Heros
Chronik eines Versagens

Der Fall Heros ist ein Lehrbeispiel dafür, wie durch laxe Aufsicht, Kompetenzstreitigkeiten und abenteuerliche Auslegungen Millionenbeträge auf Bundesbank-Konten versichern konnten. Das Handelsblatt erzählt die Geschichte eines Betruges, der beinahe die Bargeldversorgung in Deutschland zum Erliegen gebracht hätte.

FRANKFURT. Im Februar 2006 flog ein jahrelanger, systematischer Betrug der Geschäftsleitung des größten deutschen Geldtransportkonzerns auf. Die Heros-Gruppe musste Konkurs anmelden. Kunden, vor allem Einzelhandelsunternehmen, blieben auf Schäden von insgesamt rund 350 Millionen Euro sitzen. Die Bargeldversorgung in Deutschland habe damals kurz vor dem Kollaps gestanden, sagt Heros-Konkursverwalter Manuel Sack. Die Betrugsmasche beinhaltete auch Geschäfte, die Heros laut eines Gesetzes zur Geldwäschebekämpfung seit 1998 nur mit behördlicher Genehmigung hätte tätigen dürfen – so genannte Finanztransfergeschäfte. Diese Genehmigung hatte das Unternehmen nicht. Wie konnte das passieren, wo war die Aufsicht? Es folgt die Chronik einer am Zuständigkeitswirrwarr und an Interessenkonflikten gescheiterten Aufsicht:

3. Mai 2006: Die Bundesvereinigung der deutschen Geld- und Wertdienste (BDGW) wirft der Bundesbank vor, sie habe den Schwindel bemerken müssen, da die Heros-Transaktionen über Bundesbank-Konten liefen. Dazu muss man wissen, dass der BDGW sowohl mit dem Nichtmitglied Heros als auch mit der Bundesbank auf Kriegsfuß stand. Heros hatte durch Dumpingpreise die Verbandsmitglieder entweder verdrängt oder aufgekauft und sich so einen Marktanteil von annähernd fünfzig Prozent gesichert. Der Verband hat die Bundesbank wegen unlauteren Wettbewerbs verklagt, weil diese die Sortierung von Bargeld zu Preisen anbietet, mit denen privatwirtschaftlich arbeitenden Unternehmen nicht mithalten können. Die vielfältigen Konflikte zwischen Verband und Bundesbank haben nach Einschätzung mancher Insider Bemühungen um die Einführung einer effizienten Aufsicht erheblich erschwert. Der Verband empfindet es denn auch als Ärgernis, dass die Bundesbank die Heros-Pleite nicht als Argument für eine Verbesserung der Aufsicht sieht, sondern als Argument dafür, dass die Bundesbank den Privaten noch mehr Geschäft abnehmen müsse. Tatsächlich erklärt die Bundesbank auf Anfrage des Handelsblatts, ihre Verantwortung für die Sicherstellung des Bargeldumlaufs begrenze sich auf Fälschungssicherheit und Gewährleistung einer ausreichenden Infrastruktur. „Diese öffentlichen Aufgaben erfordern einen angemessenen Anteil der Bundesbank an der Bearbeitung des Bargelds.“

16. Mai 2006: Das WDR-Fernsehmagazin Plusminus berichtet über Dokumente, aus denen hervorgeht, dass man anhand der von Heros eingereichten Belege die Betrugsmasche ganz leicht hätte ersehen können. Die Bundesbank, bei der die Konten geführt werden erklärt sich aber für nicht zuständig, weil die Geldtransportbranche nur der allgemeinen Gewerbeaufsicht unterliege. Für die Geldwäscheaufsicht über die Branche, die per Gesetz vorgeschrieben ist, sei die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zuständig.

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