfach so in eine offene Kiste geworfen. „Und kein Mensch“, sagt Stein, „wusste, woher das Geld kam.“

Auch mit den Sicherheitsbestimmungen nahm es die Firma nicht so genau. Weber musste schon mal einen Panzerwagen fahren, über dessen Windschutzscheibe ein dicker Riss lief. Und die Neun-Millimeter-Revolver der Wachleute wurden meist vorschriftswidrig zusammen mit der passenden Munition aufbewahrt, erzählen die früheren Angestellten. Mehr noch: Nachweise über das regelmäßig vorgeschriebene Schusstraining für die Heros-Bediensteten seien systematisch gefälscht worden.

Stein, der ehemalige Einsatzleiter mit dem Don-Johnson-Haarschnitt und der Wolljacke, und Weber, der Ex-Fahrer in Blue Jeans und Streifenhemd – zwei Heros-Angestellte, die früh gerochen haben, dass bei ihrem Arbeitgeber etwas faul war. Deutschlands größtes Geldtransportunternehmen – für sie ein einziges Sicherheitsrisiko.

Aber auch die anderen Betroffenen und Beteiligten am verschachtelten System der Privatsheriffs hätten nach Meinung der ermittelnden Beamten längst Zweifel anmelden müssen: Kunden, Versicherungen und sogar die Banken. Doch niemand reagierte, niemand schaltete zunächst die Strafverfolger ein.

Das Ergebnis: Seit Mitte Februar erschüttert ein aberwitziger Betrugsskandal die Republik. Mehr als zehn Jahre lang konnten vier Manager der Heros Transport GmbH insgesamt 350 Millionen Euro an Kundengeldern unterschlagen. Jetzt ist das Unternehmen mit 5 000 Mitarbeitern und 47 Filialen insolvent, viel Geld ist verschwunden, die Manager sitzen in U-Haft, Hunderte Arbeitnehmer fürchten um ihre Jobs, und womöglich muss der Steuerzahler für einen Teil des Schadens aufkommen.

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